30. Dezember 2017 · Quelle: Antifa Recherche Potsdam & Umland

Porträt: Potsdamer Nazi Daniel Horn

Der heute 65-jährige Patrick David Mack­ay ist ein britis­ch­er Serien­mörder mit einem Faible für Nazide­vo­tion­alien. Er mordete Mitte der 1970er Jahre und wird voraus­sichtlich sein Leben lang in Haft sitzen. Bei der Suche nach einem Pseu­do­nym ließ sich der Pots­damer Neon­azi Daniel Horn, geboren 1978 und wohn­haft im Pots­damer Stadt­teil Wald­stadt I, von dessen Geschichte inspiri­eren und nan­nte sich seit unge­fähr Anfang der 2000er „P.D. Mack­ay“. Unter diesem Namen ist er 15 Jahre lang in ver­schiede­nen Band­pro­jek­ten in der Recht­sRock-Szene aktiv gewe­sen und zu einem Nach­wuchs­förder­er der hiesi­gen Szene gewor­den. Seit Ende 2013 schwindet jedoch sein Ein­fluss, da er sich zuvor mit Uwe Men­zel zer­strit­ten hat­te. In Folge dessen lösten sich zwei für die Recht­sRock-Szene bedeu­tende Band­pro­jek­te auf – „Blood­shed“ und „Uwocaust und alte Fre­unde“.
Der Neonazi Daniel Horn – langjähriger Protagonist der Potsdamer RechtsRock-Szene
In der „Hatecore“-Band „Blood­shed“ spielte Daniel Horn als „P.D. Mack­ay“ Gitarre und war über die Jahre hin­weg für die Aus­for­mung des Musik­stils der Band von zen­traler Bedeu­tung. Zusam­men mit Mar­tin Roll­berg stieß Horn im Jahr 2002 zur Band dazu.
„Blood­shed“ fungierte zu diesem Zeit­punkt für Uwe Men­zel als Nach­fol­ge­pro­jekt, nach­dem Ende 2001 das Band­pro­jekt „Prois­senheads“ vor­sicht­shal­ber been­det wurde. Die bis dahin bekan­nteste und wichtig­ste Neon­az­iband Pots­dams hat­te sich wegen Ermit­tlun­gen gegen Men­zel und den Bassis­ten Ilja Schar­tow, u.a. wegen Waf­fenbe­sitz und Bil­dung ein­er krim­inellen Vere­ini­gung, kurz zuvor aufgelöst, um möglich­er Repres­sion zu ent­ge­hen.

„Blood­shed“ – Nach­fol­ger von „Prois­senheads“

Die Band fand sich als Freizeit­pro­jekt spätestens im Jahr 2000 zusam­men – Lars Roll­berg aka B.88, zuvor bere­its bei „Unbend­ing Boot­boys“ aktiv, probte zusam­men mit den „Proissenheads“-Mitgliedern Ilja Schar­tow und Chris­t­ian Wen­ndorff, zusät­zlich Schlagzeuger bei der als krim­inelle Vere­ini­gung ver­bote­nen Band „Landser“. Auch Rico Son­nen­burg, Frank Lau und zu einzel­nen Proben Uwe Men­zel trafen sich im gemein­samen Prober­aum von „Prois­senheads“ und „Landser“ in Pots­dam-Born­st­edt. Uwe Men­zel stieß laut Eige­naus­sage erst Mitte 2001 zur Band hinzu, auch wenn er zuvor bere­its mit anderen unter dem Namen „The Dark Side Of Hate Team“ Texte für die Vorgänger und dann für „Blood­shed“ selb­st schrieb. Möglicher­weise han­delt es sich bei diesem Zusam­men­schluss auch um die Band „Freak Selec­tion“, die 2002 von der „antifaschis­tis­chen aktion pots­dam (aapo)“ expliz­it als Gemein­schaft­spro­jekt der drei Bands „Unbend­ing Boot­boys“, „Landser“ und „Prois­senheads“ beze­ich­net wurde.
In dieser Gemen­ge­lage aus ver­schiede­nen Bands und Zusam­men­hän­gen wur­den durch Neon­azis unter dem Namen „Nationale Bewe­gung“ zwis­chen 2000 und 2001 min­destens 14 ras­sis­tisch und anti­semi­tisch motivierte Anschläge verübt. Das Antifaschis­tis­che Pressearchiv Pots­dam resümiert 2016 zum Kom­plex „Nationale Bewe­gung“: „Mit Sicher­heit, wenn sie nicht gar direkt beteiligt waren, wusste und weiß dieses Umfeld […] welche Struk­turen und Per­so­n­en für die Anschläge der Nationalen Bewe­gung ver­ant­wortlich waren.“ Dazu gehört neben Ilja Schar­tow, Chris­t­ian Wen­ndorff und Uwe Men­zel auch Daniel Horn.
RechtsRock-Szenegröße Uwe Menzel (r.) am 16. Juli 2017 auf einer Szenegroßveranstaltung in Themar
Als „Blood­shed“, zu deutsch „Blutvergießen“, beze­ich­nete sich der Zusam­men­hang ab 2002, um sich als kom­plett neue Band zu präsen­tieren und so möglich­er Repres­sion gegen die Struk­turen von „Landser“ und „Prois­senheads“ sowie den Ermit­tlun­gen zum Kom­plex „Nationale Bewe­gung“ aus dem Weg zu gehen. Uwe Men­zel trat gar im ersten Album als „Ed Gein“ auf und zeigte sich nicht auf Fotos im Book­let – er „wollte das Ganze inof­fiziell machen, weil [sein] Prozeß noch bevor­stand und [er] Kom­p­lika­tio­nen bei der Ver­hand­lung ver­mei­den wollte“ gab er 2003 in einem Inter­view als Begrün­dung. Er beklagte zudem, dass „einige Leute das nicht richtig kapiert haben“, weswe­gen das erste Album in der Neon­aziszene auch als Plat­te von „Prois­senheads“ angekündigt wurde.
Anfang 2002 kamen Mar­tin Roll­berg, der jün­gere Brud­er von Lars Roll­berg, und Daniel Horn dazu und bilde­ten mit Men­zel und „Sparky“ die Beset­zung, in der sie Mitte 2002 im Stu­dio gemein­sam ihr erstes Album auf­nah­men. Es erschien im Jahr 2002 beim Neon­azi­l­abel „V7-Records“ unter dem Titel „… auss­er Kon­trolle“. Die Musik war zu diesem Zeit­punkt noch deut­lich durch „Prois­senheads“ und Men­zel geprägt. Lars Roll­berg beteiligte sich außer­dem bei der Gestal­tung des Cov­ers, auf dem u.a. ein „Ku Klux Klan“-Mitglied abge­bildet ist. Im Book­let sind ver­schiedene Pots­damer Neon­azis, beispiel­sweise Melanie Wit­tassek, abge­bildet.
Die Neonazis Martin Rollberg (oben links), Uwe Menzel (oben rechts), „Herrmann“ (unten links) und Daniel Horn (unten rechts) im Booklet des Albums „Asche zu Asche“ (2004)
Im Som­mer 2004 wurde dann das zweite Album („Asche zu Asche“) einge­spielt. Dies­mal allerd­ings in der neuen Beset­zung mit „Her­rmann“, der Anfang 2003 „Sparky“ am Schlagzeug ablöste, weil sich dieser laut Men­zel „musikalisch wie auch weltan­schaulich zu sehr […] ent­fer­nt“ hat­te, so Men­zel in einem Inter­view 2004. Das Chem­nitzer Recht­sRock-Label „PC-Records“ über­nahm die Veröf­fentlichung. Die säch­sis­che Plat­ten­fir­ma, welche sich mit dem Neon­aziver­sand „Back­street­noise“, bei dem bere­its „Prois­senheads“ das Album „Engel der Sünde“ (2001) veröf­fentlicht­en, gemein­same Geschäft­sräume teilt, gilt bis heute als bedeu­ten­des Label der „Blood & Hon­our“ Bewe­gung in Ost­deutsch­land. Szene-Pro­tag­o­nist_in­nen veröf­fentlichen dort regelmäßig ihre Erzeug­nisse und der Inhab­er Yves Rah­mel gilt als wichtiger Förder­er und Net­zw­erk­er der Neon­aziszene.
Uwe Menzel, „Hermann“, Daniel Horn und Martin Rollberg (v.l.n.r.) im Booklet zum Album „Wut“ (2006)
Auch ihr drittes Album mit dem Titel „Wut“ (2006) erschien bei „PC-Records“, eben­so ihr viertes Namens „Zorn“ (2007). Zwis­chen 2008 und 2009 ver­ließ der Schlagzeuger „Her­mann“ die Band und wurde daraufhin durch „Diet­rich“ erset­zt. 2011 veröf­fentlichte Blood­shed bei „PC-Records“ ihr fün­ftes, und let­ztes, Album mit dem Namen „Wenn die Flüsse rot sich fär­ben“.
Im Inlay des Albums „Zorn“ (2007) lässt die Band die Abkürzung „RAJ“ („Rock against Jews“) und einen Wachturm aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau abbilden
Sowohl 2007 als auch 2009 beteiligten sich Blood­shed als Band an der vom Band­mit­glied Mar­tin Roll­berg ini­ti­ierten Sam­pler­rei­he „Die Söhne Pots­dams“. Auch diese, mit­tler­weile fünf Teile umfassende, Rei­he erschien bei „PC-Records“. Außer­dem steuerte die Band mehrere Titel für unter­schiedliche Sam­pler, z.B. „Euro­pean Sons of Glo­ry“ und „PC Records Pro­mo Sam­pler“ (bei­de 2005 bei PC Records), „Sol­i­dar­ität“ (2007 bei Front Records), „10 Jahre N.D.S.“ (2008 bei 4UVinyl Records), „Berlin Bran­den­burg 2“ (2008 bei Rebel Records) und „Patri­ae inservien­do con­sumer“ (2011 bei Gjal­larhorn Klangschmiede), bei.
Im Jan­u­ar 2014 erschien der „Berlin-Bran­den­burg 3“-Sampler, zu dem Blood­shed einen Song beis­teuerte (zusam­men mit u.a. den Pots­damer Bands „Burn Down“, „Preussen­stolz“, „Redrum“, Hand­stre­ich und „Uwocaust und alte Fre­unde“). Die Entschei­dung hier­für wurde bere­its 2013 getrof­fen, da sich die Band Ende 2013 auf­grund von Stre­it­ereien zwis­chen Daniel Horn und Uwe Men­zel auflöste.
Horn als Förder­er für „Preussen­stolz“
Um den Jahreswech­sel 2007/08 unter­stützte Daniel Horn als zweit­er Gitar­rist die Band „Preussen­stolz“, die sich zu diesem Zeit­punkt im Auf­bau befand. Die zum Teil noch völ­lig ungeübten Nach­wuchsmusik­er Daniel Hintze (auch aktiv bei „Aryan Broth­er­hood“), Manuel Baruth und Tobias Höft prof­i­tierten von der musikalis­chen Exper­tise und Horn half ihnen, eigene Songs zu schreiben. Im März 2008 spiel­ten sie dann ihr erstes Konz­ert in der neuen Kon­stel­la­tion (Hintze, Baruth, Horn, Höft, „Nobody“). Es fol­gten weit­ere Konz­erte in dieser Zusam­menset­zung bis Daniel Horn die Band Ende 2008 ver­lässt und vom Tel­tow­er Mar­vin Hoff­mann an der Gitarre abgelöst wird. Mit­tler­weile ist von den Grün­dungsmit­gliedern der Band lediglich Daniel Hintze erhal­ten geblieben – Sänger ist nun Patrick Danz.
„Blood­shed“ und „Uwocaust und alte Fre­unde“ lösen sich auf
Daniel Horn als Aushilfe bei
Daniel Horn war zum Zeit­punkt der Auflö­sung der Bands „Blood­shed“ und „Uwocaust und alte Fre­unde“ Ende 2013 seit min­destens 20 Jahren mit Uwe Men­zel befre­un­det, davon seit 12 Jahren als musikalis­ch­er Mit­stre­it­er. Als „Uwocaust und alte Fre­unde“ veröf­fentlicht­en Men­zel und Horn drei Alben und steuerten Songs für über zehn Recht­sRock-Sam­pler bei.
Immer öfter aber kam es laut dem neon­azis­tis­chen Musik­blog „Punikoff“ zu zwis­chen­men­schlichen Unstim­migkeit­en und Unzufrieden­heit­en. Dies gipfelte in ein­er Kündi­gung der Fre­und­schaft von Daniel Horn gegenüber Uwe Men­zel, um „mit anderen Leuten Musik zu machen“. Damit wäre klar gewe­sen, dass bei­de Bands aufgelöst wer­den müssten, denn der Gitar­rist wäre, Uwe Men­zel zufolge, als Kreativkopf für die Musik allein ver­ant­wortlich und ohne ihn wäre der Stil der Bands nicht beizube­hal­ten gewe­sen.
Nach­fol­ge­pro­jekt von Uwe Men­zel ist eine Kol­lab­o­ra­tion unter dem Namen „Uwocaust und RACon­quista“
Horn hinge­gen hat­te nach dem Bruch mit Men­zel vor „mit anderen Leuten Musik zu machen“, wie es bei „Punikoff“ heißt. Zumin­d­est zweimal spielte Horn für die Band „Spielleute Dae­mon­i­cus“ von Thomas Berlin, ehe­mals Lafrenz und Lafrenz-Berlin. Bei Auftrit­ten am 22. August 2015 bei der „Rock­nacht in Gransee“ und am 24. Okto­ber 2015 unter­stützte Horn die son­st als Akustik­band auftre­tenden Musik­er mit sein­er E-Gitarre.
In welchen anderen musikalis­chen Zusam­men­hän­gen Daniel Horn mit­tel- und langfristig aktiv sein wird, ist derzeit noch unklar – zwis­chen­zeitlich ver­bringt er die Zeit mit der mas­siv­en Ver­bre­itung ras­sis­tis­ch­er und neon­azis­tis­ch­er Inhalte bei Face­book.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Mit unser­er heuti­gen Beset­zungsak­tion möcht­en wir auf einige Häuser aufmerk­sam machen, die entwed­er ihrem Ver­fall preis­gegeben wer­den oder die wieder ein­mal nicht nach Konzept son­dern nach Höch­st­ge­bot verkauft wer­den.
Am 17.05.2019 fand in Pots­dam die Fahrrad-Demo “Crit­i­cal Der­by Mass — den Nazis die Suppe ver­salzen!” statt. Die Route führte 150 bereifte Antifaschist*innen zu ver­schiede­nen Lokalen der Stadt, in denen sich die Pots­damer AfD und ihre Jugen­dor­gan­i­sa­tion JA zu Stammtis­chen und Vor­tragsver­anstal­tun­gen tre­f­fen.
Pots­dam — Flüchtlingsrat fordert die Bran­den­burg­er Lan­desregierung auf,
entsch­ieden gegen die destruk­tiv­en Geset­zesvorhaben der Bun­desregierung
Posi­tion zu beziehen

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot