18. August 2016 · Quelle: linksunten.indymedia.org

Potsdam: Los Rampos Muy Grandes

187812In den let­zten Tagen ist am Havelufer zwis­chen der Hum­boldt­brücke und dem beset­zten Kul­turzen­trum ‘La Datscha’ in Eigenini­tia­tive auf ein­er Fläche von 35m² eine Skatean­lage gebaut wor­den. Fern von ruhebedürfti­gen Wohnan­la­gen und gefährlichem Straßen­verkehr, zen­tral gele­gen und eine Brach­fläche nutzend, hat sich eine lose Gemein­schaft begeis­tert­er und engagiert­er Skater*Innen entsch­ieden, diese Vorteile zu nutzen und ihre Vorstel­lung ein­er, im Rah­men der Möglichkeit­en, ide­alen Skat­er­ampe zu ver­wirk­lichen. Auch eine Klet­ter­wand ist vorge­se­hen. Genau­so wie bei dem Beachvol­ley­ballplatz direkt daneben und dem aufgeschüt­tetem Sand­strand 30m weit­er, waren die treiben­den Gedanken, mit indi­vidu­eller Inno­va­tion und Eigenini­tia­tive die Stadt, in der wir leben, mit der kreativ­en Aus­for­mung des Raumes lebens- und liebenswert­er für alle Men­schen zu gestal­ten.
Die Stiftung Preußis­che Schlöss­er und Gärten (SPSG) ver­langt jet­zt den Rück­bau der Anlage, weil sie der Mei­n­ung ist, von ihrem Recht als Grundbe­sitzer Gebrauch zu machen, auch wenn das heißt, eine seit Jahren zugewucherte Brache zu schützen, anstatt, dass die Fläche sin­nvoll genutzt wird. Zur Agen­da der SPSG gehört es auch, einen flo­ri­eren­den Buch­laden auf einem Uni­ver­sitätscam­pus der Geis­teswis­senschaften abreißen zu wollen oder sog­ar zu hohe Bäume fällen zu lassen, nur um Sich­tach­sen zu erhal­ten, die sich vor  300 Jahren jemand aus­gedacht hat. Anstatt die Stadt zeit­gemäß und für das Leben der Einwohner*Innen angenehm zu gestal­ten, wer­den von Ver­ant­wortlichen immer wieder die Wün­sche ein­er rück­wärts­ge­wandten, frühere Zeit­en glo­ri­fizieren­den Elite berück­sichtigt. Wir möcht­en auch an den Kampf um die Idee der Nowaw­iese erin­nern, der mit der Beset­zung des Bolz­platzes begann und durch reges pos­i­tives Inter­esse und den Ein­satz viel­er Einwohner*Innen ver­schieden­er Milieus der Stiftung abgerun­gen wurde und zum Bau des Sport­platzes und des Hun­de­spielplatzes geführt hat. Trotz alle­dem sind die Kinder des Vere­ins Con­cor­dia Nowawes ange­hal­ten, die Toi­let­ten im Strand­bad zu nutzen, weil Toi­let­ten­häuschen an der Nowaw­iese eben­falls mit der bekan­nten Sich­tach­sen­be­grün­dung abgelehnt wur­den, obwohl direkt daneben der Damm der Nutheschnell­straße ver­läuft, der inklu­sive Hum­boldt­brücke im 18. Jahrhun­dert defin­i­tiv noch nicht existierte. Aber die Straße hat natür­lich eine infra­struk­turelle und wirtschaftliche Exis­tenzberech­ti­gung und hier offen­bart sich die Dop­pel­moral jen­er Leute, die sich in Vere­inen wie der SPSG oder MitteSchön ansam­meln und die ihre neo­his­torischen Träume und real­itäts­fer­nen Ansicht­en den weniger bemit­tel­ten Einwohner*Innen oktroyieren müssen. Mit dem Argu­ment, Pots­dam touris­tisch aufzuw­erten wird verkan­nt, dass eine Stadt in erster Lin­ie zur (Be-)Nutzung durch ihre Einwohner*Innen und nicht zum anguck­en da ist. Wir nehmen das nicht hin! Auch wenn ihr nicht Skate­board fahrt, klet­tert oder Vol­ley­ball spielt, seid ihr alle her­zlich ein­ge­laden, Euch das Geschaf­fene anzuse­hen und zu benutzen. Unter­stützt unab­hängige Pro­jek­te und zeigt, dass ihr immer höhere Mieten und immer woh­nun­würdi­gere Ver­hält­nisse in Protz­dam nicht hin­nehmen wollt.
Jede*r kann irgen­det­was, zusam­men kön­nen wir alles!
Die Städte denen, die drin Wohnen! 

3 Replies to “Potsdam: Los Rampos Muy Grandes”

  1. anonym sagt:

    Die Schlösser­s­tiftung hat sich über die Lokal­presse dazu nun auch geäußert:
    http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Streit-um-illegale-Skate-Anlage-am-La-Datscha
    Neben der neuen Skatean­lage geht es auch um eine zukün­ftige Klet­ter­wand und den schon seit Jahren beste­hen­den Beachvol­ley­ball-Platz…
    Mal sehen, ob die Stiftung und Cops sich trauen, da etwas hand­festes zu unternehmen.
    Wider­stand dage­gen dürfte sicher­lich sehr entschlossen sein.

  2. la Datscha sagt:

    Erk­lärung des beset­zten Kul­tur­pro­jek­tes La Datscha, betr­e­f­fend des Baus ein­er soge­nan­nten „Half­pipe“ neben dem Datschagelände.
    Half­pipe auf der Nowaw­iese
    Seit eini­gen Tagen kön­nen Pas­san­ten das Entste­hen ein­er soge­nan­nten „Half­pipe“ neben dem beset­zten Haus La Datscha an der Hum­boldt­brücke betra­cht­en. Täglich entwick­elt sich das Pro­jekt weit­er und wir waren ges­pan­nt, wie das neue Objekt auf der „Nowaw­iese“, neben dem vorhan­de­nen Beachvol­ley­ballplatz, den von der Datscha instal­lierten Bänken und unserem Strand, angenom­men wer­den wird. Gegen alle Hoff­nung der Skater_Innen war aber auch klar, dass die Schlösser­s­tiftung, auch bekan­nt als „Stiftung Preußis­che Schlöss­er und Gärten“, als Besitzerin des Grund­stücks, dieser Ini­tia­tive einen Strich durch die Rech­nung machen kön­nte. So geschah es dann auch prompt. Am Mor­gen des 17. August kamen zwei Mitarbeiter_Innen der Stiftung und fünf Polizist_Innen und stell­ten ein sieben­tägiges Ulti­ma­tum zum Rück­bau der „Half­pipe“. Für einen Fall des Zuwider­han­delns wurde direkt mit nicht näher genan­nten Schrit­ten gedro­ht.
    Stiftung was…??
    Der Bau der „Half­pipe“ fußt nicht auf unser­er Ini­tia­tive, wir unter­stützen sie aber ein­deutig und fordern die Stiftung und die Stadt Pots­dam deut­lich dazu auf, die Entwick­lung der „Nowaw­iese“ zuzu­lassen und zu fördern. Pots­dam wächst und braucht Flächen für Freizeit­gestal­tung. Die „Nowaw­iese“ kön­nte das Are­al sein, was dazu beiträgt, dass die immer größer wer­den­den Vier­tel Babels­berg und Zen­trum Ost zusam­menwach­sen und kön­nte eben der Ort sein an dem sich Men­schen aus bei­den Kiezen über die Schnell­straße hin­weg tre­f­fen, feiern, spie­len und Zeit miteinan­der ver­brin­gen kön­nten. Unsere Erfahrun­gen mit der SPSG zeigen, dass jede Entwick­lung bekämpft und bedrängt wird. Der neue Fußballplatz ist nach den Regeln der SPSG gebaut wor­den und geht somit in Teilen an den Inter­essen der Nutzer_Innen vor­bei. Um unseren Vol­ley­ballplatz wur­den in ein­er Kahlschla­gak­tion im Feb­ru­ar fast alle Bäume und Büsche gefällt, ohne Rück­sprache mit uns zu hal­ten. Der Vol­ley­ballplatz ist trotz sein­er guten Nutzung fortwährend durch eine Zer­störung bedro­ht, da er halt „nur“ geduldet wird.
    Flächen­tausch
    Ein Flächen­tausch, nach dem das Datscha­grund­stück der SPSG zugeschla­gen wer­den soll, ste­ht nach wie vor im Raum. Dies würde das defin­i­tive Ende unseres Pro­jek­tes bedeuten, da wir, so wie wir sind und mit dem was wir machen, allem wider­sprechen, was die SPSG nach außen ver­tritt. Wer eine lebendi­ge Stadt will, muss auch lebendi­ge und unkon­trol­lierte Orte zulassen. Dafür ste­hen wir als Pro­jekt und auch die neue Ini­tia­tive rund um die „Half­pipe“. Damit brüstet sich die Stadt Pots­dam gerne, wenn, wie am Sam­stag, den 20. August, ver­meintlich gemein­sam gegen Nazis demon­stri­ert wird. Die Blöße sich öffentlich zu der Datscha und somit auch zu dem neuen „Halfpipe“-Projekt zu beken­nen, geben sich Politiker_Innen, seit dem nun­mehr acht jähri­gen beste­hen des Pro­jek­tes „La Datscha“, nicht. Ein klares Beken­nt­nis zur oft zitierten Weltof­fen­heit und Tol­er­anz, wäre es genau dies zu tun und Ini­tia­tiv­en auf der „Nowaw­iese“ zu zulassen und zu unter­stützen. Wenn es einen Grund­stück­stausch gibt, soll­ten der SPSG die ihr gehören­den Flächen, ent­zo­gen und der Stadtöf­fentlichkeit übergeben wer­den. Dass die SPSG keine Kom­pro­misse einzuge­hen bere­it ist, hat sie rund um das Entste­hen des Fußballplatz zu genüge bewiesen. Eine endgültige Lösung dieses Kon­flik­tes würde sich nur ergeben, wenn die Stadt Pots­dam wieder den Besitz über die Flächen erlangt, oder die Stiftung endlich zu Kom­pro­mis­sen bere­it wäre. Let­zteres erscheint uns ein allzu naiv­er Gedanke zu sein…
    La Datscha (beset­ztes Haus mit Havel­blick)

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