1. November 2004 · Quelle: Red Halbe

NS-Verherrlichung stoppen!

Am 13. Novem­ber diesen Jahres wer­den sich Alt- und Neon­azis wieder bemühen die totale Nieder­lage der Kesselschlacht in Halbe 1945 als ruhm­re­iche Tat deutsch­er Sol­dat­en darzustellen. Ihr „Heldenge­denken“ soll die auf dem Wald­fried­hof Halbe begrabenen 22.000 Sol­dat­en aus Wehrma­cht, SS und Volkssturm ehren und der nation­al­sozial­is­tis­chen Ide­olo­gie in der vorge­blichen Trauer Legit­i­ma­tion ver­lei­hen.

Halbe – Fried­hof fanatisiert­er Nation­al­sozial­is­ten

In der let­zten großen Schlacht des zweit­en Weltkriegs zur Vertei­di­gung Berlins vor der Roten Armee, die in der Gegend um Halbe, ca. 70 km südöstlich von Berlin stat­tfand, fiel das let­zte Aufge­bot des Drit­ten Reich­es. Trotz der offen­sichtlichen Über­legen­heit der sow­jetis­chen Trup­pen ließen sie lieber ihr Leben, als sich vom Nation­al­sozial­is­mus loszusagen. Dieser gren­zen­lose Fanatismus dient den Nazis der Gegen­wart als pos­i­tiv­er Bezugspunkt für ihre heutige Poli­tik. Durch die Iden­ti­fika­tion mit dem Nation­al­sozial­is­mus kann die extreme Rechte eine Tra­di­tion bzw. Ver­gan­gen­heit aufweisen, die zum einen die Szene eint und einen Brück­en­schlag von Alt- und Neon­azis her­stellt. Zum anderen wird es durch das Vor­weisen ein­er fan­tastisch anmu­ten­den Geschichte ein­fach­er Inter­essierte zu inte­gri­eren. Aktuelle Sachver­halte kön­nen mit­tels dieser Geschichts­bilder ein­fach­er bew­ertet wer­den und es wird der Ein­druck erweckt man sei im Besitze ein­er absoluten Wahrheit. Dass der Nation­al­sozial­is­mus alles andere als ruhm­re­ich war und die began­gen mörderischen Ver­brechen der deutschen Bevölkerung eher dazu dienen, sich selb­st als größtes Opfer des Drit­ten Reich­es zu fühlen ist dabei natür­lich neben­säch­lich.

Neon­azi­aufmärsche in Halbe 1990–2003

Seit 1990 ver­sucht die Naziszene am „Volk­strauertag“ eine Gedenkver­anstal­tung für ihre „Helden“, also für die Wehrma­cht, für die SS-Ein­heit­en und den Volkssturm durchzuführen. Damit knüpfen die Nazis unver­hohlen an das nation­al­sozial­is­tis­che „Heldenge­denken“ im Drit­ten Reich an. Das poli­tis­che Ziel ist die Durch­set­zung der Möglichkeit, Poli­tik und Gedenkver­anstal­tung mit direk­tem Bezug zum Nation­al­sozial­is­mus zu ermöglichen.
In den Jahren 1990 und 1991 sam­melte sich die gesamte mil­i­tante Naziszene der Bun­desre­pub­lik am „Volk­strauertag“ in Halbe. Danach wurde der Nazi­auf­marsch bis zum Jahr 2003 ver­boten. Auf­grund ein­er verän­derten Recht­sprechung des Bun­desver­wal­tungs­gerichts scheit­erten die Ver­botsab­sicht­en der Behör­den 2003 und das „Heldenge­denken“ fand mit etwa 700 Teil­nehmerIn­nen erst­ma­lig unter dem Mot­to „Ruhm und Ehre dem deutschen Frontsol­dat­en“ statt.

Schien der offene Bezug auf den Nation­al­sozial­is­mus zwar ver­hal­tener als bei den nazis­tis­chen Ver­anstal­tun­gen Anfang der neun­ziger Jahre, erfüllte die Ehrung von Wehrma­chtssol­dat­en und Sol­dat­en der Waffen–SS doch den gle­ichen Zweck – die Schaf­fung eines pos­i­tiv­en Bezugs zum Nation­al­sozial­is­mus.

Organ­isiert vom Kam­er­ad­schaftsver­bund „Wider­stand Nord“ ist der Auf­marsch vor allem ein Steck­enpferd von dem Beruf­s­nazi Chris­t­ian Worch aus Ham­burg, der neben unzäh­li­gen anderen auch die jährlichen Aufmärsche am 1. Mai in Leipzig anmeldet.

Nazis­tis­che Gedenkbe­we­gung

Mit­tler­weile existieren eine Vielzahl recht­sex­tremer Grup­pierun­gen, die es sich zur Auf­gabe gemacht haben mit­tels geschichtsver­fälschen­der Gedenkpoli­tik die Ver­brechen der Wehrma­cht zu ein­er ruh­mvollen Geschichte umzudeuten. Öffentlichkeitswirk­same Beispiele dafür sind die seit 2001 stat­tfind­en Gedenkmärsche im bayrischen Wun­siedel zu Ehren des Hitler­stel­lvertreters Rudolf Heß mit tausenden Teil­nehmerIn­nen und das Erricht­en sym­bol­is­ch­er Fried­höfe durch das Auf­stellen selb­st­gez­im­mert­er Holzkreuze wie z.B. im April diesen Jahres nahe Neustre­litz. Großer Beliebtheit erfreut sich auch die Pflege von Kriegerdenkmälern von im 2. Weltkrieg gefal­l­enen deutschen Sol­dat­en durch organ­isierte Putzwu­tak­tio­nen. Zu „Ruhm und Ehre“, so Organ­i­sa­tio­nen wie das „Ehrenkomi­tee 8. Mai“, das eben­falls nach Halbe mobil­isiert oder auch der „Arbeit­skreis Mädelschar“ aus Nord­deutsch­land, solle damit den deutschen Frontsol­dat­en ver­holfen wer­den.

In völkisch­er Tra­di­tion – Volks­bund deutsch­er Kriegs­gräber­für­sorge
Beziehen sich Recht­sex­trem­is­ten ein­mal im Jahr in Halbe ganz offen auf den Nation­al­sozial­is­mus und ver­suchen ihre völkischen Tra­di­tio­nen zu pfle­gen, so küm­mern sich andere Insti­tu­tio­nen das ganze Jahr um den Erhalt des Sol­daten­fried­hofes in Halbe. Dieser wurde erst im Jahre 1951 durch die Bemühun­gen des Pfar­rers Ernst Teich­mann ein­gerichtet. Über 23.000 Wehrma­chtssol­dat­en, von denen 8.000 namentlich bekan­nt sind, wur­den in den Fol­ge­jahren aus den umgeben­den Wäldern umge­bet­tet. In Außer­acht­las­sung der geschichtlichen Ereignisse wur­den 1956 auf den gle­ichen Fried­hof Opfer des NS umge­bet­tet, zu denen neben Deser­teuren auch sow­jetis­che Zwangsar­bei­t­erIn­nen gehörten, die aus den umliegen­den Zwangsar­beit­er­lagern stammten. Noch heute wer­den im Jahr etwa 50 – 80 Tote aus der Umge­bung auf den Fried­hof in Halbe umge­bet­tet. Mit dieser Arbeit ist seit Jan­u­ar 2001 offiziell der Volks­bund deutsch­er Kriegs­gräber­für­sorge e. V. (VdK) betraut.

Der von der Bun­desregierung sub­ven­tion­ierte VdK grün­dete sich bere­its 1919 und betreut vor allem Gräber deutsch­er Sol­dat­en im Aus­land. Stellt sich der VdK gern als Insti­tu­tion dar, die friedenss­tif­tende Arbeit zur Aussöh­nung leis­tet, ist er doch vor allem eins, eine Organ­i­sa­tion zur Pflege völkisch nationaler Tra­di­tio­nen und Werte und dient zur Ver­fälschung deutsch­er Ver­gan­gen­heit..

Unhin­ter­fragt wer­den Gräber deutsch­er Sol­dat­en des 1. und 2. Weltkrieges gepflegt und eine Ehrung dieser als ruhm­re­iche Krieger durch teils aufwendi­ge Restau­ra­tio­nen und nachträgliche Bestat­tungs­feiern wirkungsvoll in Szene geset­zt. „Wir wollen, dass die Bevölkerung daran teil­nimmt und führen deshalb zweimal jährlich entsprechende Trauer­feiern durch. Bis dahin soll­ten die Toten allerd­ings im Neben­raum unser­er Trauer­halle ste­hen!“ , so Erd­mute Labes, stel­lvertre­tende Lan­desvor­sitzende des Volks­bun­des Deutsch­er Kriegs­gräber­für­sorge e.V. Bran­den­burg, zum Fried­hof in Halbe. Die Ent­poli­tisierung und dadurch pos­i­tive Aufw­er­tung der deutschen Sol­dat­en erre­icht der VdK indem lediglich das erfahrene Leid und nicht die geschichtlichen Hin­ter­gründe fokussiert wer­den.

Grausige Jugen­dar­beit

Neustes Pro­jekt des VdK soll die Errich­tung ein­er soge­nan­nten Jugend­begeg­nungsstätte in Halbe sein. Damit wolle man die Jugend an die Gräber führen und ihnen dort verdeut­lichen, dass Frieden im eige­nen Bere­ich und zwis­chen den Völk­ern das höch­ste Gut sei, das es zu schützen gelte. Wie sie das mit ein­er Über­höhung von Wehrma­chtssol­dat­en und durch die Pflege völkisch mil­i­taris­tis­ch­er Denkmäler, erre­ichen wollen das lässt der VdK offen. Die Pfar­rerin Labes lässt aber den­noch ver­laut­en, dass sie sich in näch­ster Zukun­ft dafür ein­set­zen wolle, dass diese Begeg­nungsstätte entste­hen werde, wo sich Deutsche, Russen und Ukrain­er auf „his­torischem Boden“ tre­f­fen kön­nen. Bere­its jet­zt gibt es Führun­gen für Jugendliche, die dann einige Stun­den auf dem Fried­hof­s­gelände Laub kehren, Grab­steine putzen und deren Inschriften erneuern. Die Schüler soll­ten erken­nen, dass hin­ter dem Krieg Einzelschick­sale steck­ten und Krieg nicht nur ein Lehrstoff in der Schule sei. Als hät­ten sich die Ange­höri­gen der Wehrma­cht und der Waffen–SS ganz zufäl­lig in der Umge­bung getrof­fen und es nur ein trau­riges Schick­sal war, dass sie ungek­lärter Weise und unver­schuldet dahin­raffte.

Falsches Gedenke
n wird gesellschafts­fähig

Erschreck­end ist wie erfol­gre­ich diese Meth­ode ist: nation­al­sozial­is­tis­che Ver­brechen und die Kriegs­führung der Wehrma­cht in eine Anerken­nung von Leid bzw. ver­schieden­er Einzelschick­sale umzudeuten. Dadurch, dass es sich beim VdK um eine gesellschaftlich anerkan­nte und nicht als recht­sex­trem stig­ma­tisierte Insti­tu­tion han­delt, die von der Bun­desregierung sub­ven­tion­iert wird, reichen solche geschichtsver­fälschen­den Posi­tio­nen weit in die Mitte der Gesellschaft hinein. Dadurch wird eine Gedenkpoli­tik forciert bei der es nicht mehr als Tabu betra­chtet wird sich pos­i­tiv auf Ver­brechen der Wehrma­cht und der Waffen–SS zu beziehen.

Es muss also für die Zukun­ft zum klaren Ziel erk­lärt wer­den Vere­ine und Organ­i­sa­tion, die geschichtsver­fälschende Posi­tio­nen vertreten und damit recht­en und recht­sex­tremen Ide­olo­gien Vorschub leis­ten in die rechte Ecke zu stellen, in die sie gehören.

Ob nach sechzig oder hun­dert Jahren, wer pos­i­tiv der deutschen Sol­dat­en des zweit­en Weltkrieges gedenkt, gedenkt Nazis. Hier gibt es keine Ver­jährungs­frist. Ange­hörige der Wehrma­cht und der Waffen–SS waren und bleiben Ver­brech­er!

Faschis­tis­ches Heldenge­denken in Halbe ver­hin­dern!

Nazis­tis­che Überzeu­gungstäter stop­pen!

Antifa Demon­stra­tion

Gegen den Nazi­auf­marsch in Halbe am 13.11. um 12 Uhr

Bus­tr­e­ff­punk­te für den 13.11.:

Berlin: 10 Uhr — Rosa Lux­em­burg Platz

Bran­den­burg: 11 Uhr – Bhf. Königs Wuster­hausen

Tick­ets gibts für 3 Euro bei Schwarze Risse (Gneise­naus­tr. 2a, Kreuzberg // Kas­tanien­allee 84, Pren­zlauer­berg)

Infos

12.11. 19 Uhr Mehring­hof (Gneise­naus­tr. 2a)

Ver­anstal­tung und Vol­lver­samm­lung

Infotele­fon: 0178 / 864 23 23

www.redhalbe.de.vu

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