2. Oktober 2002 · Quelle: Nordkurier (28.9.)

Rassismusvorwurf gegen Busunternehmen

Kinder mit “feinen
Anten­nen” ver­muten aus­län­der­feindlichen Akt

Bus­fahrer und Asyl­be­wer­ber: Das haben die Schüler missver­standen

Prenzlau/Gollmitz. Ein Leser­brief der Fam­i­lie Großerüschkamp aus Gollmitz sorgte in dieser Woche für Aufre­gung bei den Pren­zlauer Bus­fahrern. In dem Brief hat­ten die bei­den 13- und 14-jähri­gen Mäd­chen
der Fam­i­lie eine Sit­u­a­tion an der Bushal­testelle in der Straße des Friedens geschildert, die auf den ersten Blick auf einen aus­län­der­feindlichen Hin­ter­grund lassen kön­nte.

Ein Bus­fahrer hat­te die Tür für einen afrikanis­chen Asyl­be­wer­ber nicht mehr geöffnet mit der Begrün­dung, der Bus sei zu voll. Einige Schüler hat­ten schon für den behin­derten Mann Platz gemacht und den Bus­fahrer
darauf hingewiesen, dass der Mann noch mit­fahren wolle. Doch der Bus sei ein­fach weit­erge­fahren, obwohl der Mann an die Tür klopfte.

Zu Hause erregten sich die Kinder immer noch über den Vor­fall, so dass die Mut­ter zum einen die Verkehrs­be­triebe informierte und zum anderen die Kinder bestärk­te, Zivil­courage zu beweisen und die Sache öffentlich zu
machen.

Hartwig Winands, Geschäfts­führer der Uck­er­märkischen Verkehrs­be­triebe, nahm dies sofort zum Anlass, mit den Bus­fahrern Aussprachen zu führen. “Der Bus nach Gollmitz war voll, und hin­ter diesem stand bere­its ein
Stadt­bus, der eine Minute später zur Grabowschule hochfuhr. Dieser Bus hat dann den behin­derten Asyl­be­wer­ber mitgenom­men”, ergaben Winands Recherchen.

Sozialar­beit­er Eber­hard Mun­zel vom Asyl­be­wer­ber­heim ver­sicherte gegenüber Uck­er­mark Kuri­er, dass sich der Mann aus Eritrea nicht beschw­ert habe, er habe den Ver­weis auf den näch­sten Bus als völ­lig nor­mal emp­fun­den. Zumal es wegen ähn­lich gelagert­er Vor­fälle vor län­ger­er Zeit bere­its ein­mal eine klärende Aussprache bei den Verkehrs­be­trieben gegeben habe und der Afrikan­er sei­ther immer
zuvork­om­mend behan­delt wor­den sei. Sie hät­ten dem Bus­fahrer nicht grund­los Schwierigkeit­en bere­it­en wollen, meinte die Mut­ter der Gollmitzer Kinder, Brit­ta Großerüschkamp. Schließlich komme dieser auch bei ihren Kindern anson­sten ganz cool und lustig rüber. Es sei im Umgang mit Kindern allerd­ings ange­bracht, sich genau zu über­legen, was
man wie sage, damit nicht ein falsches Bild entste­he.

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