28. August 2002 · Quelle: Opferperspektive

Rassistischer Angriff auf Palästinenser vor Gericht

Am Mon­tag, den 2. Sep­tem­ber 2002, find­et um 11.00 Uhr im Saal 015 am Landgericht Pots­dam, Friedrich-Ebert-Str. 32 die Beru­fungsver­hand­lung gegen
Ron­ny B. statt.

Zur Ver­hand­lung kommt ein ras­sis­tis­ch­er Angriff am 16. Feb­ru­ar diesen
Jahres. Der 30-jährige Palästi­nenser Ziad A. hat­te Bekan­nte in Waßmannsdorf
besucht und war mor­gens zum Joggen gegan­gen. Auf einem Feld­weg traf er auf
eine Gruppe von vier jun­gen Män­nern. Ein­er sprach ihn an, ob er Ausländer
sei, was er, nichts Bös­es ahnend, bejahte. Ein­er rief: “Lasst uns den
Aus­län­der aufk­latschen”, dann stürzten sich die vier auf ihn, schlu­gen ihn
und trat­en auf ihn ein, als er am Boden lag. Ein­er der vier, ein etwa 1,90 m
großer Hüne, set­zte sich auf Ziad A.s Brustko­rb und ver­suchte, einen Hammer
aus dem Halfter zu ziehen, um Ziad A. den Schädel einzuschla­gen. Ziad A.
kon­nte das ver­hin­dern, stand auf, wollte fliehen, doch die Ver­fol­ger holten
ihn wieder ein, schlu­gen und trat­en ihn. Schließlich fand ihn ein Wachmann
des benach­barten Asylbewerberheims. 

Ziad A. lag zwei Wochen mit ein­er Schädel­prel­lung und einem Nieren­riss im
Kranken­haus. Noch Monate später klagte er über Schmerzen in den Nieren und
Augen. Seit dem Über­fall lei­det er unter Depres­sio­nen, die
psy­chother­a­peutisch behan­delt wer­den müssen. 

Am 4. Mai verurteilte das Amts­gericht Königs Wuster­hausen drei der Täter
wegen gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung zu Haft- und Bewährungsstrafen. Der
20-jährige Ron­ny B. aus Wildau erhielt eine Haft­strafe von zwei Jahren und
zwei Monat­en. Gegen das Urteil legte er Beru­fung ein, die nun zur
Ver­hand­lung kommt. 

Kay Wen­del vom Vere­in Opfer­per­spek­tive merkt dazu an: “Ich hoffe, dass sich
das Landgericht nicht von Ron­ny B.s Selb­st­mitleid, das er schon vor dem
Amts­gericht zur Schau stellte, beein­druck­en lässt. Mitleid mit dem Opfer
hat­te er nicht gezeigt, wed­er während der Tat noch sei­ther. Rassistischen
Schlägern, denen der Anblick eines Aus­län­ders und ein kurz­er Zuruf genügt,
einen Men­schen fast tot zu schla­gen, haben kein Ver­ständ­nis verdient.
Wichtig für das Opfer ist nicht unbe­d­ingt eine hohe Haft­strafe für den
Täter, aber eine unzwei­deutige Hal­tung gegen den Ras­sis­mus des Tatmotivs.” 

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