10. März 2016 · Quelle: linksunten

[P] Das Wandern ist des Müllers Lust

Am heuti­gen Mittwoch fand ein weit­er­er unsäglich ras­sis­tis­ch­er Pogi­da-Auf­marsch, wieder angemeldet vom rast­losen Chris­t­ian Müller, am Pots­damer Haupt­bahn­hof statt. Auch wenn im Vor­feld wieder diverse Gerüchte und Aus­sagen wie „Wenn die Gut­men­schen ein weit­eres Asyl­heim am Schlaatz bauen, werde ich dieses abfack­eln und zwar mit Insassen!!!“ kur­sierten, schien es ins­ge­samt, als wäre an alllen Fron­ten Rou­tine in die wöchentlichen Aufmärsche gekehrt.
Noch vor Beginn der Pogi­da-Demon­stra­tion führte eine antifaschis­tis­che Demon­stra­tion von Alt-Nowawes über die Lotte-Pulewka-Straße zum Haupt­bahn­hof. Unter dem Mot­to „Nu Pogo­di, Pogi­da“ liefen 250 Men­schen in Rich­tung des Neon­azi-Auf­marsches, nicht zulet­zt, um diesen zu ver­hin­dern. Außer­dem stell­ten sich bei den angemelde­ten Kundge­bun­gen “Refugees Wel­come” auf der lan­gen Brücke und ein­er Ver­anstal­tung des Bünd­niss­es “Pots­dam beken­nt Farbe” etwa 500 Men­schen dem Irrsinn ent­ge­gen.
Als Ver­anstal­ter Chris­t­ian Müller seine Ver­samm­lung eröff­nen wollte, kam es zu ein­er Störung der Ver­anstal­tung durch eine lär­mende Kiste, die am Auf­tak­tort auf einem Fahrrad ange­bracht war. Die Polizei brauchte mehr als zehn Minuten unter­halt­samer Bemühun­gen und einen Bolzen­schnei­der, um den Kas­ten erfol­gre­ich in Gewahrsam nehmen zu kön­nen. Die Neon­azis ent­fer­n­ten sich unter­dessen um hun­dert Meter und bracht­en dort ihre Pro­pa­gan­da unter die anwe­senden knapp 50 Pogi­da-Anhänger_in­nen. Der Dres­d­ner Pogida-“Stargast” Jens Lorek erstat­tete nach eige­nen Aus­sagen später Anzeige gegen die Polizei, da diese die Pläne des Fahrrades nicht schon vorher durch­schaut hat­te.
Neben dem bere­its bekan­nten Sebas­tiano Graziani war die Ver­schwörungsszene heute mit Jens Lorek promi­nent vertreten. Lorek erlangte zweifel­hafte Berühmtheit, weil er Mitte der 2000er von Aliens ent­führte Men­schen anwaltlich betreute. In der Neon­aziszene ist er eher bekan­nt, weil er als Anmelder von Aufmärschen in Fre­ital und Hei­de­nau in Aktion trat. Antifaschist_innen, wiederum, dürften Jens Lorek ken­nen, weil er lächer­liche “sta­tis­tis­che Meth­o­d­en” anwandte, um die Teilnehmer_innenzahl von Pegi­da festzustellen.
Ihr kurz­er 400 Meter Marsch führte Pogi­da über die Lange Brücke zum Stadtschloss. Dort hielt Sebas­tiano Graziani dann eine sein­er ewiglich währen­den Reden. In dieser beklagte er wie üblich den Bevölkerungsaus­tausch in Deutsch­land durch die Geflüchteten, den im 2. Weltkrieg an den Deutschen began­genen “Bomben­holo­caust” und ver­stieg sich zudem in einem wirr-ras­sis­tis­chen Ver­gle­ich der Sit­u­a­tion in Maze­donien, (wo Refugees seit langer Zeit unter men­schen­ver­ach­t­en­den Bedin­gun­gen fest­sitzen) mit der Belagerung von Kon­stan­tinopel (durch das Osman­is­che Reich im Jahr 1453). Damit war die Spitze des völkisch-ras­sis­tis­chen Eis­berges aber noch lange nicht erre­icht: Graziani wün­schte sich, dass statt syrischen Geflüchteten Wol­gadeutsche aufgenom­men wür­den (His­torisch­er Fakt: “Deutsch” sind die “Wol­gadeutschen” weil sie vor 1768 im Deutschen Reich lebten, danach zogen sie ins Rus­sis­che Reich).
Der einzige Licht­blick war hier die Aus­dauer der Gegendemonstrant_innen, die die Reden fast rest­los übertön­ten.
Nach­dem dieses Elend über­standen war, zog der Auf­marsch über seine küm­mer­liche Strecke wieder zurück, sie riefen neben dem üblichen “Wir sind das Volk” auch „Has­ta la vista antifascista“ und „Links­faschis­ten in die Kisten“.
Am Aus­gang­sort wieder angekom­men, nutzte der Auf­marsch-Anmelder Chris­t­ian Müller die Gele­gen­heit, munter Gerüchte unter seine Anhänger_innen zu streuen. Er berichtete, dass ihm berichtet wurde, dass ein Tax­i­fahrer berichtet habe, dass es “neulich” am Rewe­markt im Schlaatz zu ein­er Verge­wal­ti­gung gekom­men sei. Vor dem Markt hät­ten “betrunk­ene Aus­län­der” ges­tanden. Er wisse nicht, ob es einen Zusam­men­hang gäbe, habe aber Angst vor dem Früh­ling und dem Som­mer, weil er sich frage, was dann mit “unseren” Frauen und Kindern passiere. Die Antifa müsse dumm sein und werde außer­dem vom Staat bezahlt — das habe neulich ein Antifa-Aussteiger bei dem Bärgi­da-Auf­marsch berichtet.
Danach ver­streuten sich die Pogi­das, unter denen sich Gäste aus diversen Eck­en Ost­deutsch­land befan­den — so den Vorankündi­gun­gen Glauben geschenkt wer­den will.
Für die näch­ste Woche plant der Pogi­da-Müller (der ankündigte, erst­mal weit­er machen zu wollen) wohl eine Strecke in Babels­berg.
Dann vielle­icht mit 40 Leuten, die Woche darauf mit 30, dann…
Selb­st wenn Podi­ga sich abschafft, heißt das nicht, dass irgen­det­was bess­er ist!
Nur wenige Kilo­me­ter von Pots­dam gibt es Städte, wie Rathenow und Nauen, in denen das Aus­maß an ras­sis­tis­ch­er Moblil­isierung schon lange unerträglich ist.
Noch ein paar Kilo­me­ter weit­er ster­ben Men­schen an Europas Außen­gren­zen, die vor beispiel­losen Men­schen­rechtsver­let­zun­gen und Krieg fliehen.

One Reply to “[P] Das Wandern ist des Müllers Lust”

  1. Jene Kiste war offen­bar zu klein, für diese ekel­haft-ras­sis­tisch-däm­lichen Pogi­da-Reden !
    Wirk­lich sehr schade.….….….….…

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