7. September 2004 · Quelle: ND

Rechte überfielen Besucher von linkem Festival

Angriff mit Knüp­peln / 700 Besuch­er kamen zu »Le monde est à nous« in Königs Wuster­hausen

(Hannes Heine, Neues Deutsch­land, 6.9.04) Auch der Über­fall durch mehrere Neon­azis kon­nte nicht mehr ver­hin­dern,
dass »Le monde est à nous« (franzö­sisch für »Die Welt gehört uns«) in Königs Wuster­hausen wieder ein Erfolg war. Die Ini­tia­toren der Ver­anstal­tung waren am Sonnabend mit den über 700 Besuch­ern zufrieden. Der nächtliche Polizeiein­satz zeige aber, wie aktuell die Bedro­hung durch Faschis­ten sei.

Recht­sradikale hat­ten in den frühen Mor­gen­stun­den mehrere Besuch­er des antifaschis­tis­chen Fes­ti­vals auf dem Heimweg mit Autos ver­fol­gt und mit Knüp­peln ange­grif­f­en. Die Ver­anstal­ter riefen schnell die Polizei und kon­nten so Schlim­meres ver­hin­dern. Wie in den ver­gan­genen Jahren hat­te
ein lokales Bünd­nis zu Musik, Sport und Infos­tän­den auf die örtliche Fes­t­wiese geladen.

Organ­isiert wurde die Ver­anstal­tung vor allem durch die
antifaschis­tis­che Jugend­gruppe »Redac­tion« und den Vere­in Splirtz, die wie in den let­zten Jahren durch die städtis­che PDS unter­stützt wur­den. Waren gegen Mit­tag die Tis­che der Work­shops noch weit­ge­hend leer, so füllte sich das Are­al dann in den Abend­stun­den schnell. Diverse Bands wussten das junge Pub­likum bis in die Nacht zu begeis­tern.

Das Fest kann im Dah­me­land schon auf eine gewisse Tra­di­tion
zurück­greifen. Linke Jugendliche ver­sucht­en erst­mals im Sep­tem­ber 2000 mit einem umfan­gre­ichen Kul­tur­ange­bot den zahlre­ichen Recht­sradikalen in der ehe­ma­li­gen Kreis­stadt etwas ent­ge­gen­zuset­zen. Seit­dem avancierte das Fest zum Poli­tikum.

Die PDS, sie stellt inzwis­chen mit Ste­fan Lud­wig den Bürg­er­meis­ter der Stadt, fürchtete wegen der Beteili­gung ver­meintlich linksradikaler Grup­pen offen­bar neg­a­tive Schlagzeilen, und war zeitweilig kurz davor, das Bünd­nis zu ver­lassen. Vor drei Jahren grif­f­en dann Neon­azis am
Vor­abend der Ver­anstal­tung die auf der Bühne schlafend­en Organ­isatoren mit Molo­tow­cock­tails an. Bis heute kon­nten die Täter trotz zahlre­ich­er Spuren nicht ermit­telt wer­den.

Tat­säch­lich ist die Konzen­tra­tion neon­azis­tis­ch­er Aktiv­itäten im Land­kreis Dahme-Spree­wald auf­fäl­lig. Der Kreisver­band der NPD wuchs nach sein­er Grün­dung im Jahr 2000 schnell.

Neon­azis klei­den sich längst nicht mehr nur als Skin­heads, wie eine Infover­anstal­tung im Rah­men des Festes am Fre­itagabend im Stadtju­gen­dring klar­ma­chte. Beliebt seien Pullover der Marke »Thor Steinar«. Paten­tiert wurde der Marken­name von Axel Kopelke, der in Königs Wuster­hausen einen Klam­ot­ten­laden betreibt und jahre­lang als
aktiv­er Rechter galt.

Auch für das näch­sten Jahr ist ein Fest »Le monde est à nous« geplant, wie »Redac­tion« erk­lärte. Antifaschis­tis­ches Engage­ment sei in Königs Wuster­hausen weit­er­hin zwin­gend erforder­lich, wie die recht­sradikalen Über­griffe vom Woch­enende gezeigt haben.

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