27. November 2005 · Quelle: Junge Welt

Öffentlicher Druck zeigte Wirkung

Die Pots­damer Antifaschistin Julia S. ist am Don­ner­stag aus der Unter­suchung­shaft ent­lassen wor­den. Ein beste­hen­der Haft­be­fehl gegen die 21jährige wurde gegen Meldeau­fla­gen aus­ge­set­zt. Dreimal pro Woche muß sich Julia S. nun zukün­ftig bei der Pots­damer Polizei melden. 

Die junge Frau hat­te bere­its seit dem 20. Juni dieses Jahres in der Jus­tizvol­lzugsanstalt Luck­au-Duben in Unter­suchung­shaft einge­sessen. Polizei und Jus­tiz wer­fen ihr vor, in der Nacht zum 19. Juni gemein­sam mit drei weit­eren Linken an ein­er Auseinan­der­set­zung mit dem stadt­bekan­nten Neon­azi Ben­jamin Ö. in Pots­dam beteiligt gewe­sen zu sein (jW berichtete). Weil im Rah­men der Tätlichkeit­en auch ein Teleskop­schlag­stock durch die Linken zum Ein­satz gekom­men sein soll, hat­te die Pots­damer Polizei die Antifaschis­ten auf­grund des Ver­dacht­es des »gemein­schaftlichen ver­sucht­en Mordes« festgenom­men. Dies, obwohl der Neon­azi einzig eine Platz- und einige Schür­fwun­den im Rah­men der Auseinan­der­set­zung davon­trug. Von den ins­ge­samt vier beschuldigten Antifaschis­ten blieb nur Julia S. in Unter­suchung­shaft, da sie als einzige Beteiligte zum Zeit­punkt der Tat volljährig war. 

Die Inhaftierung der 21jährigen hat­te unter­dessen bun­desweit für Auf­se­hen gesorgt. Diverse Grup­pen und Per­so­n­en hat­ten sich für die umge­hende Freilas­sung von Julia S. engagiert, darunter auch der Bran­den­burg­er Flüchtlingsrat, ver­schiedene Pots­damer Hochschul­pro­fes­soren und der Filmemach­er Rosa von Praunheim. 

Bere­its einige Monat­en vor der Auseinan­der­set­zung war es in der bran­den­bur­gis­chen Lan­deshaupt­stadt ver­mehrt zu Über­grif­f­en von Neon­azis auf Antifaschis­ten gekom­men. Die Polizei habe jedoch einzig gegen die Opfer und nie gegen die aus der organ­isierten Neon­aziszene stam­menden Täter ermit­telt, lautet der Vor­wurf von linken Aktivis­ten an die Jus­tiz. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres war es im Raum Pots­dam zu knapp 20 Über­grif­f­en von gewalt­täti­gen Neon­azis gekom­men, wie eine Chronolo­gie neo­faschis­tis­ch­er Über­griffe der Gruppe »Jugend engagiert in Pots­dam« (www.jep-ev.de) belegt. 

Wie Stef­fen Sauer, Recht­san­walt von Julia S., gegenüber junge Welt mit­teilte, wird der Prozeß gegen die Antifaschis­ten wahrschein­lich im April vor dem Landgericht Pots­dam beginnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Wir, die bei­den Pots­damer Anti­re­pres­sion­sstruk­turen, rufen euch dazu auf, noch inner­halb der bei­den kom­menden Monate einen Per­son­alausweis ohne gespe­icherte Fin­ger­ab­drücke zu beantragen.
In Gedenken an den antifaschis­tis­chen Wider­stand, die Opfer des Faschis­mus und Repres­sion find­et eine poli­tis­che Wan­derung durch Königs Wuster­hausen statt. Diese startet am Sam­stag, dem 06.06.2021 um 11:00 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. 

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot