16. Januar 2012 · Quelle: Antifa Erkner

NPD-Treffen ohne Störung

Nahezu ungestört fand am Woch­enende im Hotel „See­garten“ in Grün­hei­de der Neu­jahrsemp­fang der NPD-Land­tags­frak­tio­nen aus Sach­sen und Meck­len­burg-Vor­pom­mern statt.

Der Neu­jahrsemp­fang hat­te in der Region um Erkn­er für viel Wirbel gesorgt, nach­dem erst kurz vorher bekan­nt wurde, dass dieser dort stat­tfind­en sollte. Viele mögliche Ver­anstal­tung­sorte waren im Gespräch und kon­nten auch durch die Polizei, die Kom­munen, Journalist_Innen und Antifaschist_Innen nicht her­aus­ge­fun­den wer­den. Mit dazu beige­tra­gen hat­te mit Sicher­heit auch die Infor­ma­tion­sstrate­gie der NPD, deren Press­esprech­er der taz mit­teilte, dass Tre­f­fen fände am Son­ntag statt – nicht wie jet­zt bekan­nt am Sam­stag. Erstaunlich, fand doch zur gle­ichen Zeit in Magde­burg ein großer Nazi­auf­marsch mit über Tausend Teil­nehmern statt. Im Vor­feld wurde von uns als Ort das Restau­rant „Löck­nitzidyll“ in Erkn­er angegeben, wom­it wir falsch lagen. Die Betreiber hät­ten durch ein ein­deutiges Demen­ti von vorn­here­in Klarheit schaf­fen kön­nen und sich selb­st, vie­len Anderen und nicht zulet­zt ihrem Anwalt viel Aufre­gung und Arbeit erspart. Nur durch einen Zufall wurde der tat­säch­liche Ort und Tag bekannt.

Tat­säch­lich trafen sich die Nazis im Hotel „See­garten“ in Grün­hei­de, welch­es unge­fähr sechs Kilo­me­ter von Erkn­er ent­fer­nt, strate­gisch gün­stig am Rand des Ortes zwis­chen Wald und Peet­zsee und unweit zweier Auto­bahn­ab­fahrten liegt. Seit Sam­stag­mor­gen stand den Nazis schein­bar das ganze Hotel zur Ver­fü­gung. Besuch­er, die offen­sichtlich nicht zum erwarteten Pub­likum gehörten, wur­den von Hotelper­son­al direkt an der Tür abge­blockt. Einige Teil­nehmer der als Betrieb­s­feier deklar­i­erten Ver­anstal­tung über­nachteten auch dort und in einem weit­eren Hotel. Die Angestell­ten leugneten auf Nach­frage dass es sich bei den Mietern um die NPD han­delte, obwohl es kaum ver­bor­gen geblieben sein durfte, um wes Geistes Kind es sich bei denen han­delte. Die Nazis bewacht­en „ihr“ Hotel und reagierten gereizt und aggres­siv, wenn sich Unbekan­nte dem Objekt näherten. Verdächtige Autos wur­den über mehrere Kilo­me­ter ver­fol­gt und fotografierende Antifaschist_Innen belei­digt und geschub­st. Der Höhep­unkt war Maik Schef­flers Dro­hung, die Polizei zu rufen und ihnen gegenüber zu behaupten, es wären Autos zerkratzt wor­den – eine Lüge, die die Polizei offen­sichtlich auch unhin­ter­fragt glaubte. Die hat­te aber bis zu diesem Zeit­punkt noch keine Ahnung, wo sich die Nazis an diesem Tag trafen. Kurze Zeit später standen bere­its Streifen­wa­gen vor dem Hotel und an den Zufahrtsstraßen des Ortes, die im Laufe des Tages durch Bere­itschaft­spolizei und Beamte in Ziv­il ergänzt wur­den. Die Polizis­ten kon­trol­lierten vor dem Hotel die ank­om­menden Fahrzeuge und schick­ten anreisende Geg­n­er der Nazis zurück. Eine Behin­derung oder Störung des rei­bungslosen Ablaufes des Naz­itr­e­f­fens war unter diesen Umstän­den nahezu unmöglich, was aber einige Men­schen nicht davon abhielt trotz­dem ihren Protest kund zu tun.

Alles in allem war es für die NPD ein gelun­ge­nes Tre­f­fen zur Selb­stver­ständi­gung und ‑bespaßung ohne lästi­gen Protest oder Störung. Die „Kam­er­aden“ hat­ten sich offen­bar viel zu sagen, was die Öffentlichkeit und die Presse nicht hören sollten.

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