19. September 2014 · Quelle: Inforiot

Provokationen in Gedenkstätte Sachsenhausen: Neonazis aus Oberhavel vor Gericht

Seit Anfang der Woche müssen sich drei Neon­azis vor dem Amts­gericht Oranien­burg wegen „Störung der Toten­ruhe“ in der Gedenkstätte des ehe­ma­li­gen KZ Sach­sen­hausen ver­ant­worten. Sie wer­den beschuldigt, NPD-Fly­er aus­gelegt und provoziert zu haben. Weil Zeug­In­nen fehlten, wurde der Prozess vertagt.
INFORIOT Von den drei Neon­azis, die am 15.09. auf der Anklage­bank saßen, sind zwei als neon­azis­tis­che Gewalt­täter ein­schlägig bekan­nt. Bei ihnen han­delt es sich um Pierre Schu­mann aus Witt­stock und Patrick Schulz aus Leege­bruch. Sie sind den „Freien Kräften Ost“ (FKO) zuzurech­nen. Dritte im Bunde der Angeklagten ist Anja D.
Het­ze gegen NS-Opfer
Die drei Neon­azis wer­den beschuldigt, am 5. Juni 2013 zur Gedenkstätte im ehe­ma­li­gen KZ Sach­sen­hausen gefahren zu sein, um dort Nazi-Fly­er auszule­gen, die die Opfer des Nation­al­sozial­is­mus ver­höh­n­ten. Auf den Fly­ern der NPD Meck­len­burg-Vor­pom­mern wird gegen Asyl­suchende und Sin­ti und Roma gehet­zt. Während der NS-Zeit wur­den in Europa 500.000 Sin­ti und Roma ermordet, über 1.000 von ihnen im KZ Sach­sen­hausen.
Pro­vokantes Auftreten
Laut Angaben ein­er Zeu­g­in ver­hiel­ten sich die drei Neon­azis am fraglichen Tag in hohem Maße pro­vokant. Wie eine Berlin­er Lehrerin im Zeu­gen­stand beschrieb, fuhren die drei Angeklagten am Vor­mit­tag des 5. Juni 2013 in einem dun­klen Auto an der Gedenkstätte vor. Dabei dröh­nte Recht­srock aus den Auto­box­en. Zumin­d­est bei Anja D. ist sich die Zeu­g­in sich­er, dass sie ein T‑Shirt mit der Auf­schrift „Nationaler Wider­stand“ trug. Daraufhin informierte die Lehrerin die Mitar­bei­t­erIn­nen der Gedenkstätte. Laut ihren Schilderun­gen war möglicher­weise ein viert­er Täter mit dabei.
Ver­hand­lung wird fort­ge­set­zt
Der Gericht­ster­min stieß in der Öffentlichkeit auf wenig Inter­esse. Auf den Zuschauer­bänken im Gericht saßen drei Neon­azis zur Unter­stützung ihrer Kam­eradIn­nen. Weil viele der weit­eren gelade­nen Zeug­In­nen nicht zum Gericht­ster­min erschienen, wurde die Ver­hand­lung ver­schoben. Der Fol­geter­min: 1. Okto­ber, ab 9.30 Uhr im Amts­gericht Oranien­burg (Berlin­er Str. 38).

Angeklagter Patrick Schulz (ganz links) bei einer Neonazidemonstration

Angeklagter Patrick Schulz (ganz links) bei ein­er Neon­azidemon­stra­tion


Bekan­nte Angeklagte
Der Angeklagte Patrick Schulz war Mit­grün­der des 2007 aufgelösten „Sturm Oranien­burg“, und in der (inzwis­chen eben­falls still­gelegten) Struk­tur „Kam­er­ad­schaft Märkisch Oder Barn­im“ aktiv. Wegen eines Bran­dan­schlags auf das Oranien­burg­er Büro der dama­li­gen PDS im Jahr 2007 wan­derte er für 20 Monate ins Gefäng­nis. Pierre Schu­mann war zusam­men mit anderen Neon­azis an einem Messeran­griff auf alter­na­tive Jugendliche am 12. April 2012 in Neu­rup­pin beteiligt. Auch er war bere­its in Haft.

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