12. August 2002 · Quelle: Spiegel

Panne um V‑Mann verärgert Schönbohm

Die Ermit­tlungs­be­hör­den in Bran­den­burg waren ein­er Neo-Nazi-Musik­gruppe dicht auf den Fersen. Doch dann nahm die Berlin­er Polizei ein Grup­pen­mit­glied fest, der zugle­ich V‑Mann war.

BERLIN Das Pots­damer Innen­min­is­teri­um bestätigte die Fes­t­nahme eines eige­nen V‑Mannes durch die Berlin­er Polizei. Ein Sprech­er von Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm demen­tierte am Sam­stag jedoch einen Vor­ab­bericht des Münch­n­er Magzins “Focus”, wonach der Mann “Chef ein­er gefährlichen Neon­azi-Band” gewe­sen sein soll. Der Festgenommene soll dem Bericht zufolge Kopf und einziges festes Mit­glied der recht­sradikalen Musik­gruppe “White Aryan Rebels” sein, die im ver­gan­genen Jahr mit ein­er CD unter anderem zum Mord an Michel Fried­man vom Zen­tral­rat der Juden in Deutsch­land und der früheren Bun­destagspräsi­dentin Rita Süss­muth (CDU) aufgerufen hatte. 

Nach Ansicht der Bran­den­burg­er Behörde beruhe der Bericht von “Focus” auf ein­er “schw­er­wiegen­den Indiskre­tion” aus einem laufend­en Ver­fahren. Dadurch sei “ein Ermit­tlungser­folg mas­siv gefährdet” worden. 

Die Behör­den hät­ten die “eigentlichen Hin­ter­män­ner und Großver­di­ener recht­sex­trem­istis­ch­er Ton­träger­struk­turen” im Visi­er gehabt, heißt in der Erk­lärung aus dem Hause Schönbohm. 

Die Fes­t­nahme der “Infor­ma­tion­squelle” durch die Berlin­er Behör­den sei mit dem bran­den­bur­gis­chen Ver­fas­sungss­chutz nicht abges­timmt wor­den. Dies sei “umso bedauer­lich­er, da der bran­den­bur­gis­che Ver­fas­sungss­chutz in Zusam­me­nar­beit mit Ver­fas­sungss­chutzbe­hör­den des Bun­des und ander­er Län­der die inter­na­tionalen Ver­flech­tun­gen der kom­merziellen Pro­duk­tions- und Ver­trieb­sstruk­turen recht­sex­trem­istis­ch­er Ton­träger” aufgek­lärt habe.

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