4. Mai 2008 · Quelle: AK Antifa Potsdam

Rechte Übergriffe mit zahlreichen Verletzten am 1. Mai in der Potsdamer Innenstadt

Pots­dam — Am Nach­mit­tag des 1. Mai kam es in der Pots­damer Innen­stadt auf der gut besucht­en
Bran­den­burg­er Straße zu einem ras­sis­tis­chen Über­griff, der seines­gle­ichen sucht.
Eine Gruppe von 30–50 jun­gen Män­nern griff den Döner­im­biss XXL2 an. Zunächst wurde
ein Werbeschild umgestoßen und die draußen sitzen­den Gäste des Bistros tätlich
ange­grif­f­en und beschimpft. So wur­den sie etwa gefragt, warum sie denn “bei Türken”
essen gehen wür­den. Als daraufhin ein Angestell­ter die Gruppe zur Rede stellen
wollte, grif­f­en die ein­heitlich gek­lei­de­ten Män­ner die Mitarbeiter_innen des Imbiss
an. Mehrere Zeu­ge­naus­sagen bestäti­gen die Schilderun­gen der Inhaber_innen, wonach
bei diesem Angriff ras­sis­tis­che Parolen wie z.B. “Aus­län­der raus” und “Deutsch­land
den Deutschen” gerufen wur­den. Erschreck­ender­weise stieß dies bei eini­gen
Passant_innen auf Zus­tim­mung.
Im weit­eren Ver­lauf des Über­griffs wur­den min­destens 4 Angestellte zum Teil schw­er
ver­let­zt und mussten im Kranken­haus behan­delt wer­den. Die Polizei traf nach
Eige­nangaben 9 Minuten, nach Aus­sage der hil­fe­suchen­den Per­son allerd­ings erst 20
Min nach dem ersten Anruf mit 2 Streifen­wa­gen, 10 Minuten später erst mit
aus­re­ichend Ein­satzkräften ein. Bis zum Ein­tr­e­f­fen der Polizei wurde der Angriff
fort­ge­set­zt.
In den ersten Ver­laut­barun­gen der Lokal­presse wur­den die Schilderun­gen der
Betrof­fe­nen dieses ras­sis­tis­chen Angriffs nicht ernst genom­men. Nach wie vor hält
sich die Auf­fas­sung, die Inhaber_innen des Imbiss hät­ten den Angriff provoziert. So
ist die Rede von ein­er “Massen­schlägerei”, die vor dem Imbiss stattge­fun­den habe.
Dieses, wie auch andere häu­fig ver­wen­dete Worte, sug­gerieren, bei­de “Seit­en” hät­ten
die Eskala­tion in gle­ichem Maße zu ver­ant­worten.
Ein Jour­nal­ist der Pots­damer Neuesten Nachricht­en ver­stieg sich gar zu der
rhetorischen Frage: “Doch wie glaub­würdig ist die Ver­sion der seit 1992 in Pots­dam
leben­den Kur­den?”. Frag­würdig ist auch die Äußerung des Ober­bürg­er­meis­ters Jann
Jakobs nicht ein­mal 24 Stun­den nach dem Über­griff, er gehe nicht von ein­er
frem­den­feindlichen Moti­va­tion aus.

Bei der geschilderten Tat han­delt es sich nicht um den einzi­gen recht­en Über­griff
dieser Tage in Pots­dam. Am gle­ichen Tag griff eine 60-köp­fige Gruppe in Pots­dam
Pirschhei­de eine Gruppe alter­na­tiv­er Jugendlich­er mit Teleskop­schlagstöck­en, sowie
mit Quarz ver­stärk­ten Hand­schuhen und abge­broch­enen Flaschen­hälsen an. Nur dem
engagierten Ein­greifen eines Anwohn­ers ist es zu ver­danken, dass sich der größte
Teil der Gruppe auf ein nahe­liegen­des Grund­stück ret­ten kon­nte und es nicht zu
weit­eren Ver­let­zun­gen kam.
In der Nacht zum ersten Mai wiederum wurde ein Kon­golese im Stadt­teil Schlaatz vor
sein­er Haustür ange­grif­f­en, ras­sis­tisch belei­digt und kör­per­lich attack­iert Auch
hier kon­nte durch das Ein­greifen eines Anwohn­ers Schlim­meres ver­hin­dert wer­den.

Am Abend des 3. Mai kam es aus Anlass dieser erschreck­enden Über­griffe und der
ver­harm­losenden Berichter­stat­tung der Lokal­presse bezüglich des Angriffs auf den
Döner­im­biss zu ein­er Demon­stra­tion von ca. 200 Antifaschist_innen in der Pots­damer
Innen­stadt. Dabei wurde auch auf der Bran­den­burg­er Straße eine Zwis­chenkundge­bung
abge­hal­ten. Die Rede­beiträge lösten Beifall bei Passant_innen und Betreiber_innen
der umliegen­den Cafes und Restau­rants aus.
Auf der Abschlusskundge­bung auf dem Platz der Ein­heit bedank­te sich ein­er der
Imbiss­be­treiber für die Unter­stützung.

Zu dem öffentlichen Umgang mit diesen Vor­fällen sagte die Press­esprecherin des
ak_antifa_potsdam: “Es ist ganz offen­sichtlich, dass Pots­dams Poli­tik­er und die
Polizei, einen Imageschaden abwen­den wollen. Das Bild des tol­er­an­ten, weltof­fe­nen
Pots­dams soll unter keinen Umstän­den beschädigt wer­den. Erschreck­ender­weise ste­ht
die Presse dieser Strate­gie der Ver­harm­lo­sung auch noch völ­lig unkri­tisch
gegenüber.”

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