17. Februar 2007 · Quelle: Junge Welt

Probleme bei der Aufklärung des Überfalls


Im Prozeß gegen die mut­maßlichen Täter im Fall Ermyas Muluge­ta gibt es bish­er kaum brauch­bare Zeu­ge­naus­sagen

Eine lück­en­lose Aufk­lärung des ras­sis­tis­chen Über­falls auf den Deutsch-Äthiopi­er Ermyas Muluge­ta wird immer unwahrschein­lich­er. Alle Augen­zeu­gen haben mit­tler­weile im Prozeß um den Fall vor dem Landgericht Pots­dam aus­ge­sagt, doch kein­er kon­nte die Täter genau beschreiben. Auch ein am Fre­itag ver­nommen­er 23jähriger hat zwar die Attacke in der Oster­nacht 2006 in Pots­dam gese­hen, die Schläger aber nur undeut­lich wahrgenom­men. Muluge­ta selb­st kann sich wegen sein­er damals erlit­te­nen lebens­ge­fährlichen Kopfver­let­zun­gen nicht erin­nern.

Die Polizei hat darüber hin­aus mit schlampiger Spuren­sicherung dafür gesorgt, daß eine am Tatort gefun­dene Blut­spur mit­tels DNA-Analyse möglicher­weise nicht brauch­bar ist. Die Scher­ben mit dem Blut hat­te ein Streifen­polizist einge­sam­melt. Spezial­is­ten der Krim­i­nalpolizei kamen dage­gen erst mehr als drei Stun­den nach der Attacke an den Tatort.

Für die Vertei­di­gung jeden­falls waren die ersten vier Prozeß­tage eine Genug­tu­ung. Ihre Man­dan­ten, der wegen gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung angeklagte Björn L. und der wegen unter­lassen­er Hil­feleis­tung angeklagte Thomas M., bestre­it­en, in der fraglichen Nacht über­haupt am Tatort gewe­sen zu sein. Der Lebens­ge­fährte der Mut­ter des Haup­tangeklagten ver­sicherte am Fre­itag, Björn L. habe noch gegen Mit­ter­nacht im nahen Michen­dorf zu Hause im Bett gele­gen. Muluge­ta war gegen 4.00 Uhr mor­gens niedergeschla­gen wor­den.

Ein ehe­ma­liger Mit­ge­fan­gener des mut­maßlichen Haupt­täters weigerte sich, vor Gericht auszusagen. Die Richter ver­hängten einen Monat Beuge­haft gegen den 28jährigen. Dieser hat­te im Som­mer einem Amt­srichter erk­lärt, Björn L. habe im Gefäng­nis von der Tat erzählt.

Als wichtiges Indiz ist der Staat­san­waltschaft noch der Mitschnitt ein­er Handy-Mail­box geblieben. Darauf ist zu hören, wie Muluge­ta kurz vor der Tat als »Oller Nig­ger« und »Scheißnig­ger« beschimpft wird. Die Ermit­tler ord­nen die hohe Stimme dem Haup­tangeklagten Björn L. zu, der von Bekan­nten auch »Pieps« genan­nt wird. Auch dazu soll noch eine Gutach­terin befragt wer­den.

Nur vage in die Rich­tung der Anklage ging die Aus­sage eines Tax­i­fahrers, der während des Angriffes und kurz danach mit seinem Wagen den Tatort passiert hat­te. Er gab vor Gericht zu Pro­tokoll, die bei­den Täter von hin­ten gese­hen zu haben. Bei der Polizei hat­te er während ein­er Video-Gegenüber­stel­lung Björn L. unter sieben Män­nern anhand von Statur und Gang wieder­erkan­nt.

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