19. Januar 2005 · Quelle: Welt / PNN

Razzia gegen rechte Kameradschaft in Berlin

Zu ein­er Razz­ia gegen die recht­sex­trem­istis­che Szene sind gestern mor­gen Beamte des polizeilichen Staatss­chutzes des Lan­deskrim­i­nalamtes aus­gerückt. Im Visi­er war die Kam­er­ad­schaft (KS) Tor. Zehn Objek­te in den Berlin­er Bezirken Licht­en­berg, Mitte und Hellers­dorf sowie im bran­den­bur­gis­chen Schwedt wur­den durch­sucht. Die Polizei hat umfan­gre­ich­es Beweis­ma­te­r­i­al sichergestellt, das sie nun auswertet. 

Das Vorge­hen ist Teil eines laufend­en Ermit­tlungsver­fahren, wie der Sprech­er der Berlin­er Staat­san­waltschaft, Michael Grun­wald, erläutert. Sieben Mit­glieder der Kam­er­ad­schaft ste­hen im Ver­dacht der Volksverhetzung. 

Aus­gangspunkt war ein Vor­fall vom 25. Sep­tem­ber 2004. An dem Tag hat­te die Polizei Anhänger der Kam­er­ad­schaft gestellt, die vier Trans­par­ente mit sich führten. “Diese woll­ten sie auf ein­er später ver­bote­nen NPD-Demon­stra­tion zeigen”, sagte Grun­wald. Die Texte der Ban­ner forderten, daß die “Reichshaupt­stadt Berlin deutsch” bleiben und “Fremd­kul­turen ent­ge­genge­treten” wer­den müsse. Neben dem let­zt­ge­nan­nten Spruch war ein Mann aufge­malt, der einen Fußtritt gegen den David­stern, das islamis­che Sym­bol Halb­mond und Stern sowie das US-Dol­larze­ichen ausführt. 

Die KS Tor beste­ht seit Som­mer 2000. Sie soll enge Kon­tak­te zur Kam­er­ad­schaftsszene in Berlin und Bran­den­burg haben und wid­met sich dem “Nationalen Wider­stand” in Form des Kampfes auf der Straße. tal 

Razz­ia gegen Neonazis

Berlin/Schwedt – Die Berlin­er Polizei hat gestern in Berlin und Bran­den­burg eine Razz­ia gegen Neon­azis durchge­führt. Zeit­gle­ich durch­sucht­en gestern früh Beamte der Staatss­chutz­abteilung des Lan­deskrim­i­nalamtes Berlin Woh­nun­gen von acht Aktivis­ten der recht­sex­trem­istis­chen “Kam­er­ad­schaft Tor” in Berlin und in Schwedt. Die Berlin­er Gen­er­al­staat­san­waltschaft ermit­telt seit Monat­en gegen die vier Frauen und vier Män­ner wegen Volksver­het­zung. Sie waren am 25. Sep­tem­ber let­zten Jahres festgenom­men wor­den, als sie zur NPD-Demon­stra­tion in Wed­ding anreisen woll­ten. Die Demon­stra­tion war in let­zter Minute ver­boten worden. 

Polizis­ten waren auf die vier Trans­par­ente der Neon­azis aufmerk­sam gewor­den und hat­te diese kon­trol­liert, da die Demon­stra­tion durch einen Stadt­bezirk führen sollte, der vor allem von Moslems bewohnt wird. Unter der Parole “Fremd­kul­turen ent­ge­gen­treten” war eine Fig­ur aufgeze­ich­net, die gegen einen David­stern, einen Halb­mond und ein US-Dol­lar-Zeichen tritt. Auf einem weit­eren Trans­par­ent stand “Die let­zte Schlacht gewin­nen wir” – eine Assozi­a­tion zu einem Führerbe­fehl Hitlers. Ein anderes Plakat verkün­dete “Reichshaupt­stadt Berlin bleibt deutsch”. Die Trans­par­ente waren im Sep­tem­ber beschlagnahmt wor­den, jet­zt kam es zur Durch­suchung, “um ein­mal richtig in die Struk­tur der Szene hineinzuguck­en”, wie es bei der Polizei hieß. “Das ist gelun­gen”, sagte ein Staat­san­walt. Erst durch die Polizeiak­tion wur­den bei zwei der Beschuldigten die aktuellen Adressen ermit­telt, deshalb kon­nten ins­ge­samt zehn Woh­nun­gen in Licht­en­berg, Mitte und Hellers­dorf sowie im bran­den­bur­gis­chen Schwedt durch­sucht wer­den. Darunter die der bekan­nten Recht­sex­trem­is­ten Björn W. und Jörg H. In Schwedt durch­sucht­en die Beamten das Eltern­haus ein­er der Frauen, so der Sprech­er der Berlin­er Staat­san­waltschaft, Michael Grun­wald gegenüber den PNN. Diese wohne nicht mehr bei den Eltern, doch ihr Com­put­er und andere Dinge seien noch dort gewe­sen. Sichergestellt wor­den seien auch Aufk­le­ber. An der Aktion in Schwedt waren auch zwei Beamte des LKA-Bran­den­burg beteiligt. 

Beschlagnahmt wur­den Far­ben und Zeichen­vor­la­gen, mit denen die Trans­par­ente gefer­tigt wur­den. “Wir haben gefun­den, wonach wir gesucht haben”, sagte ein Staat­san­walt. Zudem wur­den Com­put­er sichergestellt. Zügig solle jet­zt der Prozess gegen die acht jun­gen Recht­sex­trem­is­ten wegen Volksver­het­zung begin­nen. Die Kam­er­ad­schaft Tor ist in Berlin neben der “Baso” (Berlin­er Alter­na­tive Südost) eine der aktivsten Neon­azi­grup­pen. Die Licht­en­berg­er Gruppe hat­te sich im Som­mer 2000 nach dem Frank­furter Tor benan­nt. Als ein Schw­er­punkt der Organ­i­sa­tion gilt der “Nationale Wider­stand”. Hier­bei ste­hen im “Kampf auf der Straße” die Teil­nahme an Demon­stra­tio­nen und das Auss­pi­onieren der Gegen­seite im Vorder­grund. Seit Som­mer 2004 ist eine “Mädel­gruppe Tor” als zweit­er Organ­i­sa­tion­szweig aktenkundig.

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