20. August 2005 · Quelle: BM

Rechtsradikale am Schultor

(BM, 20.8.) Pots­dam — Bran­den­burgs Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm (CDU) hat vor einem
Wahlkampf recht­sex­tremer Parteien mit Musik-CDs an Schulen und
Freizeit­ein­rich­tun­gen gewarnt. Lehrer, Erzieher und Eltern dürften solche
Aktio­nen keines­falls tolerieren, forderte Schön­bohm gestern in Pots­dam. Die
NPD plane im Sep­tem­ber die Verteilung ein­er eigens pro­duzierten Musik-CD.

Auch in Bran­den­burg sei damit zu rech­nen, daß NPD, DVU und Anhänger dieser
Parteien entsprechende CDs verteilen und so auf Stim­men­fang bei Erst- und
Jung­wäh­lern zu gehen, sagte Schön­bohm. Kinder und Jugendliche hät­ten über
diese Musik häu­fig die ersten Kon­tak­te mit recht­sex­trem­istis­ch­er Pro­pa­gan­da.
Die soge­nan­nte Skin­head­musik öffne den Zugang zu diesem Gedankengut über ein
Medi­um, das sich bei Kindern und Jugendlichen größter Beliebtheit erfreue.

Aus­län­der­haß und Volksver­het­zung wür­den von Recht­sex­tremen in allen nur
denkbaren jugend­typ­is­chen Musikrich­tun­gen ver­tex­tet. Beispiel hier­für ist
nach Angaben des Min­is­ters die soge­nan­nte Schul­hof-CD, deren Verteilung in
Bran­den­burg ver­hin­dert wurde. Am 9. August hat­te die Polizei in Straus­berg
(Märkisch-Oder­land) im Kof­fer­raum eines VWS Golf unver­pack­te 671 CDs mit
recht­sex­tremer Musik beschlagnahmt. Es han­delte sich um den größten Fund
seit Beste­hen des Lan­des, wie Schön­bohm sagte. Er soll Teil eines Postens
von ins­ge­samt 50 000 CD gewe­sen sein, die in Sach­sen hergestellt wor­den sind
und bun­desweit bei der soge­nan­nten Aktion Schul­hof verteilt wer­den soll­ten.

Bran­den­burg ist nach Darstel­lung des Innen­min­is­teri­ums in Pots­dam führend
bei der Bekämp­fung recht­sex­trem­istis­ch­er und gewaltver­her­rlichen­der Musik.
Fast zwei Drit­tel aller bun­desweit­en Anträge auf Indizierung solch­er Werke
stammten von hier. Das Lan­deskrim­i­nalamt stellte im ver­gan­genen Jahr 79 der
Anträge; darunter waren 77 zu Musik-CDs. Auch in diesem Jahr wur­den den
Angaben zufolge schon mehrere Indizierungsanträge gestellt.

Die Ver­bre­itung recht­sex­trem­istis­ch­er Musik bere­it­et auch Bran­den­burgs
ober­ster Ver­fas­sungss­chützerin Win­friede Schreiber große Sor­gen. Bei Razz­ien
gegen Neon­azis in Bran­den­burg wer­den immer wieder rechte Musik-CDs gefun­den.
Die Ver­fas­sungss­chutzchefin sagt: “Musik ist das Trans­port­mit­tel, das
neon­azis­tis­ches und nation­al­sozial­is­tis­ches Gedankengut in die Köpfe der
Jugend trans­portiert.”

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