22. November 2002 · Quelle: P&S

Rechtsextreme Aktivitäten südlich von Prenzlau

Auf Grund der entset­zlichen Ereignisse haben wir ver­sucht, unsere Erken­nt­nisse über recht­sex­treme Aktiv­itäten in dieser Region zusam­men­z­u­fassen.

 

Die zu beschreibende Region reicht von Ger­swalde im West­en über Fli­eth und Suck­ow, dann in Rich­tung Nor­den über den Ober- Uck­ersee und Pot­zlowsee mit War­nitz, natür­lich den Orten Pot­zlow, Strehlow und Pin­now bis nach Stern­hagen, Lin­den­hagen.

 

Die gesamte Region ist uns aus den konkreten Recherchen der Jahre 2000 und 2001 ziem­lich gut bekan­nt. Aus der jün­geren Ver­gan­gen­heit haben wir vor allem die recht­sex­tremen Straftat­en reg­istri­ert.

 

Aus unser­er Sicht gibt es in der Region schon lange eine sehr aktive und jugend­kul­turell recht dom­i­nante recht­sex­treme Szene. Sie fiel auch vor diesem Mord durch sehr mil­i­tante und gewalt­tätige Aktio­nen auf. Genan­nt seien in diesem Zusam­men­hang der Mord an einem 45- jähri­gen Mann 1997 in Pot­zlow, die Angriffe auf die Räume der jun­gen Gemeinde in Stern­hagen und Lin­den­hagen 1997/98, den Angriff auf linke Jugendliche im Som­mer 2001 in Suck­ow und die Angriffe auf pol­nis­che Jugendliche und Polizis­ten in War­nitz im Som­mer und Herb­st 2001. Die möglichen Angriff­sziele, dass zeigen schon die Beispiele waren sehr vari­abel: Ander­s­denk­ende Jugendliche, Aus­län­der, Polizis­ten oder auch Fremde. In Pin­now waren zum Beispiel lange Zeit zuge­zo­gene Berlin­er das Ziel von Angrif­f­en (Schmier­ereien, Dro­hun­gen, Über­fälle 1999). Wenn eine Zeit­lang weniger passierte, so waren sich unsere Inter­view­part­ner sich­er, so lag das meist daran, das einige beson­ders gewalt­tätige Aktivis­ten ger­ade wieder im Knast saßen. Ganz deut­lich ist aber immer wieder gewor­den , dass sie dann „aktiv“ wor­den, wenn ihre jugend­kul­turelle Hege­monie in Gefahr war.

 

Auch die möglichen Tre­ff­punk­te der Szene sind meist bekan­nt: Jugen­dräume in den Dör­fern wie in Suck­ow und Pin­now, alte Anla­gen der LPGen, Kneipen und in der war­men Jahreszeit die zahlre­ichen Seen der Region. Immer wieder stand selb­st in der Zeitung davon, das die Polizei mal ein Lager­feuer am Pot­zlowsee oder am ein Zelt­lager am Sabi­nensee oder am Uck­ersee aufgelöst hat wie 2000 und 2001. Auch in den Diskotheken der Region wie in Milmers­dorf, Pren­zlau oder Kaak­st­edt sind sie regelmäßig zu tre­f­fen. Eine beson­dere Posi­tion nimmt das Jugendzen­trum in Strehlow ein. Dort wird sich schon länger an akzep­tieren­der Jugen­dar­beit ver­sucht. Jugendliche Recht­sex­trem­is­ten der gesamten Region tre­f­fen sich dort, eine rechter Aktivist wurde auch schon mal als Sozialar­beit­er eingestellt.

 

Recht­sex­trem ori­en­tierte Jugendliche der Region haben immer wieder ihre Gesin­nung öffentlich gezeigt. Zu erin­nern wäre zum Beispiel an das juden­feindliche Plakat, das Schüler der Schule Ger­swalde bei der Klassen­fahrt aus dem Bus zeigten (2001), oder das erst vor einem Jahr der Bürg­er­meis­ter von Pot­zlow per­sön­lich bekan­nt gab, er habe 6 Jugendliche dabei ertappt, als sie ein großes Hak­enkreuz an die Bushal­testelle mal­ten. Auch in den Wahlkämpfen war die regionale Szene aktiv und klebte Plakate und Aufk­le­ber der NPD. Dorffeste der Region sind eigentlich „No go areas“ für alle, die nicht in das beschriebene Bild passen. In Pin­now wird dann später auch schon mal indizierte recht­sex­treme Musik ein­gelegt, das Dorffest in Pot­zlow war nicht erst in diesem Jahr, als der Junge aus Ger­swalde Opfer wurde, eine Anziehungspunkt für die Szene aus der ganzen Region.

 

Verbindun­gen gibt es vor allem nach Pren­zlau. So ist es kein Zufall, dass der Haupt­täter kurz nach dem Mord Beteiligter bei dem Angriff auf einen Asyl­be­wer­ber in der Stadt war. Aber auch nach Gollmitz und in Rich­tung Milmers­dorf und Tem­plin gibt es Beziehun­gen, vor allem informeller Art.

 

Öffentliche For­men der Auseinan­der­set­zung mit dem Recht­sex­trem­is­mus in der Region sind uns nicht bekan­nt.

 

Pfef­fer und Salz Rechercheteam

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