8. Februar 2005 · Quelle: Opferperspektive

Prozess gegen rechtsradikales Überfallkommando in Rathenow

Am
Don­ner­stag, den 10. Feb­ru­ar 2005, find­et um 9.30 Uhr am Amts­gericht Rathenow (Raum
2.13) ein Prozess gegen sechs Recht­sex­trem­is­ten statt. Den 19- bis 22-jähri­gen
Angeklagten wird vorge­wor­fen, im März 2004 linksori­en­tierte Jugendliche über­fall­en
und ihr Auto demoliert zu haben.

Mit
drei Fre­un­den wollte der 18-jährige Rathenow­er Flo­ri­an E. nachts an die Hav­el bei
Göt­tlin. Wom­it er nicht gerech­net hat­te: in Göt­tlin hat­ten sich an jen­em Abend
eine größere Anzahl Recht­sradikaler in der Kneipe “Lum­ber­jack” ver­sam­melt.
Unter ihnen auch Mit­glieder der recht­sex­trem­istis­chen Kam­er­ad­schaft “Sturm 27”, die
Flo­ri­an sofort erkan­nten, denn Flo­ri­an engagiert sich offen gegen
Recht­sex­trem­is­mus in Rathenow. Auf dem Rück­weg nach Rathenow stürzten sich
mehrere Grup­pen Recht­sradikaler auf den

Wagen,
den sie mit Fußtrit­ten, Eisen­stan­gen und Steinen demolierten. Unter
“Sieg-Heil”-Gebrüll wurde ein Stein in Rich­tung Flo­ri­ans Kopf gewor­fen, der
jedoch nicht die Wind­schutzscheibe durch­schlug.

Die
Insassen blieben unver­let­zt, doch der Schreck­en steck­te ihnen noch lange in ihren
Gliedern. “Wenn ich daran denke, was noch alles hätte passieren kön­nen”, so
Flo­ri­an, “wird mir ganz anders. Ich wün­sche es keinen, einem Mob von Neon­azis in
die Hände zu fall­en.” An seinem Wagen ent­stand ein Schaden von 2800 Euro.

Die
Staat­san­waltschaft Pots­dam hat den Über­fall nur als Sachbeschädi­gung
angeklagt, obwohl schw­er­er wiegende Delik­te wie ver­suchte gefährliche
Kör­per­ver­let­zung oder gefährlich­er Ein­griff in den Straßen­verkehr in Frage
kämen. Der Ein­druck liegt nahe, dass der Vor­fall herun­terge­spielt wer­den
soll. Bei den Opfern han­delt es sich “nur” um linksori­en­tierte
Jugendliche, die bei der Staat­san­waltschaft unter dem Gen­er­alver­dacht ste­hen,
sie hät­ten am Über­fall eine Mitschuld wegen ihrer poli­tis­chen Ein­stel­lung. Zu
hof­fen ist nur, dass das Gericht dieser Ver­harm­lo­sung nicht fol­gt.

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