24. Januar 2005 · Quelle: MOZ

Polizei hatte Aufmarsch fest im Griff

Bernau. Ohne Zwis­chen­fälle ver­lief am Sam­stagvor­mit­tag eine Demon­stra­tion in Bernau, zu der das recht­sex­treme “Nationale Bünd­nis Preußen” aufgerufen hat­te. 45 Teil­nehmer waren dem Aufruf gefolgt. 

Die meis­ten der Demon­stran­ten waren aus anderen bran­den­bur­gis­chen Regio­nen und aus Berlin nach Bernau gekom­men. Sie trafen bis gegen 9.30 Uhr auf dem S‑Bahnhof in Bernau ein. Mit dem Auf­marsch sollte gegen einen Beschluss der Bernauer Stadtverord­neten­ver­samm­lung protestiert wer­den, die für den Jugend­klub Dos­to ein neues Dom­izil schaf­fen wollen. Durch die Polizei wur­den vier Strafanzeigen gegen Teil­nehmer des Umzugs aufgenom­men. Der Auf­marsch erweck­te den Ein­druck, als stün­den die Teil­nehmer unter Quar­an­täne — so dicht begleit­eten Polizei und Bun­des­gren­zschutz den Zug auf den Haupt­straßen ein­mal um die Innen­stadt herum und wieder zum S‑Bahnhof zur Abfahrt. 

Der Kräf­teein­satz war richtig, so Polizeis­precherin Mar­ti­na Schaub. Die öffentliche Sicher­heit musste gewährleis­tet wer­den. So sicherte die Polizei alle neu­ral­gis­chen Punk­te ent­lang der Strecke. Die Ein­hal­tung von elf Aufla­gen wurde kon­trol­liert. So waren Fah­nen und Trans­par­ente in Größe und Mate­r­i­al beschränkt, Trom­meln ver­boten, das Ver­mum­mungsver­bot galt auch für Kapuzen und Son­nen­brillen und Reden durften den öffentlichen Frieden nicht stören. Auch als die Gruppe am Dos­to vor­beimarschierte — dort hing ein großes Trans­par­ent des Bernauer Net­zw­erks für Tol­er­anz und Weltof­fen­heit — blieb alles ruhig. 

Wesentlich schwieriger zu ermit­teln war die Teil­nehmerzahl der zeit­gle­ichen Ver­anstal­tung am Stein­tor, zu der das Net­zw­erk für Tol­er­anz aufgerufen hat­te. Wegen der Fluk­tu­a­tion mögen es bis zu 150 Teil­nehmer gewe­sen sein, so der Ver­anstal­ter, die Polizei schätzt die Zahl auf 50. Am Stein­tor wurde musiziert und gesun­gen, ein kurzfristig zusam­mengestelltes Kul­tur­pro­gramm darge­boten. Das gegen den Auf­marsch gerichtete Mot­to lautete: “Bernau pflegt die Kul­tur als Schatz — für Naz­i­blöd­heit bleibt kein Platz”. 

“Wir haben unser Ziel erre­icht, wir woll­ten einen neuen Ver­samm­lungsstil aus­pro­bieren”, erk­lärte der Bernauer The­ologe Prof. Carl-Jür­gen Kaltenborn die über weite Streck­en heit­ere Stimmung. 

Erbost waren die Kundge­bung­steil­nehmer am Stein­tor — darunter Land­tagsab­ge­ord­nete und Stadtverord­nete — allerd­ings über den Ver­such der angereis­ten recht­en Jugendlichen, den Beschluss der Bernauer Bürg­ervertre­tung, einen neuen Jugend­klub zu schaf­fen, aushe­beln zu wollen. 

Um eine Kundge­bung nicht wieder kurzfristig vor­bere­it­en zu müssen, bit­tet das Net­zw­erk, dass sich Inter­essen­ten für einen Beitrag (Kul­tur, Imbiss, Tech­nik) unter EvaMaria.Rebs@gmx.net melden. 

In der Nacht zu Son­ntag wurde gegen 2 Uhr eine Fen­ster­scheibe des Dos­tos zer­stört, ver­mut­lich durch Böller. Die Täter sind noch unbekannt. 

In einem Nach­bar­raum hiel­ten sich zu dieser Zeit 14 Per­so­n­en auf. Der Raum mit dem zer­störten Fen­ster war leer.

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