12. Dezember 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Papier statt Gedenk-Stein in Belzig

BELZIG — Mit einem geschick­ten Schachzug der SPD-Frak­tion ist am Mon­tagabend die erwartete Entschei­dung über die vom Vere­in “Belziger Forum” beantragte Errich­tung eines Gedenksteins für den marokkanis­chen Asyl­be­wer­ber Belaid Bay­lal ver­hin­dert wor­den.

 

Frak­tion­schef Gerd Ulbrich hat­te — ohne sich ein­deutig zur Beschlussvor­lage laut Tage­sor­d­nung zu äußern — zuvor beantragt, die Stadtver­wal­tung mit der Erar­beitung eines Konzepts zum Umgang mit den bere­its existieren­den fünf Gedenkstät­ten in der Stadt zu beauf­tra­gen. Es wäre möglicher­weise bess­er, eine zen­trale Gedenkstätte “Die Toten mah­nen” zu schaf­fen, so Ulbrich. Man solle die Zahl der Gedenkstät­ten nicht gle­ich­set­zen mit der Qual­ität des Gedenkens. “Allein ein weit­er­er Stein nutzt nichts im Kampf gegen Neon­azis und Gewalt”, betonte der Schulleit­er. Nach sein­er Vorstel­lung solle “nichts ver­nichtet, son­dern zusam­menge­führt wer­den”, erk­lärte er.

 

Anders die PDS-Frak­tion. Deren Vor­sitzen­der Lothar Peter­sohn sprach sich in der Stadtverord­neten­ver­samm­lung ein­deutig für die Auf­stel­lung des Steins auf dem Are­al der vorhan­de­nen Gedenkstelle an der Post aus. Dies hätte auch Sym­bol­charak­ter, so der Frak­tion­schef, weil der tote Marokkan­er im weitesten Sinne ein Opfer des Faschis­mus in der heuti­gen Zeit sei. Zudem würde es der Stadt Belzig gut zu Gesicht ste­hen, sich einzurei­hen in die Liste solch­er Städte wie Guben oder Eber­swalde, wo sich eben­falls ras­sis­tisch motivierte Über­griffe ereignet hat­ten und heute öffentliche Gedenksteine an die tödlichen Kon­se­quen­zen erin­nern. Keine Stel­lung­nahme war dage­gen von den Vertretern der CDU/FDP-Frak­tion an diesem Abend zu vernehmen. Sprachlosigkeit herrschte auch bei der Frak­tion der Parteilosen. Zwar war es in nicht öffentlich­er Sitzung des Haup­tauss­chuss­es am 25. Novem­ber zu hitzi­gen Debat­ten über das “heik­le The­ma” gekom­men, doch war davon in der öffentlichen Aussprache wenig zu spüren.

 

Da laut Geschäft­sor­d­nung der Antrag der SPD-Frak­tion weit­erge­hen­der als der vor­liegende zur Errich­tung des Gedenksteins ist, kam let­zter­er erst gar nicht zur Abstim­mung. Bis Ende März, so der von Bürg­er­meis­ter Peter Kiep konkretisierte Ter­min, muss die Stadtver­wal­tung nun ein von der Mehrheit der Abge­ord­neten gefordertes Konzept zum kün­fti­gen Umgang mit den Belziger Gedenkstät­ten vor­legen.

 

Unver­richteter Dinge zogen Ini­tia­toren und Sym­pa­thisan­ten des Gedenksteins, darunter Pro­fes­sor Götz Dieck­mann, Koor­di­na­tor gegen Gewalt und Recht­sex­trem­is­mus, der Riet­zer Maler Wal­ter Lauche und Ramona Stuc­ki vom Info-Café, aus dem Ratssaal. Dieck­mann hat­te den Stadtverord­neten zuvor noch “Weisheit” gewün­scht, Lauche seine Hil­fe beim Organ­isieren eines passenden Steins ange­boten und Stuc­ki die Über­nahme der Pflege der Gedenkstätte ver­sprochen.

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