27. Oktober 2004 · Quelle: Stop Thor Steinar / TAZ

Polizei beschlagnahmt Thor-Steinar-Klamotten

(Kam­pagne „Stop Thor Steinar“) Wie am 18.10.2004 im Forum der Inter­net­seite vom BFC Dynamo bekan­nt gemacht wurde,
hat die Polizei in Cot­tbus eini­gen BFC-Fans “Thor Steinar”- Klam­ot­ten abgenom­men.

Auf eine nachträgliche schriftliche Beschw­erde hin wurde mit­geteilt, dass es im Land
Bran­den­burg einen Gerichts­beschluss gibt, nach­dem Thor Steinar Klam­ot­ten ver­boten
sind. Im BFC-Dynamo-Forum wer­den nicht nur die Namen der beteiligten Staat­san­wälte
veröf­fentlicht, son­dern auch finanzielle Unter­stützung ange­boten. Die BFC-
Grup­pierung “79er” bietet an einen Anwalt zu ver­mit­teln. Dies soll von dem Fond vom
“Prob­lem­fan-Shirt” geschehen, welche es weit­er­hin am Fanar­tikel­stand zu kaufen geben
soll. Die Tre­f­fen der “79er” find­en “tra­di­tionell” im Berlin­er Fußball Cafè statt,
welch­es bere­its als rechter Tre­ff­punkt durch die Medi­en ging. Die Aktion des
“Prob­lem­fan­shirts” und die Tre­f­fen der “79er” wer­den u.a. von dem offiziellen
BFC-Fan­beauf­tragten Rain­er Lüdtke mitor­gan­isiert. Der Press­esprech­er der Kam­pagne ”
Stop Thor Steinar”, Rico Baum, fordert die 79er, die BFC-Fans und den
Fan­beaufragten Rain­er Lüdtke auf, die sin­nvolle Unter­stützung von Betrof­fe­nen
unrechtsmäßige Polizeire­pres­sion gegen Fuss­ball­fans nicht mit der Unter­stützung
ein­er über­teuerten Mode­marke mit völkisch­er Sym­bo­l­ik mit NS-Bezug zu ver­wech­seln.

Thors ganz dezen­ter Runenchic

Junge Rechte mögen Pullover der Bran­den­burg­er Fir­ma Thor Steinar. Denn
deren Sachen sind mit Runen verziert, die auch SS und SA ver­wen­det haben.
Laut Ver­fas­sungss­chutz arbeit­en Recht­sex­treme sog­ar in der Fir­ma mit, doch
die Jus­tiz ist macht­los Bil­lig sind die Sachen nicht. Min­destens 60 Euro
müssen Kun­den für ein Sweat­shirt der Marke “Thor Steinar” zahlen. Auch die
Bestell­seite im Inter­net ist edel aufgemacht. “Thor Steinar” ist eine
Erfol­gs­geschichte.

(TAZ, Jan Stern­berg) Seit einein­halb Jahren verkauft die Fir­ma Medi­a­tex aus Zeesen südöstlich
von Berlin die Klam­ot­ten — beson­ders unter Jugendlichen. Die bezahlen neben
dem Schnitt oft auch für die Gesin­nung. Im “Thor Steinar”-Logo sind die
ger­man­is­che Tyr-Rune und die Gibor-Rune oder “Wolf­san­gel” miteinan­der
ver­schlun­gen. Erste war in der NS-Zeit Abze­ichen der SA-
Reichs­führerschulen, let­zte das Sym­bol für die SS-Divi­sion “Das Reich”. Die
auf dem glob­alen Welt­markt zusam­men­genäht­en Sachen sind zur
“nationalen” Haute Cou­ture gewor­den.
“Thor Steinar macht die Szene um eine Facette reich­er”, sagt Matthias
Adri­an vom Zen­trum demokratis­che Kul­tur in Berlin. “Die Recht­en, die sich immer
dage­gen wehrten, Skins zu sein, kön­nen so ihre Gesin­nung zeigen.”

Aber auch in nor­malen Bou­tiquen sind Steinar-Sachen zu haben. Runen-
Sym­bo­l­ik und nordis­che Mytholo­gie passen zur schle­ichen­den Eroberung der
ost­deutschen Jugend­kul­tur durch Recht­sex­treme. Man komme an die Kinder viel
bess­er her­an, frohlock­te ein Mann des “Märkischen Heimatschutzes” kür­zlich
im Fernse­hen. Der Kun­denkreis kön­nte sich zudem bald erweit­ern: Seit die
britis­che Marke “Lons­dale” ihr Image mit anti­ras­sis­tis­chen Ini­tia­tiv­en
auf­bessert, haben Neon­azis
deren Klam­ot­ten schon mal öffentlich ver­bran­nt. “Thor Steinar” dro­ht
solch­es nicht, meint Jonas Grutz­palk vom Bran­den­burg­er Ver­fas­sungss­chutz: “Der Fir­ma
gehören Recht­sex­trem­is­ten an.”

Solche Vor­würfe küm­mern Medi­a­tex-Geschäfts­führer Uwe Meusel wenig:
“Wir haben mit kein­er Organ­i­sa­tion auch nur ansatzweise etwas zu tun.” Der
elo­quente 29-Jährige spielt auch die Sym­bole auf seinen Pullovern als
dezen­ten Runenchic herunter:
“Unser Logo? Das ist ein T und ein S, in Runen­schrift. Unsere Kollek­tion basiert auf
dem nordis­chen Mythos.”

Mehr sei da nicht. Und über­haupt:
“Warum fra­gen Sie uns nicht, wie viele Arbeit­splätze wir hier in Bran­den­burg
geschaf­fen haben?”
Wenn man fragt, sagt Meusel jedoch:
“Das werde ich Ihnen jet­zt nicht sagen.” Darüber, dass er auch Sweat­shirts
mit Maschi­nengewehr-Auf­druck und Drohsprüchen wie “Haus­be­suche” anbi­etet,
will er schon gar nicht reden.

“Thor Steinar ver­wen­det keine ver­fas­sungs­feindlichen Sym­bole”, sagt
Medi­a­tex-Anwalt Michael Rosch­er knapp,
“und wenn Leute, die mit der Ver­fas­sung Prob­leme haben, die Sachen tra­gen, ist das
nicht das Prob­lem der Fir­ma.”
Klaus Park­er, Jurist und Recht­sex­trem­is­mu­s­ex­perte, sieht das anders: “Im Gegen­satz
zu Lons­dale, die nichts dafür kön­nen, gehört Thor Steinar zu den Marken, die
ein­deutig für die recht­sex­treme Szene pro­duziert wer­den.”

Die Jus­tiz war bis­lang macht­los. Noch nie wurde ein ver­bun­denes Signet als
Kennze­ichen ver­fas­sungs­feindlich­er Organ­i­sa­tio­nen ver­boten. Doch nun hat
die Staat­san­waltschaft im bran­den­bur­gis­chen Neu­rup­pin einen juris­tis­chen
Ver­suchs­bal­lon los­ge­lassen. In zwei Fällen wurde Anklage gegen Träger von
“Thor Steinar”-Kleidung erhoben. Eine 23-Jährige aus der Nähe von Pren­zlau
in der bran­den­bur­gis­chen Uck­er­mark bekam kür­zlich einen Straf­be­fehl: 30
Tagessätze à zehn Euro für das Tra­gen eines “Thor Steinar”-Pullovers. Das
Urteil ist inzwis­chen recht­skräftig. Das Amts­gericht Pren­zlau sah es als
erwiesen an, dass das Steinar-Logo
“Zeichen nation­al­sozial­is­tis­ch­er Organ­i­sa­tio­nen zum Ver­wech­seln ähn­lich sieht”
und dies auch “für Unbeteiligte wahrnehm­bar ist”.

Ein Ver­fahren gegen eine weit­ere Frau aus Pren­zlau soll noch in diesem Jahr
abgeschlossen wer­den. Gerd Schnittch­er, Lei­t­en­der Ober­staat­san­walt in
Neu­rup­pin, hofft auf eine Sig­nal­wirkung des Pren­zlauer Urteils. Die
Gen­er­al­staat­san­waltschaft in Brandenburg/Havel ist weit­er­hin skep­tisch. Man
könne nicht jede Rune ver­bi­eten, dann mache man sich lächer­lich.

Wes Geistes Kind die Fir­menin­hab­er ver­mut­lich seien, spiele dabei keine
Rolle. Offiziell wird die Pren­zlauer Verurteilung
“als eine Entschei­dung eines einzel­nen Amt­srichters” tief gehängt. Der
brauche diese “nicht ein­mal aus­führlich zu begrün­den”, sagt der
stel­lvertre­tende Gen­er­al­staat­san­walt Ewald Bröh­mer. Sig­nal­wirkung hätte
erst eine Verurteilung vor dem Ober­lan­des­gericht. Doch dass die
Entschei­dung des Amts­gerichts die rechte Szene verun­sich­ern wird, räumt
Bröh­mer ein. “Die
Sicher­heit, dass Trägern dieser Klei­dung nichts passieren kann, schwindet
jet­zt.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Cot­tbus — Vor der Stadthalle in Cot­tbus haben sich am Sam­sta­gnach­mit­tag etwa 50 Per­so­n­en syrisch­er, syrisch-kur­dis­ch­er und deutsch­er Herkun­ft ver­sam­melt, um gemein­sam gegen den Ein­marsch der türkischen Armee in Nordsyrien zu demon­stri­eren.
Der Flüchtlingsrat Bran­den­burg, Jugendliche ohne Gren­zen und die Flüchtlings­ber­atung des Ev. Kirchenkreis­es Oberes Havel­land kri­tisieren die Unter­bringungspoli­tik im Land­kreis Ober­hav­el.
Kundge­bung zum Inter­na­tionalen Tag zur Entkrim­i­nal­isierung von Schwanger­schaftsab­brüchen am Sam­stag 28. Sep­tem­ber 11 Uhr auf dem Heron­platz (am Stadt­brun­nen) in Cot­tbus

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot