25. April 2002 · Quelle: Inforiot / MAZ

Rassismus an Brandenburger Schulen nachgewiesen

(Infori­ot) Die Aktion-Analyse-Gruppe Neu­rup­pins hat ihr Pro­jekt — eine Ras­sis­mus-Umfrage an lokalen Schulen — erfol­gre­ich been­det. Im fol­gen­den ein Beitrag aus der Region­al­presse. Die Ergeb­nisse der repräsen­ta­tiv­en Studie wer­den in den näch­sten Tagen detailiert bei Infori­ot veröf­fentlicht — die Resul­tate sind teils erschreckend.
Eine Ausstel­lung hat die Neu­rup­pin­er Gruppe von Aktion Analyse eben­falls erstellt — ab Mon­tag ist sie für zwei Wochen im Mit­ten­drin zu sehen. 

Faule Türken, fleißige Deutsche?

“Aktion Analyse”-Studie über Ras­sis­mus an Schulen vorgestellt

NEURUPPIN (Märkische All­ge­meine) Neu­rup­pin­er Schüler haben völ­lig falsche Vorstel­lun­gen, was das Leben aus­ländis­ch­er Men­schen im Land Bran­den­burg ange­ht. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Jugen­dini­tia­tive “Aktion Analyse”, deren Ergeb­nisse gestern im “Café Hin­ter­hof” vorgestellt wurden. 

Durch­schnit­tlich schätzten die 340 befragten Schüler zum Beispiel, dass der Aus­län­der­an­teil in Bran­den­burg bei knapp 20 Prozent liegt. Tat­säch­lich sind es aber lediglich 1,9 Prozent. Auch bei der Frage nach der Summe Bargeld, die Flüchtlinge monatlich vom Sozialamt bekom­men, ver­tippten sich die Neu­rup­pin­er Schüler: Anstatt der im Schnitt geschätzten 235 Euro liegt der kor­rek­te Wert bei ger­ade 40 Euro. 

Beson­ders alarmierend fan­den die Jugendlichen von “Aktion Analyse”, dass vier Fün­f­tel aller Schüler ohne zu zögern eine Tabelle aus­füll­ten, in der sie Eigen­schaften (“Tem­pera­ment”, “Faul­heit”) Men­schen­grup­pen (Juden, Schwarzen) zuschreiben soll­ten. “Ein­er­seits hal­ten sich viele Schüler für vorurteils­frei, ander­er­seits lassen sie sich dur­chaus auf ras­sis­tis­che Denkmuster ein”, erk­lärte Katha­ri­na Kaesche gestern vor 40 Zuhör­ern. Den Frage­bo­gen zufolge gebe es zudem an allen Schulen, die die “Aktion Analyse” besuchte, Prob­leme mit recht­sradikalen Jugendlichen. “Die Palette reicht von Äußerun­gen im Unter­richt bis hin zu Pöbeleien und Schlägereien.” An ein­er Schule — welche, mochte Kaesche nicht sagen — ran­nte ein koso­varisches Mäd­chen während der Umfrage weinend aus dem Klassen­z­im­mer, weil es rüde von ihren Mitschülern beschimpft wurde. “Die Lehrerin griff nicht ein”, kri­tisierte Kaesche. 

Die “Aktion Analyse” find­et übri­gens in gut einem Dutzend Städten im Land Bran­den­burg statt und wurde von “Aktion Notein­gang” ini­ti­iert. Seit Herb­st ver­gan­genen Jahres lösen lan­desweit Jugend­grup­pen selb­st gestellte Auf­gaben. In Anger­münde (Uck­er­mark) wurde etwa ein Konz­ert gegen Ras­sis­mus mit der HipHop-Band “Broth­ers Keep­ers” organ­isiert; in Eisen­hüt­ten­stadt wird derzeit eine Broschüre über die Neon­azi-Szene der Stadt erstellt. 

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