30. August 2015 · Quelle: Presseservice

Ostprignitz-Ruppin: Bunter Protest gegen Hetzveranstaltungen der NPD in Wusterhausen/Dosse, Wittstock/Dosse und Rheinsberg

Titel
Neon­azis haben gestern in mehreren Städten im Nor­den Bran­den­burgs erneut Stim­mung gegen die Unter­bringung von Flüchtlin­gen gemacht. In Wusterhausen/Dosse fand deren Ver­samm­lung sog­ar in der Nähe der dor­ti­gen Gemein­schaft­sun­terkun­ft für Asyl­suchende statt. Auch in Wittstock/Dosse und Rheins­berg, den weit­eren Anlauf­punk­ten der Neon­azis, wer­den zurzeit Flüchtlinge unterge­bracht. Gegen die Ver­samm­lun­gen der NPD fan­den aber auch in allen Städten, trotz kurzfristiger Mobil­isierung, Gegen­proteste statt. In Rheins­berg beteiligten sich sog­ar bis zu 200 Men­schen, darunter ein 80 köp­figes Jaz­zorch­ester, an den Protesten. In Wusterhausen/Dosse protestierte „Neu­rup­pin bleibt bunt“ mit unge­fähr 20 Men­schen, in Wittstock/Dosse „Witt­stock beken­nt Farbe“ mit ca. 10.
Organ­isierte Het­ze
Trotz des Bran­dan­schlages auf die Sporthalle im havel­ländis­chen Nauen, welch­er der vor­läu­fige Höhep­unkt ein­er region­al bish­er beispiel­losen, durch Neon­azis und ihren Sympathisant_innen aus­gelösten, Eskala­tion war, set­zte die NPD Prig­nitz-Rup­pin gestern ihre Kam­pagne gegen Flüchtlinge und deren Unter­bringung im Nor­den Bran­den­burgs weit­er fort.
Der Neu­ru­rup­pin­er  NPD Stadtverord­nete Dave Trick drück­te während seines Rede­beitrages bei der Kundge­bung in Wittstock/Dosse zwar seine Bedauerung über die Brand­s­tiftung an der Nauen­er Turn­halle aus sowie seine Hoff­nung auf baldige Ver­haf­tung der Täter_innen, wirk­lich glaub­haft wirk­te er dabei jedoch nicht. Im Feb­ru­ar 2015 war Trick sel­ber an den Tumul­ten bei der Nauen­er Stadtverord­neten­ver­samm­lung beteiligt, die als Ini­tialzün­dung der momen­ta­nen Eskala­tion gilt. Des Weit­eren nahm er immer wieder an Kundge­bun­gen und Aufmärschen gegen das geplante Flüchtling­sheim in Nauen teil, hielt dort auch Rede­beiträge, die sich gegen die Auf­nahme von Flüchtlin­gen richtete. Und auch heute ging die Het­ze von ihm und seinen Fre­un­den von den „Freien Kräften Neuruppin/Osthavelland“ fröh­lich weit­er. Mar­vin Koch sprach bei seinen Rede­beiträ­gen in Wusterhausen/Dosse und Wittstock/Dosse erneut von „Rassenkrieg“ und beze­ich­nete Asyl­suchende ein­mal mehr als „Pack“ und „Hun­desöhne“. Eine ähn­liche Rede hat­te er bere­its am 10. Juli 2015 während ein­er Kundge­bung der „Freien Kräften Neu­rup­pin / Osthavel­land“, also unge­fähr einen Monat vor dem Bran­dan­schlag, in Nauen gehal­ten. Darüber hin­aus unter­strich er, während den Kundge­bun­gen gestern, seine men­schen­ver­ach­t­ende Gesin­nung durch die T-Shirt Auf­schrift „HKNKRZ“, ein Kurz­wort für „Hak­enkreuz“. Auch die anderen bei­den Redner_innen der „Freien Kräfte“, Pierre Bod­din und Beat­rice Koch, die während Kundge­bungs­tour sprachen, echauffierten sich über die Auf­nahme von Flüchtlin­gen in der Bun­desre­pub­lik.
Die Ver­samm­lun­gen zogen vor allem Neon­azis aus den Land­kreisen Ost­prig­nitz-Rup­pin, Prig­nitz, Havel­land und Ober­hav­el. Eine schwarze Fahne zeigte expliz­it auch den Ort­sna­men „Nauen“.
In Wusterhausen/Dosse und Wittstock/Dosse beteil­gten sich jew­eils unge­fähr 20 Per­so­n­en an den NPD Ver­anstal­tun­gen, in Rheins­berg sog­ar ca. 30.
Bunter Protest, zulet­zt mit viel Musik
Allerd­ings war dort, in der nördlich­sten Stadt der Kundge­bungs­tour durch den Land­kreis Ost­prig­nitz-Rup­pin, auch der Protest am stärk­sten. Zunächst hat­ten sich unge­fähr 100 Men­schen auf dem Kirch­platz ver­sam­melt. Dann spielte eine Par­ty­band auf und ani­mierte die Leute zu einem fröh­lichen Beisam­men­sein. Es wurde sich einge­hakt und später sog­ar eine Polonäse getanzt, mit Lan­drat Ralf Rein­hardt vorne weg. Wenig später stieß dann noch eine 80 köp­fige Jazz-Com­bo dazu, die zu den Klän­gen von „the saints go march­ing in“, ähn­lich der berühmten Umzüge in New Orleans, ein­mal um den Tri­an­gelplatz, dem Ver­samm­lung­sort der Neon­azis, tanzten und deren düstere, schw­er­met­allis­che Naz­imusik übertön­ten. Mit dieser waren übri­gens um 9.00 Uhr mor­gens auch die Bürger_innen von Wusterhausen/Dosse aus dem Bett gewor­fen wor­den. Eine Anwohner_in rief den Neon­azis dort deshalb aus ihrem Fen­ster zu, dass sie endlich ihre „Scheiß Mucke“ aus­machen soll­ten. Der Auftritt in der Doss­es­tadt war ohne­hin skan­dalös, fand er doch in 200m Ent­fer­nung der dor­ti­gen Gemein­schaft­sun­terkun­ft für Asyl­suchende statt. Das Bünd­nis „Neu­rup­pin bleibt bunt“ war deshalb zur Gegenkundge­bung auch mit Gießkan­nen und Wasser­schläuchen erschienen, um der geisti­gen Brand­s­tiftung so etwas sym­bol­isch ent­ge­gen­zuset­zen. In Wittstock/Dosse erschien die örtliche Zivilge­sellschaft eben­falls mit Gießkan­nen. Darüber­hin­aus wur­den aber auch Plakate gezeigt, auf denen sich mit Flüchtlin­gen sol­i­darisiert wurde.
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