8. Dezember 2011 · Quelle: Ak Antifa Potsdam

Pressemitteilung zum Waldstadtspaziergang und dem Antifa_Outing

Am Sonntag veranstaltete das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ (PbF) einen Spaziergang durch Waldstadt, um ein „Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt“ zu setzen.

Anlass hier­für war ein Auf­marsch von etwa 30 Neon­azis im sel­ben Bezirk am 9. Novem­ber 2011. Seit ger­aumer Zeit gibt es in Wald­stadt mas­sive Prob­leme durch Ein­schüchterungsver­suche und Über­griffe auf Linke und solche die dafür gehal­ten wer­den. Auf diese Sit­u­a­tion machte bere­its im Spät­som­mer let­zten Jahres eine antifaschis­tis­che Demon­stra­tion unter dem Mot­to „wake up“ aufmerk­sam. Schon damals organ­isierten sich die Neon­azis zunehmend bess­er, gin­gen ver­stärkt in die Öffentlichkeit und nutzten ihr neuge­wonnenes Selb­st­be­wusst­sein, um poli­tis­chen Gegner_innen das Wohnen in Wald­stadt fak­tisch unmöglich zu machen. Wald­stadt entwick­elt sich immer mehr zu ein­er soge­nan­nten „No-Go-Area“, in welch­er sich Men­schen, die nicht in das neon­azis­tis­che Welt­bild passen, nicht sich­er fühlen kön­nen.

Auch wenn das Engage­ment des Bünd­niss­es PbF begrüßenswert ist, müssen wir fest­stellen, dass es damit nicht getan sein kann. Es ist nicht das erste Mal, dass bürg­er­liche „Zivil­courage“ zwar gut gemeint, jedoch viel zu spät und verkürzt ankommt. Es ver­wun­dert daher nicht, dass die Reak­tion der Neon­azis auf den Wald­stadtspazier­gang in einem „Out­ing“ von (ver­meintlich) linken Jugendlichen mün­det, denn diese werde als die eigentliche Bedro­hung ange­se­hen. Seit min­destens 2002 treten Neon­azis hier in Pots­dam auch öffentlich, durch Aufmärsche oder Kundge­bun­gen, in Erschei­n­ung. Schon damals war die Tak­tik der Bürg­er_in­nen-Ini­tia­tiv­en grundle­gend dieselbe wie heute. Es sollen Zeichen „gegen Rechts“ geset­zt wer­den, die wed­er effek­tiv noch zeit­nah sind. Mal finden„Toleranzfeste“ weit ab vom Schuss statt oder wie im aktuellen Fall über ein Jahr nach­dem das Prob­lem öffentlich gemacht wurde. Erst wenn ein Gesichtsver­lust dro­ht und Antifaschist_innen sich des Naziprob­lems längst angenom­men haben, treten die Ini­tia­tiv­en in Aktion. Diese Strate­gie genügt nicht um die Pots­damer Neon­azistruk­turen zu schwächen oder sie an der Wurzel zu pack­en. Solange alltäglich­er Ras­sis­mus und Nation­al­is­mus nicht offen kri­tisiert und gegen ver­fälschte Geschichts­bilder aus der soge­nan­nten „Mitte“ der Gesellschaft vorge­gan­gen wird, muss sich nie­mand wun­dern, wenn „plöt­zlich aus dem Nichts“ neon­azis­tis­che Gewalttäter_innen mar­o­dierend durch die Städte ziehen.

Die Press­esprecherin des ak_antifa_potsdam sagt dazu: “Deftige Erb­sen­suppe aus der Gulaschkanone, Tee und Glüh­wein sind ein­fach keine pro­bat­en Mit­tel im Kampf gegen neon­azis­tis­che Struk­turen, wed­er in Pots­dam, noch in Halbe oder Jena.“

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