15. Oktober 2004 · Quelle: Tagesspiegel

Rechtsextreme Länderfusion

(Tagesspiegel, Jörn Has­sel­mann) Berlin­er und Bran­den­burg­er Recht­sex­trem­is­ten wollen enger zusam­me­nar­beit­en. Der „Märkische Heimatschutz“ (MHS), eine 2001 in der Uck­er­mark gegrün­dete Gruppe, ver­meldet im Inter­net, am ver­gan­genen Woch­enende eine „Berlin­er Sek­tion“ gegrün­det zu haben. Nach eige­nen Angaben will der MHS in Berlin mas­siv plakatieren und Flug­blät­ter verteilen, aber auch „Jugen­dar­beit in den Kiezen“ betreiben. Nach Angaben des Berlin­er Ver­fas­sungss­chutzes wollen die Berlin­er Recht­en von der guten Logis­tik und Organ­i­sa­tion des MHS prof­i­tieren – und die Bran­den­burg­er treibe es ein­fach in die Haupt­stadt, hieß es. Neu ist die Koop­er­a­tion nicht, so ist der MHS kür­zlich mit der Berlin­er Gruppe „Alter­na­tive Südost“, eine der bei­den aktivsten Neon­azi-Organ­i­sa­tio­nen der Stadt, in Oranien­burg aufge­treten. Auch bei der let­ztlich ver­bote­nen NPD-Demo im Wed­ding wollte der Märkische Heimatschutz teil­nehmen, die gute Zusam­me­nar­beit zwis­chen MHS und NPD ist bekan­nt.

Wie viele Recht­sex­trem­is­ten die Berlin­er MHS-Sek­tion bilden, kon­nte der Ver­fas­sungss­chutz nicht sagen, in ganz Bran­den­burg sollen es nur 35 Mit­glieder sein. Als Kopf der Gruppe gilt Gor­don R. aus Eber­swalde. Die Polizei hat­te 1999 und im Okto­ber 2003 die Woh­nung des Mannes durch­sucht und seinen Com­put­er beschlagnahmt. Ihm wurde vorge­wor­fen, Dat­en von Polizis­ten und Jour­nal­is­ten gesam­melt zu haben. Das Bran­den­burg­er Lan­deskrim­i­nalamt kon­nte gestern auf Anfrage nichts zum Stand der Ermit­tlun­gen sagen.

In den 90er Jahren hat­te sich Gor­don R. im Stre­it von der Berlin­er NPD getren­nt und war später aus­geschlossen wor­den. Deshalb hieß es gestern auch beim Ver­fas­sungss­chutz: „Mal sehen, wie lange die neue Einigkeit beste­ht.“

Neues gibt es auch bei der Berlin­er NPD. Wie gestern in einem Teil der Auflage berichtet, ist der bekan­nte Neon­azi Michael Regen­er, Sänger der Band Landser, im Berlin­er NPD-Lan­desver­band als Mit­glied aufgenom­men wor­den. Regen­er, in der recht­en Szene als „Luni“ bekan­nt, genießt ger­adezu Kult­sta­tus wegen sein­er volksver­het­zen­den Texte. Die Berlin­er Polizei hat­te einen angekündigten Auftritt Regen­ers bei der NPD-Demo in Wed­ding als Argu­ment benutzt, die Kundge­bung zu ver­bi­eten. Bis­lang soll Regen­er nur ein­fach­es Mit­glied des mit 150 recht schwachen Lan­desver­ban­des der NPD zu sein.

Im Dezem­ber 2003 war Regen­er vom Berlin­er Kam­merg­ericht zu drei Jahren und vier Monat­en Haft verurteilt wor­den, das Gericht hat­te „Landser“ als krim­inelle Vere­ini­gung eingestuft und Regen­er als ihren Rädels­führer. Doch er ist weit­er­hin auf freiem Fuß: Regen­er hat­te Revi­sion ein­gelegt. Das Urteil ist deshalb nicht recht­skräftig.

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