21. Februar 2007 · Quelle: Opferperspektive

Rechte Gewalt in Brandenburg: Rückgang, aber keine Entwarnung

125 rechtsmo­tivierte Angriffe hat der Vere­in Opfer­per­spek­tive, in
Koop­er­a­tion mit lokalen Ini­tia­tiv­en, für das Jahr 2006 in Bran­den­burg
gezählt.

Die erfassten Straftat­en richteten sich nach Ken­nt­nis der
Beratungsstelle gegen min­destens 165 Per­so­n­en. Weit­ere 71 Per­so­n­en waren
indi­rekt betrof­fen, da sie die Geschädigten während der Straftat­en
begleit­et hat­ten. Knapp 90 Prozent der erfassten Straftat­en waren
Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te. Daneben erfasst die Sta­tis­tik der
Opfer­per­spek­tive für 2006 auch 5 Sachbeschädi­gun­gen und eine
Brand­s­tiftung.

Im Ver­gle­ich zum Jahr 2005, in dem 140 Fälle reg­istri­ert wor­den waren,
deutet sich in Bran­den­burg ein leichter Rück­gang der Zahl
rechtsmo­tiviert­er Gewalt­tat­en an; allerd­ings ist noch mit Nach­mel­dun­gen
zu rech­nen. Zwis­chen 2002 und 2006 hat sich die Zahl der jährlich
erfassten Gewalt­tat­en zwis­chen 117 (2003) und 140 (2005) auf einem hohen
Niveau bewegt, ohne dass ein klar­er Trend erkennbar wäre. Daher lässt
der erfreuliche Rück­gang der Zahlen in 2006 im Ver­gle­ich zum Vor­jahr
nicht auf eine grund­sät­zliche Entspan­nung der Sit­u­a­tion schließen.

Ein Trend, der sich schon 2005 abgeze­ich­net hat­te, scheint sich
fort­ge­set­zt zu haben: Ein­er­seits kann von einem leicht­en Rück­gang
ras­sis­tisch motiviert­er Straftat­en gesprochen wer­den, gle­ichzeit­ig nimmt
die Gewalt gegen nicht-rechte Jugendliche und Ander­s­denk­ende zu. In 43
der 125 Fälle war Ras­sis­mus der Grund für die Angriffe. In 41 Fällen
richtete sich die Gewalt gegen Per­so­n­en, die von den Angreifern
ver­mut­lich einem alter­na­tiv­en Milieu zuge­ord­net wur­den. Bei 24 Fällen
geht die Opfer­per­spek­tive davon aus, dass die Opfer als poli­tis­che
Geg­n­er eingestuft wur­den.

Die erfassten Gewalt­tat­en verteilen sich in Bran­den­burg unter­schiedlich.
Bei den Städten bilden Pots­dam mit 14 Fällen und Frank­furt (Oder) mit 12
Fällen die trau­ri­gen Spitzen­werte. Bei den Land­kreisen sind
Dahme-Spree­wald mit 14 Fällen und Tel­tow-Fläming mit 10 Fällen
her­vorzuheben. Ten­den­ziell scheinen sich ins­ge­samt mehr rechte
Gewalt­tat­en im südlichen Bran­den­burg zu ereignen.

Die Mitar­beit­er und Mitar­bei­t­erin­nen der Opfer­per­spek­tive haben im
ver­gan­genen Jahr mehr als 250 Men­schen unter­stützt. In den meis­ten
Fällen han­delte es sich um direkt von rechtsmo­tivierten Gewalt­tat­en
Betrof­fene. Teil­weise umfan­gre­iche Beratun­gen fan­den jedoch auch statt
mit Zeu­gen sowie Ange­höri­gen und Fre­un­den von Geschädigten.

Chronolo­gie

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