14. März 2003 · Quelle: MAZ

Rassistischer Schläger muss für ein Jahr hinter Gitter

ORANIENBURG/HENNIGSDORF Die Tat ist unge­heuer­lich: Ein 39-jähriger Hen­nigs­dor­fer provoziert mit einem 20-jähri­gen Schwarzafrikan­er auf der Berlin­er Straße in Hen­nigs­dorf einen Stre­it. Er pöbelt den Far­bigen auf übel­ste Art und Weise an. Ein Streifen­polizist geht dazwis­chen. Der angetrunk­ene Hen­nigs­dor­fer lässt jedoch nicht lock­er. Er lauert dem Asyl­be­wer­ber auf. Als der stark gehbe­hin­derte Far­bige vom Einkaufen zurück­kommt, brüllt der Angreifer “Scheiß­neger” und schlägt seinem Opfer bru­tal ins Gesicht.

 

Wegen Kör­per­ver­let­zung und Belei­di­gung hat das Oranien­burg­er Amts­gericht Michael Wern­er G. gestern zu ein­er Frei­heitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Der arbeit­slose Angeklagte ist vorbe­straft. Er muss die Strafe absitzen.

 

“Die Tat zeugt von ein­er ganz erbärm­lichen Gesin­nung”, sagt der Staat­san­walt. Und er liest dem Angeklagten weit­er die Leviten: “Sie haben sich den Schwäch­sten raus­ge­sucht, einen Schwarzafrikan­er und einen Behin­derten. Zutief­st ver­acht­enswert.” 15 Monate Frei­heitsstrafe fordert er.

 

Der Neben­kläger geht noch einen Schritt weit­er: Er spricht von ein­er klar “ras­sis­tisch motivierten Straftat”. Härte fordern bei­de von Rich­terin Chris­tine Weiß.

 

Der Angeklagte, der einen lan­gen Zopf trägt, ist weit­ge­hend geständig. Zum Schluss stam­melt er sog­ar eine Entschuldigung. Seit neun Jahren ist er arbeit­s­los und polizeilich bekan­nt. Wegen Förderung der Pros­ti­tu­tion und eines Betäubungsmit­telde­lik­ts saß er bere­its 15 Monate im Knast.

 

Am 21. Juni rastete er im ver­gan­genen Jahr dann in Hen­nigs­dorf wieder aus. Michael Wern­er G. hat­te den ganzen Tag getrunk­en. Zur Tatzeit hat­te er min­destens 2,37 Promille intus. Er ist mit dem Rad auf dem Weg nach Hause. In der Berlin­er Straße steuert er auf sein Opfer mit dem Rad direkt zu. Er zeigt ihm den Stinkefin­ger und pöbelt ihn grund­los an. Ein Revier­polizist geht dazwis­chen, ver­sucht zu schlicht­en.

 

Das Opfer, Ibrahim Y., lebt seit vier Jahren im Hen­nigs­dor­fer Asyl­be­wer­ber­heim. Der 20-Jährige kommt aus Sier­ra Leone. Nach dem Stre­it auf der Straße kauft er in dem Pen­ny-Markt an der Berlin­er Straße ein. Michael Wern­er G. über­brückt die Zeit in einem benach­barten Bier­garten. Als Ibrahim Y. aus dem Super­markt kommt, stürmt der Angreifer erneut auf ihn zu. Die Sit­u­a­tion eskaliert. Michael Wern­er G. ver­passt ihm zwei Schläge ins Gesicht. Die Polizei kann den Täter noch am sel­ben Abend schnap­pen.

 

“Es gab viele Pas­san­ten, kein­er küm­merte sich”, sagt das Opfer wort­ge­wandt vor Gericht aus. “Wenn ich Deutsch­er gewe­sen wäre, hätte er mich nicht ange­grif­f­en”, ist Ibrahim Y. überzeugt. Und ein wenig ver­söhn­lich: “Es gibt in Hen­nigs­dorf viele nette Leute, nur wenige sind aggres­siv und ver­bale Aggres­sio­nen halte ich auch aus.”

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