6. November 2005 · Quelle: Indymedia

Potsdam: “Kein Fussbreit den Faschisten”

Der Fol­gende Bericht wurde von Indy­media kopiert.

In Pots­dam wurde heute die Parole “Kein Fuss­bre­it den Faschis­ten” in die Tat umge­set­zt. Die 200 Neon­azis rund um Worch kon­nten sich keinen Meter vom Bahn­hof Pots­dam-Char­lot­ten­burg weg­be­we­gen, da sowohl die Haup­troute als auch eine Auswe­ichroute durch 5000 Gegen­demon­stran­ten blok­iert wur­den.

Nach vier Stun­den gaben die Neon­azis auf und flüchteten nach Berlin, wo sie unter einem riesi­gen Polizeiaufge­bot von der Lands­berg­er Allee zur Greif­swalder­str. maschierten.
Um 12 Uhr ver­sam­melten sich heute 200 Neon­azis (Anzahl laut Infora­dio) am Bahn­hof Pots­dam-Char­lot­ten­burg. Die Demon­stra­tion war von dem Neon­azi-Kad­er Worch angemeldet und wollte durch die Pots­damer Innen­stadt über die Bre­ite Str. nach Potd­sam Haupt­bahn­hof ziehen.

Zur gle­ichen Zeit ver­sam­melten sich tausende Gegen­demon­stran­ten auf dem Luisen­platz. Außer­dem bewegten sich größere und kleinere Grup­pen von autonomen Antifaschis­ten in der Nähe und auf der geplanten Demor­oute der Neon­azis. Ins­ge­sammt waren 5000 Gegen­demon­stran­ten (auch laut Infora­dio) in Pots­dam unter­wegs — von Gew­erkschaften über Parteien bis hin zur Antifa.

Von der Kundge­bung aus dem Luisen­platz aus set­zen sich dann gegen 12 Uhr 30 tausendene Gegen­demon­stran­ten in die Rich­tung der Kreuzung Zep­pelin­str. / Bre­ite Straße in Bewe­gung. Die Polizei kon­nte oder wollte diesen Zug nicht aufhal­ten und so war die Kreuzung ziem­lich schnell von tausenden Leuten beset­zt. Es war damit ziem­lich klar, dass die Polizei die Haup­troute der Neon­azis nicht mehr durch­set­zen kon­nte.

Zur gle­ichen Zeit kam auch die Infor­ma­tion, dass die Polizei eine Ersatzroute über die Zep­pelin­str. Rich­tung Süden zum Bahn­hof Pirschhei­de in Erwä­gung zog. Auf und an dieser Route befan­den sich zu diesem Zeit­punkt nur zir­ka 100 Gegen­demon­stran­ten, haupt­säch­lich Mit­glieder ein­er Kundge­bung von Bünd­nis 90 / Die Grü­nen. Die Anze­ichen mehrten sich, dass die Neon­azis in Kürze über diese Route maschieren wollen. Es wur­den bere­its bei allen Grup­pen von Gegen­demon­stran­ten ent­lang der Zep­pelin­straße Polizeiket­ten aufge­zo­gen.

Aber zum Glück kamen 200 — 300 Autonome Antifaschis­ten die Kas­tanien­allee herunter ger­an­nt, die sich durch den Park Sanssouci durchgeschla­gen hat­ten. Die Polizei reagierte auf diese uner­wartet starke Block­ade der Ersatzroute mit einiger Ner­vosität. Die Helme wur­den aufge­set­zt und es kam zu eini­gen Rangeleien. Weil befürchtet wurde, dass die Block­ade weggeknüp­pelt wer­den sollte, wur­den zwei kleinere Barikaden auf der Zep­pelin­straße erricht­en. Allerd­ings sah dann die Polizei auch hier von ein­er Eskala­tion ab und es wurde nicht geräumt. Damit waren alle möglichen Demor­outen der Neon­azis bere­its um zir­ka 13 Uhr von tausenden Gegen­demon­strat­en block­iert. Diese Block­aden mussten nun nur noch bis 16 Uhr gehal­ten wer­den — was allerd­ings auf Grund des koop­er­a­tiv­en Ver­hal­tens der Polizei nicht schwierig war.

Um 16 Uhr kam dann die Durch­sage, dass die Neon­azis sich ohne einen Meter bewegt zu haben nach Berlin abge­zo­gen sind. Hier haben sie dann eine Demostra­tion von der Lands­berg­er Allee zur Greif­swalder­straße durchge­führt.

Ich erlaube mir mal einen kurzen Kom­men­tar:
Nach Göt­tin­gen war dies wieder ein riesiger Erfolg. Die Neon­azis kon­nten keinen Meter weit laufen. Dank des koop­er­a­tiv­en Ver­hal­tens der Polzei waren so gut wie keine mil­i­tan­ten Aktio­nen notwendig. Allerd­ings waren viele autonome Antifaschis­ten da, die sofort Barikaden errichtet hät­ten, wenn die Polizei geräumt hätte. Das Zusam­men­spiel mit den “Bürg­er­lichen” war mehr als erfol­gre­ich. Zu min­d­est ich hab gar keine Kon­flik­te zwis­chen autonomen Antifaschis­ten und “Bürg­er­lichen” mit­bekom­men, son­dern jed­er hat seine Art des Protests durchge­führt und gemein­sam haben wir gesiegt — wobei natür­lich gesagt hat, dass es wenig Kon­flik­te gab, da mil­i­tante Aktio­nen wie gesagt in den meis­ten Fällen nicht notwendig waren.

Die Demon­stra­tion der Neon­azis in Berlin kön­nen wir mein­er Mei­n­ung nach get­rost ignori­eren. Es ist ein­fach sym­bol­isch genug, wenn sie sich fluchtar­tig nach Berlin bewe­gen müssen, nach­dem sie in Pots­dam keinen Meter weit kamen und dann dort unter riesigem Polizeis­chutz eine kurze Demon­stra­tion durch­führen, während die Antifaschis­ten noch zwis­chen Pots­dam und Berlin aufge­hal­ten wer­den. So eine kleine, unangemeldete Demon­stra­tion ist zwar auch nicht schön, aber es ist sicher­lich kein Sieg für die Neon­azis, wenn sie nur noch demon­stri­eren kön­nen, wenn nie­mand es vorher weiß und trotz­dem ein riesiges Polizeiaufge­bot haben. Wie die Gege­nak­tio­nen in Berlin noch genau aus­sa­hen, weiß ich nicht.

Weit­ere Berichte und Bilder find­et ihr unter:

Pho­tos Nazi-Gegen­demos Pots­dam

Naz­i­marsch Potsdam/Berlin 5.11.05

Bilder bei ADF-Berlin aus Pots­dam

Bilder bei ADF-Berlin von der Spon­tande­mo der Nazis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot