10. März 2004 · Quelle: die tageszeitung

Rechte drohen Opfer-Helfern

Pots­damer Neon­azis der “Anti-Antifa” haben eine Mitar­bei­t­erin von “Opfer­per­spek­tive e.V.” auf eine “Feindliste” im Inter­net geset­zt. Von der kaum ver­brämten Dro­hung will sich der Pots­damer Vere­in jedoch nicht ein­schüchtern lassen

Nor­maler­weise informiert der Vere­in “Opfer­per­spek­tive” über rechte Gewalt und hil­ft den Betrof­fe­nen, die Fol­gen von Angrif­f­en zu über­winden. Fün­fzehn Fälle reg­istri­erte das Team 2003 in Pots­dam. Jet­zt ste­ht es selb­st im Visi­er von Neon­azis: Unter dem Stich­wort “Anti-Antifa Pots­dam” veröf­fentlichen stadt­bekan­nte Recht­sex­trem­is­ten seit Beginn des Jahres eine “Feindliste” im Inter­net. Neben alter­na­tiv­en Pro­jek­ten find­et sich hier in einem alpha­betis­ch­er Per­so­n­enin­dex auch eine Mitar­bei­t­erin von “Opfer­per­spek­tive”.

Geplant sei ver­mut­lich auch die Veröf­fentlichung von Fotos von Beamten der Polizei-Son­dere­in­heit “Poli­tisch motivierte Straßenge­walt” und eines Tagesspiegel-Jour­nal­is­ten, warnte das Antifaschis­tis­che Infoblatt (AIB). Besuch­er der Anti-Antifa-Web­site wer­den mit einem sprach­lich dürfti­gen, aber ein­deuti­gen Text begrüßt: Als “unab­hängige Kam­er­aden” habe man es “sich zur Auf­gabe gemacht, region­al ent­ge­gen der antifa zu arbeit­en …” Gesam­melt wür­den “Fotos, Arbeitsstellen, pri­vate Gewohn­heit­en, Auto­kennze­ichen” von poli­tis­chen Geg­n­ern. In ein­er bemüht­en Dis­tanzierung von offe­nen Gewal­taufrufen heißt es, die gesam­melten Dat­en soll­ten “natür­lich nicht denun­zieren, son­dern sind lediglich zur Gefahren­ab­wehr von linken und anar­chis­tis­chen Gewalt­tat­en”.

Der Vere­in “Opfer­per­spek­tive” hat inzwis­chen Strafanzeige wegen Ver­let­zung des Kun­sturhe­ber­rechts gegen die Betreiber der Web­site gestellt. Ein­schüchtern lassen will man sich nicht. Schließlich seien nichtrechte Jugendliche in Pots­dam “jeden Tag der Gefahr aus­ge­set­zt, von Neon­azis ange­grif­f­en zu wer­den”, so eine Mitar­bei­t­erin. Solche Angriffe wür­den von Kom­mu­nalpoli­tik­ern und Sicher­heits­be­hör­den nach wie vor ver­harm­lost. Wie im Fall eines 17-jähri­gen Auszu­bilden­den, der im März 2003 nachts am Bahn­hof Rehbrücke von ein­er Gruppe Neon­azis ange­grif­f­en wurde: “Zecke, ver­piss dich” und “So fühlt es sich an, wenn man unter­legen ist”, riefen die Angreifer, während sie mit einem Teleskop­schlag­stock auf Beine und Kopf des Jugendlichen ein­schlu­gen. Anschließend war­fen sie ihn auf die Bah­n­gleise.

Die “Opfer­per­spek­tive” unter­stützte den Betrof­fe­nen und begleit­ete den Prozess gegen die Angreifer. Das Antifaschis­tis­che Infoblatt ver­mutet, der Vere­in sei auch deshalb zur Zielscheibe für die “Anti-Antifa” gewor­den. Diese habe in Pots­dam gute Kon­tak­te zu den Struk­turen der ver­bote­nen Neon­azior­gan­i­sa­tion “Blood & Hon­our” sowie zu den Angreifern von Rehbrücke.

Bei den Sicher­heits­be­hör­den gibt man sich der­weil zugeknöpft: Man beobachte die Aktiv­itäten der Anti-Antifa Pots­dam, könne aber noch keine abschließende Bew­er­tung abgeben, sagt Wolf­gang Brandt, stel­lvertre­tender Press­esprech­er von Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm (CDU). Allerd­ings wür­den die Behör­den bei “Gefahr für Leib und Leben” sofort aktiv.”

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