30. Dezember 2002 · Quelle: verfassungsschutz

Rechtsextremisten im Internet

Im Früh­jahr 2002 ver­bre­it­ete als erster der bran­den­bur­gis­che Ver­fas­sungss­chutz auf dieser Home­page eine gute Nachricht: Die Zahl der Web­sites, die mit recht­sex­trem­istis­chen oder recht­sex­trem­istisch bee­in­flussten Inhal­ten von Deutsch­land aus um Aufmerk­samkeit buhlen, war zurück­ge­gan­gen. Eine uner­wartete Trendwende!

Wie ist am Jahre­sende der aktuelle Stand? Kurz gesagt: Er hat sich sei­ther kaum verän­dert. Weit­er­hin wer­den etwas mehr als 900 ein­schlägige Web­sites gezählt. Wed­er hat sich der Abwärt­strend fort­ge­set­zt, noch gibt es im Medi­um Inter­net einen neuen Recht­saußen-Drall.

Inter­es­sant sind aber qual­i­ta­tive Verän­derun­gen. Sie zeigen, dass Recht­sex­trem­is­ten sich von “Sper­rak­tio­nen” und staatlichem Druck nur wenig beein­druck­en lassen und in immer wieder neue Nis­chen des Inter­nets auszuwe­ichen wis­sen.

Süd­seeparadiese

Nach­dem Provider in Deutsch­land, aber auch in den USA viele recht­sex­trem­istis­che Home­pages abgeschal­tet hat­ten, sucht­en sich deren Betreiber neue Titel, teils auch ein neues Lay­out für ihre Ange­bote und melde­ten sie bei anderen Providern an. Um sich­er zu gehen, wech­seln sie auch ohne beson­deren Anlass häu­fig die Adresse und richt­en zusät­zlich Umwe­gadressen ein.

Nicht nur auf Servern in den USA und in Skan­di­navien, wie bish­er, suchen deutsche Recht­sex­trem­is­ten ihre Home­pages unterzubrin­gen, son­dern auch im Insel­re­ich des Süd­paz­i­fik: dort bekom­men sie es bil­lig!

Geschäfte und Mei­n­ungs­mache

Der ein­schlägige Ver­sand­han­del über das Inter­net flo­ri­ert. Fir­men, die mit neon­azis­tisch einge­bräun­ten Skin­head-Musikar­tikeln Kasse machen, bieten häu­fig auch Dark-Wave- und Black-Met­al-Num­mern an, die ähn­lich angetönt sind. Auf zahlre­ichen Home­pages der Szene find­et man Besprechun­gen neuer CDs, Konz­ert­berichte oder Hin­weise zum Down­load.
Auf manchen dieser Web­sites ste­hen Lis­ten solch­er Artikel, die von der Bun­de­sprüf­stelle für jugendge­fährdende Schriften indiziert wor­den sind. Das sei beileibe keine Wer­bung, wird aus Selb­stschutz­grün­den ver­sichert. Das virtuelle Augen­zwinkern bemerkt sog­ar der trüb­sichtig­ste Glatzkopf …

Diskus­sions­foren für Recht­sex­trem­is­ten im Inter­net wer­den immer häu­figer genutzt. Um sich als Teil­nehmer reg­istri­eren zu lassen, braucht man oft nicht mehr als einen Spitz­na­men anzugeben. Dann darf man mit Gesin­nungskam­er­aden die krud­esten Mei­n­un­gen aus­tauschen, kann aber auch Aktion­ster­mine erfahren oder Tipps für den pro­fes­sionellen Gebrauch des Inter­nets bekom­men. Die Masse der Diskus­sions­beiträge steigt unaufhör­lich. Dafür sor­gen neben gele­gentlichen Besuch­ern eines Forums auch bekan­nte Vielschreiber, für die es ein Freizeit­sport oder sog­ar ihr wesentlich­er Lebensin­halt ist, möglichst oft ihre braunen Duft­marken zu set­zen.

Kaum Aktuelles aus Bran­den­burg

Abwe­ichend vom Bun­des­durch­schnitt, ist die Zahl ein­schlägiger Home­pages in Bran­den­burg gestiegen: jet­zt sind es knapp 30. Die krass­es­ten Ange­bote kön­nen sich trotz­dem nicht lange im Netz hal­ten; so wur­den zwei beson­ders üble Web­sites nach weni­gen Wochen vom Provider abgeschal­tet, nach­dem er einen Hin­weis vom Ver­fas­sungss­chutz erhal­ten hat­te.

Den selb­st deklar­i­erten Anspruch, aktuelle Mel­dun­gen zu bieten, lösen die recht­sex­trem­istis­chen Inter­net-Ange­bote aus Bran­den­burg kaum je ein. Viele wer­den nur spo­radisch gepflegt und sehen buch­stäblich recht alt aus. Sog­ar Ter­mine für Ver­anstal­tun­gen und Aktio­nen in Bran­den­burg, die für die Szene inter­es­sant sein kön­nten, wer­den nicht regelmäßig angekündigt.

Wer sich darüber aktuell informieren will, wird eher auf link­sex­trem­istis­chen oder link­sex­trem­istisch bee­in­flussten Home­pages fündig. Dort wird immer rechtzeit­ig zu Gege­nak­tio­nen aufgerufen. Deren Anlass erfährt so auch der Neon­azi auf dem flachen Lande, der seinen per­sön­lichen Aktion­skalen­der ergänzen möchte, aber von den sze­neeige­nen Medi­en nicht bedi­ent wird.

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