30. Oktober 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Rechtes Quartett wegen Brandstiftung in Lehnitz angeklagt

ORANIENBURG/LEHNITZ Der Dön­er-Imbiss an der Lehnitzer Flo­ras­traße bran­nte in der Nacht zum 4. Juli ab. Mar­co K. (17) und Nico S. (19), bei­de aus Oranien­burg, hat­ten ihn angezün­det. Mar­co T. (20) stand Schmiere. Sieg­wart K. (48) aus Lehnitz soll sie anges­tiftet haben. Wegen vorsät­zlich­er Brand­s­tiftung muss sich das Quar­tett seit gestern vor dem Jugend­schöf­fen­gericht in Oranien­burg ver­ant­worten. Die Staat­san­wältin sprach bei den Brand­s­tiftern von ein­er “aus­län­der­feindlichen Moti­va­tion”.

Mar­co K. hat­te den Imbiss-Stand mit Ben­zin über­gossen. Nico S. hielt das Feuerzeug dran. Auch Mar­co T., der Schmiere stand, ist geständig. Nicht mehr so gut erin­nern kon­nte sich der 17-jährige Mar­co K. an seine Aus­sagen bei der Polizei. “Ich has­se Aus­län­der”, gab er dort zu Pro­tokoll. Und auf die Frage, warum er den Imbiss angesteckt habe, antwortete er damals: “Weil das ein Drecks-Ali ist.”

Dubios bleibt auch die Rolle des ver­meintlichen Ans­tifters. Der 48-jährige Arbeit­slose war am Nach­mit­tag vor der Brand­nacht zu dem Imbiss gegan­gen. Dort habe er seine dama­lige Lebenspart­ner­in in ein­er ein­deuti­gen Sit­u­a­tion ertappt, beim Küssen mit einem in dem Imbiss angestell­ten Türken. “Ich habe rumge­brüllt, ich sah rot”, sagte Sieg­wart K. vor Gericht. Anschließend ging er zu Aldi, holte sich Bier und trank. An den Abend will sich der gel­ernte Beton­bauer dann nicht mehr so genau erin­nern. Mehrmals sprach er gestern von einem “Film­riss”.

Fest ste­ht, gegen 22 Uhr traf er Mar­co K. am “Weißen Strand” in Lehnitz. Bei­de ken­nen sich. Über die poli­tis­che Ein­stel­lung des 17-Jähri­gen will Sieg­wart K. aber nichts gewusst haben. Der 48-Jährige erzählt ihm die Geschichte von sein­er Fre­undin, dass er sie mit dem türkischen Lieb­haber am Imbiss erwis­cht habe. “Die Hütte wird noch mal bren­nen”, soll er gesagt haben. “Das kön­nen wir gle­ich erledi­gen”, soll Mar­co K. ent­geg­net haben. Die Erin­nerung der bei­den war aber auch in diesem Punkt vor Gericht lück­en­haft.

Der Beschluss, den Imbis­s­wa­gen anzusteck­en, war gefasst. Die bei­den “Kumpel” von Mar­co K. willigten ein. Der 48-Jährige holte von seinem Boot einen Ben­zinkanis­ter und über­gab ihn Mar­co K. Und tat­säch­lich macht­en sich die drei jun­gen Män­ner — ohne den ver­meintlichen Ans­tifter — auf zu dem Imbiss und fack­el­ten den Wagen ab. Anschließend traf sich das Trio an ein­er Tankstelle in Oranien­burg. Es wurde weit­er getrunk­en. Alko­hol war bei allen Beteiligten reich­lich im Spiel. Nur wenige Stun­den später stand dann bei ihnen die Polizei vor Tür.

Der 17-jährige Mar­co K. war übri­gens Mit­glied bei der frei­willi­gen Feuer­wehr in Sach­sen­hausen. Vom Richter danach befragt, sagte er gestern: “Ich habe Mist gebaut und bin dann dort frei­willig gegan­gen.”

Das Ver­fahren wird am kom­menden Don­ner­stag fort­ge­set­zt. Zahlre­iche Zeu­gen sollen gehört wer­den.

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