11. Dezember 2003 · Quelle: LR

Punkkonzert in Döbern

In ein­er Diskus­sion wollen sich Jugendliche am Fre­itagabend ab 18 Uhr im
Jugend­klub mit dem The­ma «Neon­azis­mus und Ras­sis­mus im Land Bran­den­burg»
auseinan­der­set­zen. Im Anschluss daran ist ein Punkrock­konz­ert geplant. Dass
diese Ver­anstal­tung am Vor­abend der Demon­stra­tion von Recht­sex­trem­is­ten in
Cot­tbus stat­tfind­et, sei pur­er Zufall, erk­lären die Ver­anstal­ter.
Organ­isatoren sind neben dem Jugend­klub die Betreiber der alter­na­tiv­en
Inter­net­seite www.inforiot.de.

Die aber geben sich nur schw­er zu erken­nen — aus Angst vor Über­grif­f­en, wie
sie per E‑Mail mit­teilen. Tele­fon­num­mern sind auf der Inter­net­seite nicht zu
find­en. Unter der angegebe­nen Kon­tak­tadresse, einem Jugend­wohn­pro­jekt in
Neu­rup­pin, ist kein Ansprech­part­ner zu erre­ichen.

Schließlich meldet sich
auf E‑Mail-Anfrage ein Heiko Mei­jer per Mobil­tele­fon. Er sei Stu­dent der
Sozial­wis­senschaften an der Hum­boldt-Uni­ver­sität in Berlin, sagt er. Mei­jer
werde ein­er der Gesprächspart­ner am Fre­itagabend in Döbern sein. Wer noch
kommt, könne er nicht sagen.

Auch Ellen Müller, Mitar­bei­t­erin des Nix e. V. und zuständig für die
Betreu­ung des Döbern­er Jugend­klubs, ken­nt die Gäste nicht, die am
Fre­itagabend kom­men wollen. «Das haben die Jugendlichen selb­st organ­isiert.
Sie müssen damit klarkom­men» , sagte sie. Vertreter von Infori­ot seien im
Juni schon ein­mal in Döbern gewe­sen. Diese Ver­anstal­tung sei auf großes
Inter­esse gestoßen.

Die Diskus­sion am Fre­itagabend sei keine Reak­tion auf die für Sonnabend
angekündigte Demon­stra­tion von Recht­sex­trem­is­ten in Cot­tbus, so Ellen
Müller. Diese zeitliche Nähe sei nicht gewollt, «erscheint uns aber gün­stig»
, ergänzte Heiko Mei­jer. Denn: «Ras­sis­mus und Recht­sradikalis­mus gehören im
Land Bran­den­burg immer noch zu den drän­gend­sten Prob­le­men» , schreibt Sven­ja
Rinks, ange­blich Mitar­bei­t­erin im Infori­ot-Team, in ein­er E‑Mail. «Die
Symp­tome sind überdeut­lich.» Sie ver­weist dabei auch auf die «Junior­wahl»
der Bran­den­bur­gis­chen Land­ju­gend (BBL) unter 16- und 17-Jähri­gen.

Bei dieser Testab­stim­mung unter Jugendlichen im Vor­feld der Kom­mu­nal­wahlen
im Okto­ber kam die NPD lan­desweit auf 11,9 Prozent, so die BBL auf ihrer
Inter­net­seite (www.bbl-online.com). Im Bere­ich Spree-Neiße wählten dem­nach
sog­ar 28,7 Prozent der befragten 16- und 17-Jähri­gen die NPD. Die CDU kam
hier nur auf 21,5, die PDS auf 21,4 und die SPD nur auf 7,1 Prozent.

«Wir wollen bei der Infover­anstal­tung in Döbern mit den Jugendlichen
disku­tieren, wie sie diese Prob­leme in ihrer Stadt erleben, und auch über
mögliche Gegen­strate­gien reden» , schreibt Sven­ja Rinks von Infori­ot in
ihrer Pressemit­teilung an die RUNDSCHAU weit­er.

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