23. Mai 2015 · Quelle: Presseservice

Pritzwalk: Deutliche Mehrheit gegen rassistische Kundgebung

collage
Etwa 120 Men­schen haben heute Vor­mit­tag gegen eine Kundge­bung von 40 Neon­azis und Rassist_innen auf dem Mark­t­platz in Pritzwalk (Land­kreis Prig­nitz) protestiert. Bei­de Ver­anstal­tun­gen liefen rel­a­tiv störungs­frei ab. Am Rande der ras­sis­tis­chen Kundge­bung kam es jedoch zu zwei kleineren Zwis­chen­fällen. Eine männliche Per­son soll eine Nazi­pa­role skandiert haben. Die Polizei nahm vom Tatverdächti­gen anschließend die Per­son­alien auf. Darüber­hin­aus gin­gen die Bamt_innen offen­bar noch gegen eine weit­ere Per­son vor. Hier sind die genauen Hin­ter­gründe aber noch unklar.
Neon­azis­tis­che Het­ze gegen Flüchtlinge
Die offen­sichtlich ras­sis­tisch motivierte Kundge­bung wurde in der ver­gan­genen Woche angemeldet. Es han­delte sich hier­bei offen­bar um einen Fort­set­zungsver­such ähn­lich­er Ver­samm­lun­gen in Wittstock/Dosse (Land­kreis Ost­prig­nitz-Rup­pin). Dort waren Neon­azis und Rassist_innen zulet­zt am 28. März 2015 auf­marschiert. Der mut­maßliche Ver­samm­lungsleit­er Ron­ny Schar­fenort stammt, gemäß eige­nen Angaben im Social­me­dia, eben­falls aus Wittstock/Dosse. Auch die anderen Neon­azis waren in erster Lin­ie Zugereiste. Sie kamen, außer aus Wittstock/Dosse, auch aus den Regio­nen um Wit­ten­berge (Land­kreis Prig­nitz), Neu­rup­pin (Ost­prig­nitz-Rup­pin), Ketzin/Havel (Havel­land) und Bad Belzig (Land­kreis Pots­dam-Mit­tel­mark). Aus Pritzwalk sel­ber nahm unge­fähr eine Hand­voll Neon­azis teil. Die meis­ten, der heute anwe­senden Neon­azis, fie­len in let­zter Zeit regelmäßig bei der­ar­ti­gen Ver­anstal­tun­gen auf. Ein Großteil davon bewegt sich auch in neon­azis­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen. Heute zeigten sich vor allem die Partei „der dritte Weg“, die „Freien Kräfte Prig­nitz“, die „Nationalen Sozial­is­ten Wittstock/Dosse“ sowie Unterstützer_innen der Kam­pagne zum so genan­nten „Tag der deutschen Zukun­ft“. Alle drei Rede­beiträge wur­den zudem von neon­azis­tis­chen Funk­tionären gehal­ten. Die mit­telmärkischen Red­ner Maik Eminger und Pas­cal Stolle sind als Mit­glieder des „drit­ten Weges“ bekan­nt, Dave Trick ist in Neu­rup­pin Stadtverord­neter für die NPD. Dementsprechend waren die Reden gestal­tet. Sie enthiel­ten vor allem dumpfen Ras­sis­mus und vielfache Het­ze gegen Aus­län­der, ins­beson­dere gegen Flüchtlinge. Der Abge­ord­nete Trick warb zu dem für eine weit­ere ras­sis­tisch motivierte Ver­anstal­tung, den „Tag der deutschen Zukun­ft“ am 6. Juni 2015 in Neu­rup­pin. Anschließend wurde Recht­srock von einem Ton­träger abge­spielt, bevor „Ver­samm­lungsleit­er“ Ron­ny Schar­fenort die Ver­anstal­tung kurz vor 12.00 Uhr wieder auflöste.
Bre­ite Proteste gegen Aus­län­der­hass
Gegen die ras­sis­tisch motivierte Kundge­bung, deren Teilnehmer_innen sich gern als „besorgte Bürger_innen“ sehen und oft vorgeben keine Neon­azis zu sein, hat­te sich bere­its am frühen Vor­mit­tag ein bre­ites Protest­po­ten­tial zusam­menge­fun­den. An der St. Niko­lai Kirche, am nördlichen Ende des Mark­t­platzes, hat­ten sich unge­fähr 80 Men­schen, darunter auch Vertreter_innen des Bünd­niss­es „Witt­stock beken­nt Farbe“, einge­fun­den, um zunächst gemein­sam zu beten und dabei Gesicht für Vielfalt zu zeigen. Außer­dem wur­den Schilder gezeigt, die als Sol­i­dar­itäts­bekun­dun­gen gegenüber Flüchtlin­gen inter­pretiert und außer­dem als Beken­nt­nis für eine mod­erne Ein­wan­derungs­ge­sellschaft ange­se­hen wer­den kön­nen. Anschließend wurde sich dem Protest gegen die ras­sis­tis­che Kundge­bung zuge­wandt. Direkt gegenüber den Neon­azis und Rassist_innen hat­ten sich zuvor bere­its unge­fähr 40 Antifaschist_innen und Ange­höriger linksalter­na­tiv­er Sub­kul­turen mit Fah­nen und Trans­par­enten, let­ztere vor allem gegen den geplanten „Tag der deutschen Zukun­ft“ in Neu­rup­pin gerichtet, einge­fun­den. Nun wurde gemein­sam laut­stark protestiert und die neon­azis­tis­chen Red­ner aus­gep­fif­f­en. Dazu läuteten die Glock­en der St. Niko­lai Kirche.
 Fotos: hier
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Neu­rup­pin — Gestern wurde der bekan­nte Neon­azi Sandy L. vor dem Landgericht Neu­rup­pin wegen mehrerer rechter Gewalt­tat­en zu ein­er Haft­strafe von 2 Jahren und 4 Monat­en verurteilt. Der Mitangeklagte Raiko K. erhielt eine Frei­heit­strafe von 9 Monat­en,
In ver­schiede­nen Gemein­den im West­en Bran­den­burgs wur­den am Fre­itag­mor­gen mehrere flüchtlings­feindliche Plakate an Ort­sein­gangss­childern fest­gestellt.

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot