12. Februar 2002 · Quelle: Opferperspektive

Rathenower Polizistenprozess am Amtsgericht Potsdam

Rathenow­er Polizis­ten­prozess am Amts­gericht Pots­dam
Ver­fahren wegen “übler Nachrede” gegen Mitar­beit­er der Opfer­per­spek­tive Vor dem Amts­gericht Pots­dam, Hege­lallee 8, find­et am Dien­stag, den 19. Feb­ru­ar 2002, um 9 Uhr im Saal 304.1 und am Don­ner­stag, den 21. Feb­ru­ar 2002 um 9 Uhr im Saal 201 ein Ver­fahren gegen einen Mitar­beit­er des Vere­ins Opfer­per­spek­tive statt.

 

Vorge­wor­fen wird dem Vere­in eine Pressemit­teilung vom August 2000. Darin war von einem Angriff auf den britisch-chi­ne­sis­chen Foto­jour­nal­is­ten Justin Jin in Rathenow berichtet wor­den — und von einem Fehlver­hal­ten der Polizei. Die Polizistin­nen hat­ten näm­lich, anstatt den Angreifer festzunehmen, das Opfer, Justin Jin, gegen seinen Willen mitgenom­men und seine drei afrikanis­chen Begleit­er mit ein­er Ansamm­lung pöbel­nder Ras­sis­ten zurück­ge­lassen.

 

Doch anstatt aufzuk­lären, wie es zu dieser Sit­u­a­tion kom­men kon­nte, reagierte das Polizeiprä­sid­i­um und das Innen­min­is­teri­um mit einem Gege­nan­griff. Sie stell­ten sich vor die bei­den Polizistin­nen, die ent­ge­gen der Darstel­lung der Opfer behaupteten, keine Gewalt ange­wandt zu haben, und bezichtigten einen der afrikanis­chen Augen­zeu­gen der Ver­leum­dung und den Vere­in Opfer­per­spek­tive der üblen Nachrede. Damit sollte offen­bar ein Sig­nal geset­zt wer­den, zukün­ftig jede Kri­tik an polizeilichem Fehlver­hal­ten zu unter­lassen. Offen­sichtlich soll sich hier der Jus­tiz bedi­ent wer­den, um die Seriosität des Vere­ins Opfer­per­spek­tive in Frage zu stellen.

 

Obwohl alle Opferzeu­gen den Wahrheits­ge­halt der Pressemit­teilung bestäti­gen, wurde über anderthalb Jahre ein gewaltiger Ermit­tlungsaufwand getrieben. Für zwei Ver­hand­lungstage sind elf Zeu­gen geladen. Es ist zu hof­fen, dass sich dieser Prozess in eine Gele­gen­heit wen­det, das polizeiliche Fehlver­hal­ten aufzuk­lären.

 

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zum Prozess:

Andreas Sch., Mit­glied der recht­sex­tremen Gruppe “Havel­län­der Jungs”, in action

 

Die umstrit­tene Pressemit­teilung:

Britis­ch­er Jour­nal­ist in Rathenow von Skin­head ange­grif­f­en und von Polizei mis­shan­delt

 

Die zweite Pressemit­teilung:

“Opfer­per­spek­tive” weist den Vor­wurf der Ver­leum­dung zurück

Anzeige gegen Augen­zeu­gen des polizeilichen Fehlver­hal­tens ver­heerend für Anzeigen­ver­hal­ten von Opfern

 

“Wie ver­hält sich die Polizei nach Über­grif­f­en in Rathenow?”

Junge Welt, 06.09.2000

 

Justin Jins Bran­den­burg-Tage­buch auf deutsch:

Spiegel-Reporter, 30.01.01

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