9. April 2013 · Quelle: Antifaschistische Recherche_Potsdam//Umland

Potsdamer Neonazis auch 2013 sportlich?

Im vergangenen Jahr lag unser Schwerpunkt auf der Problematisierung organisierter Potsdamer Neonazis im Kontext von lokalen Fußballclubs, Fan- bzw. Hooliganstrukturen wie auch anderen Sportvereinen.

Anfang dieses Jahres lässt sich durch den Rück­blick auf (nicht erfol­gte) Pressereak­tio­nen und State­ments der entsprechen­den Vere­ine sowie die Betra­ch­tung des sta­tus quo bere­its kon­sta­tieren, dass sich an der Aus­gangssi­t­u­a­tion nur wenig geän­dert hat.

Die betr­e­f­fend­en Neon­azis sind weit­er­hin in den Vere­inen aktiv, bestre­it­en für diese Spiele, Wet­tkämpfe und präsen­tieren damit ihre Vere­ine in der Öffentlichkeit. So schießt Thomas Pecht nach wie vor für „Ein­tra­cht 90 Babels­berg” Tore, wie zulet­zt am 3. Feb­ru­ar in einem Test­spiel [1], und Mario Schober ist stets bei öffentlichen Auftrit­ten der „Pan­thers“, z.B. am 01.09.2012 im Stadt­teil Stern und am 19.10.2012 in Eiche anzutr­e­f­fen und auch auf der Home­page des Vere­ins in zen­traler Stel­lung für das Senior-Team posi­tion­iert. [2]

Inter­es­san­ter­weise war dieser jedoch nicht beim Auftritt der „Pan­thers“ auf dem „Fest für Tol­er­anz“ am 15.09.2012 am Haupt­bahn­hof anwe­send. Obwohl Schober sich auch auf der anderen Seite des Haupt­bahn­hofs, wo die NPD eine Demon­stra­tion angemeldet hat­te, nicht blick­en ließ, lag bei­des jedoch im Rah­men des Möglichen.

Genau dieses Bild spiegelt immer noch die momen­tane Sit­u­a­tion bezüglich Schober wieder und sollte sich von den Vereinsfunktionär_innen und Mitarbeiter_innen des Stadt- und Lan­dess­port­bun­des verge­gen­wär­tigt wer­den, wenn sie sich zukün­ftig bezüglich dieser The­matik äußern. Denn dafür, dass sich Mario Schober mit­tler­weile von den von ihm bish­er vertrete­nen men­schen­feindlichen Posi­tio­nen ent­fer­nt hat, existieren kein­er­lei Anze­ichen. Wenn es ihm zuvor wichtig war, auf Demon­stra­tio­nen in der Öffentlichkeit für neon­azis­tis­che Ein­stel­lun­gen auf die Straße zu gehen, wird es ihm doch wohl möglich sein – sofern er es ernst meint – sich nun auch öffentlich zu posi­tion­ieren. Aber wie bere­its erwäh­nt, gibt es dazu bis jet­zt keinen Anhalt­spunkt. Seine Nicht-Posi­tion­ierung kann deswe­gen als pas­sives Eingeständ­nis sein­er poli­tis­chen Ein­stel­lung gese­hen wer­den.

Ähn­lich ver­hält es sich im Fall Thomas Pecht. Auch hier hat die Vere­ins­führung bish­er nichts, was für eine solche Diskus­sion pro­duk­tiv erscheint, her­vorge­bracht außer heißer Luft. Die als klare Posi­tion­ierung les­bare Botschaft von Ein­tra­cht-Chef Mey­er stellte sich bis jet­zt als reine Image­poli­tik her­aus. [3] Denn auch hier fol­gten, bis auf die schriftliche Ver­laut­barung über ihre Inter­net­seite, keine bemerk­baren Kon­se­quen­zen.

Wald­stadt – Fahrland – Schlaatz: weit­ere Spiel­wiesen Pots­damer Neon­azis

Auch der dem NPD-Stadtver­band sowie den „Junge Nation­aldemokrat­en“ (JN) Pots­dam und den „Freie Kräfte Pots­dam“ zuge­hörige Pots­damer Neon­azi Patrick Bün­sch kickt in sein­er Freizeit gerne – momen­tan im von ihm selb­stor­gan­isierten Rah­men mit seinen Kam­er­aden direkt neben seinem Wohnort auf dem Kun­strasen­sport­platz in Wald­stadt II und in der Freizeitli­ga im Team „Juven­tas Crew Alpha“ des „Jugend­club Alpha“ im Stadt­teil Schlaatz. Bei dessen Wei­h­nach­sturnier, in der Turn­halle der Schule 40 am Schlaatz, nahm Bün­sch, laut „Juven­tas Crew Alpha“-Homepage auch „Bün­schi“ genan­nt, am 15.12.2012 teil.

Der „Jugend­club Alpha“ fiel in den ver­gan­genen Jahren des Öfteren auf, nach­dem dort wieder­holt Kochdu­elle stat­tfan­den, in denen Ober­bürg­er­meis­ter Jann Jakobs mit dem Neon­azi und mit­tler­weile wieder auf freiem Fuß befind­lichen Manuel Pecht [4] Rezepte aus­tauschte. Dies ist vor dem Hin­ter­grund inter­es­sant, da Patrick Bün­sch eben­falls zu den Neon­azis um Thomas Pecht gehörte, die ab Sep­tem­ber 2008 die Turn­halle des Schiller Gym­na­si­ums in Pots­dam Drewitz wieder­holt anmi­eteten, um unter anderem dort die „JN“ Pots­dam zu grün­den. [5]

Der Anfang Dezem­ber 2012 beru­flich nach Ham­burg ver­zo­gene und dort als Lok­führer tätige Pots­damer Neon­azi Ben­jamin Oestre­ich spielt genau­so gerne mit Freund_innen am Woch­enende in Fahrland Fußball. Der Aus­tra­gung­sort ist entwed­er der öffentliche Sport­platz oder bei schlechtem Wet­ter die Sporthalle. Hier spielt auch Fabi­an Klen­nert mit, der der Hooli­gan­grup­pierung „Crimark“ zuge­ord­net wer­den kann [6], einen Hang zu Neon­azide­vo­tion­alien hat und geg­ner­ische Fußball­fans als „Juden“ beze­ich­net. Dieser verkehrt, wie zuvor Ben­jamin Oestre­ich, regelmäßig im Jugend­club „Tre­ff­punkt Fahrland“ und spielt seit 2012 im Vere­in „SG Born­im“ Fußball. [7]
Auch Klen­nerts Kumpel Paul Elm, eben­falls Teil von „Crimark“, ist weit­er­hin für den Judovere­in „UJKC Pots­dam“ aktiv und besucht weit­er­hin die Sports­chule Pots­dam.

So ist – abseits der Diskus­sion um Sinn und Unsinn dieses Vorhabens – bis jet­zt nicht ein­mal der für dieses Früh­jahr angekündigte Ehrenkodex erschienen. Mit Pas­sagen wie „Die Sportvere­ine treten Gewalt, Recht­sex­trem­is­mus und Frem­den­feindlichkeit öffentlich klar ent­ge­gen.“ wird ver­sucht, ein pos­i­tives Image zu schaf­fen [8]. Die Real­ität sieht anders aus. Gewaltaffine Hooli­gans trainieren weit­er in Sportvere­inen, Neon­azis engagieren sich in Fußbal­lvere­inen und Jugend­clubs und nutzen städtis­che Turn­hallen und Sport­plätze.

 

[1] http://www.forum-hvl-mitte.de/index.php?page=Thread&postID=18227#post18227
[2] http://www.pantherscheerleader.de/03c1989d8a0ca4e01/03c1989d8a0f03258/index.php
[3] http://www.pnn.de/potsdam/642628/
[4] http://arpu.blogsport.eu/2012/03/27/thomas-pecht-volkssport-fur-die-volksgemeinschaft/
[5] Eben­da
[6] http://arpu.blogsport.eu/2012/05/30/gewaltromantik-trifft-auf-neonazidenken-crimark-neonazi-hools-in-rot-weis/
[7] http://www.sg-bornim.de/index.php/2012–06-13–13-55–03/a‑junioren
[8] http://www.pnn.de/potsdam/703796/

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