29. September 2004 · Quelle: Lausitzer Rundschau

Opfer nicht allein lassen

Wer zur Opfer­ber­atung zu Chris­tel Murows­ki ins Haus der Senioren in die
Wehrstraße kommt, hat die Hölle durch­lebt. Wie Rosi B.*, deren Stimme
noch immer leise bebt, wenn sie von der lauen Som­mer­nacht spricht, die
ihr Leben veränderte. 

Die 41-Jährige aus Sen­ften­berg hat­te bei einem Gast­stät­tenbe­such einen
net­ten Her­rn ken­nen­gel­ernt. Auf dem Nach­hauseweg passierte es dann: Der
Mann ver­suchte Rosi B. zu verge­walti­gen. Oder Brigitte M.*, die mitten
in der Nacht im eige­nen Haus über­fall­en wurde. Sie schlief fest, als die
Räu­ber über sie her­fie­len und das Haus aus­räumten. Ihr Psy­chotrau­ma wird
sie seit­dem nicht mehr los. Dass bei­de den Weg zur Senftenberger
Opfer­ber­atungsstelle fan­den, hat Polizei-Kom­mis­sarin Kathrin Warkus in
die Wege geleit­et. Sie ist seit März die Opfer­schutzbeauf­tragte des
OSL-Schutzbereiches. 

Opfer nach dem Erstat­ten der Anzeige auf der Polizei­wache nicht allein
zu lassen, stand im Mit­telpunkt der gestri­gen Beratung von
Opfer­schutzbeauf­tragten der Polizei des Lan­des Bran­den­burg in
Sen­ften­berg. Als Mit­tler zu den Frauen­häusern, Opferberatungsstellen,
zum Weißen Ring oder den Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragten beri­eten die
Polizei-Beauf­tragten spezielle Konzepte zum Opferschutz. 

Opfer­schutz und Opfer­hil­fe seien zen­trale Anliegen der Arbeit der
Polizei, betonte Jana Heinol vom Lan­deskrim­i­nalamt die Wichtigkeit des
Erfahrungsaus­tausches auf diesem sen­si­blen Gebi­et. “Wir wollen
Ver­net­zungsstruk­turen schaf­fen” , so Astrid Schütte,
Opfer­schutzbeauf­tragte aus Frankfurt/Oder. Alle Behör­den, die Hilfe
ver­mit­teln, sollen an einen Tisch geholt wer­den – was im Schutzbereich
OSL schon gut funk­tion­iert. Kathrin Warkus nan­nte Beispiele: Beim
Ein­schre­it­en der Polizeibeamten in Fällen häus­lich­er Gewalt wür­den den
Frauen Beratungsstellen und Hil­feein­rich­tun­gen genan­nt. Im Frauenhaus
Lauch­ham­mer find­en regelmäßig Tre­ffs statt, bei denen auch
Einzelschick­sale disku­tiert wer­den. Neu ist ein Koop­er­a­tionsver­trag, der
die Zusam­me­nar­beit von Frauen­haus, Opfer­ber­atungsstelle und Polizei
regelt. Im ver­gan­genen Jahr habe die Polizei im OSL-Schutzbereich
116-mal gegen häus­liche Gewalt ein­schre­it­en müssen. Ten­denz steigend.
2004 waren es allein bis zum Juli 115 Fälle. 

Die Infor­ma­tio­nen über Hil­f­sange­bote für Opfer zu bün­deln, ist eines der
Ergeb­nisse des gestri­gen Erfahrungsaus­tausches. “Wer Opfer einer
Straftat ist, muss wis­sen, dass er nicht allein da ste­ht” , so Kathrin
Warkus. Das schließt eine psy­chol­o­gis­che Beratung eben­so ein wie eine
Kon­tak­tauf­nahme zum Recht­san­walt, Begleitung zum Gericht­ster­min und das
Beantra­gen von Opferentschädigung. 

*Namen geän­dert

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