14. Oktober 2005 · Quelle: MAZ

Post verzichtet auf sorbische Namen

POTSDAM Wer in Cot­tbus nach der “Serb­s­ka Dro­ga” sucht, wird ohne Prob­leme in die “Wen­den­straße” geschickt. Die Schilder der Stadt sind zweis­prachig: oben deutsch, unten sor­bisch. Wenn allerd­ings die sor­bis­che Groß­tante aus Bautzen die Postleitzahl der “Serb­s­ka Dro­ga” in Cot­tbus nach­schla­gen will, muss sie eine ver­al­tete Aus­gabe des Postleitzahlen­buchs benutzen. Aus der neuesten Aus­gabe hat die Deutsche Post alle sor­bis­chen Orts- und Straßen­beze­ich­nun­gen gestrichen.

“Bei Über­prü­fun­gen im Briefzen­trum Cot­tbus haben wir fest­gestellt, dass in den Anschriften auf den Briefen die sor­bis­chen Namen sel­ten ver­wen­det wer­den”, sagt Rolf Schulz, Sprech­er der Deutschen Post. Gemessen am tat­säch­lichen Bedarf sei der Aufwand, die sor­bis­chen Orts- und Straßen­na­men in der Daten­bank der Post zu erhal­ten, nicht zu recht­fer­ti­gen. Zudem gebe es auch für die anderen sprach­lichen Min­der­heit­en in Deutsch­land — die Dänen, Friesen, Sin­ti und Roma — keine Son­der­regelung. Die sor­bis­chen Beze­ich­nun­gen waren als einzige Aus­gabe des Postleitzahlen­buchs von 1993 enthal­ten gewe­sen.

Der enorme Aufwand, Postleitzahlen auch mit sor­bis­chen Namen zu verse­hen, würde laut Schulz vor allem durch den notwendi­gen zusät­zlichen Daten­ab­gle­ich entste­hen. “Wir hat­ten in Bran­den­burg in den let­zten 12 Jahren zahlre­iche Straßenum­be­nen­nun­gen”, so der Sprech­er. “Mit dem Datenbe­stand aus dem alten Postleitzahlen­buch kön­nen wir daher nicht mehr arbeit­en.” Wie hoch der zusät­zliche Aufwand genau wäre, kon­nte Schulz nicht bez­if­fern. Außer im Postleitzahlen­buch wer­den die sor­bis­chen Namen auch beim Inter­net-Auftritt und auf den CD-Roms der Post fehlen.

“Skan­dalös und diskri­m­inierend”, find­et Bern­hard Ziesch, Geschäfts­führer des Sor­ben-Dachver­bands Domow­ina, diese Entschei­dung. Die Domow­ina prüfe zurzeit rechtliche Schritte. Schließlich sei die Ver­ant­wor­tung des Staates für die sor­bis­che Kul­tur im Eini­gungsver­trag fest­geschrieben wor­den. “Die Post hat im Zuge ihrer Pri­vatisierung eine staatliche Auf­gabe weit­erge­führt”, sagt Ziesch. Deshalb solle sie auch die staatlichen Min­der­heit­en­rechte respek­tieren. “Die Post ist ein pri­vates Unternehmen, das wirtschaftlich rech­nen muss”, ent­geg­net Post-Sprech­er Schulz. Es gehöre nicht zu den Auf­gaben, Teile der Bevölkerung kul­turell zu unter­stützen.

Die Domow­ina will sich den­noch wehren und ermutigt die rund 60 000 Sor­ben in Deutsch­land auch weit­er­hin auf Briefen ihre Mut­ter­sprache zu ver­wen­den. Zudem set­zt der Sor­ben-Dachver­band auf einen wirtschaftlichen Fak­tor: Die Her­stel­lungskosten des Postleitzahlen­buchs müssen aufge­fan­gen wer­den. Daher gibt die Deutsche Post das Buch — das seit dem 4. Okto­ber erhältlich ist — nur für knapp sieben Euro ab. “Ich glaube nicht, dass die Sor­ben das neue Postleitzahlen­buch kaufen wer­den”, sagt Domow­ina-Mann Ziesch.

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