9. Mai 2004 · Quelle: ProzessbeobachterInnen / MAZ

Rassistische Brandstifter vor Gericht

(Prozess­beobach­terIn­nen, 7.5.) Derzeit find­et im Neu­rup­pin­er Landgericht ein Prozess zum Bran­dan­schlag auf einen Pritzwalk­er Asia-Imbiss, sowie einen Dön­er-Imbiss statt. 

André K., Thomas W., Chris­tiane B. und Ron­ny L. sind angeklagt wegen gemein­schaftlich­er Bege­hung von ver­suchtem Mord und Brand­s­tiftung in zwei Fällen, sowie die ver­suchte schwere Brand­s­tiftung wird ihnen vorgeworfen. 

In der Nacht vom 06.11.2003 zum 07.11.2003 wurde in ein­er Woh­nung in Pritzwalk gefeiert, auch die vier Angeklagten waren an diesem Abend bei der Par­ty zur Gast. Und tranken mit von dem vor­räti­gen Bier, Korn und Sauren-Apfel. Immer wieder fuhr man zur Tanke, um etwas Nach­schub zu holen und dann fuhren Sie noch ein­mal los. Ließen sich vom Woh­nungsin­hab­er eine 5 Liter Flasche für Ben­zin hin­unter wer­fen und begaben sich mit dem Auto zur Tankstelle. Dort ließen sie den Kanis­ter vol­laufen, bezahlten und fuhren zum Asia- Imbiss. Das Ben­zin wurde als Brennbeschle­u­niger an den Imbiss geschüt­tet und dann angezün­det. Etwas Ben­zin war wohl noch übrig und man beschloss zum Dön­er-Imbiss im Ort zufahren. Ohne Licht, mit laufen­d­em Motor und offe­nen Wagen­türen wurde auch hier Ben­zin ver­gossen und angezündet.
Wieder in der Woh­nung haben die Täter den Kanis­ter ver­nicht­en lassen und ihre tat­en gefeiert. Immer wieder wur­den die Parolen „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“ gerufen . 

Allerd­ings nicht alle wollen das gewe­sen sein und auch die recht­sradikale Musik, die zwis­chen zeitlich gespielt wurde fand nicht bei jedem Anklang. Einige der Zeu­gen am heuti­gen zweit­en Prozesstag beton­ten, es wäre dumm gewe­sen die Parolen mit zu rufen. Andere sagten sog­ar aus, sie hät­ten Angst vor der recht­sradikalen Szene in Pritzwalk und Umge­bung, darum haben sie lieber mit und am Anfang auch keine voll­ständi­gen Aus­sagen (bei der Polizei) gemacht. 

Der Schaden des Imbiss­be­sitzers kam heute noch nicht zur Sprache und auch die Aus­maße, der Bedro­hung der recht­en Szene in Pritzwalk wur­den noch nicht geklärt.
Drei Ver­hand­lungstage sind noch ange­set­zt, der näch­ste Prozesstag find­et am 12.Mai 2004 um 9.00 Uhr im Neu­rup­pin­er Landgericht statt. 

Hätte nie gedacht, dass sie so was tun könnte”

Erste Zeu­gen im Prozess um den Asia-Imbiss wur­den am Fre­itag gehört

(MAZ, 8.5., Beate Kopf) NEURUPPIN/PRITZWALK Mehrere Zeu­gen wur­den gestern im Prozess um die schwere
Brand­s­tiftung am Asia-Imbiss in Pritzwalk gehört. Sie hat­ten mit den vier
Angeklagten am Tatabend in der Woh­nung eines der Zeu­gen gefeiert. Der Brand,
bei dem 25 000 Euro Schaden ent­standen waren, wird ein­er 17-jährigen
Pritzwalk­erin, einem 26-Jähri­gen aus Schön­hausen, einem 25-jähri­gen Glöwener
und einem 20-jähri­gen Saden­beck­er angelastet. 

Der Woh­nungsin­hab­er und die bei­den Kumpels erin­nerten sich zuerst nur
lück­en­haft an Einzel­heit­en. Erst als ihnen Rich­terin Ria Becher,
Staat­san­walt Kai Clement oder ein­er der Vertei­di­ger die
Vernehmung­spro­tokolle vorhiel­ten, gab es Details. Gegen zwei der Zeu­gen wird
sep­a­rat ermit­telt — wegen Strafvereitelung. 

Etwa zehn Per­so­n­en, die größ­ten­teils der recht­en Szene ange­hörten, hatten
sich am Abend des 6. Novem­ber 2003 in der Ein-Raum-Woh­nung getrof­fen. Sie
hat­ten laut Zeu­ge­naus­sagen recht­sradikale Musik gehört, Böhse Onkelz zum
Beispiel, und viel Alko­hol getrunken. 

Den­noch erin­nerte sich ein 25-Jähriger, dass die vier Angeklagten gegen
Mit­ter­nacht mit einem Fünf-Liter-Kanis­ter für Saft zur Tankstelle gefahren
seien. Wozu, wusste er damals nicht. “Nach ein­er Dreivier­tel­stunde kamen sie
wieder, waren laut, haben mit Bier angestoßen und erzählt, dass da was
bren­nt”, berichtete er. Alle hät­ten dann “Sieg Heil” gerufen. 

“Ich habe auch noch etwas von Scheiß Kanaken gehört”, meinte der
25-Jährige. Wer genau die Parolen gerufen habe, wisse er nicht: “Ich habe
Angst”, gab er zu. Bedro­ht habe ihn aber kein­er der Angeklagten. 

Der 20-jährige Gast­ge­ber bestätigte die Aus­sagen. Er habe dann geholfen, die
nach Ben­zin riechende Saft­flasche zu beseit­i­gen, indem er sie zerschnitt.
Ein Drit­ter habe sie wegge­wor­fen. Dieser wurde auch als Zeuge gehört. Als
die vier Angeklagten von ihrem “Aus­flug” wiedergekom­men waren und berichtet
hät­ten, dass sie den Asia- und den Dön­er-Imbiss angesteckt hät­ten, “da war
das für mich ein Schock”, so der junge Mann. Beson­ders von der 17-Jährigen
“hätte er nie gedacht, dass sie so etwas tun kön­nte. Sie war immer so nett.” 

Gehört wurde am Fre­itag auch der Tankwart, der in der Nacht zum 7. November
an der Tankstelle Dienst hat­te. Er hat­te sich die Auton­um­mer notiert, wohl
auch deshalb, weil die Gruppe Ben­zin in einen Saftkanis­ter füllte. Auch den
Kassen­zettel hat­te der Mann dabei: 0,97 Liter hat­ten die jun­gen Leute
dem­nach gezapft. 

Die Ver­hand­lung wird am Mittwoch fortgesetzt.

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