6. April 2005 · Quelle: MAZ

Rechtsradikale legten Kranz nieder

WITTSTOCK Volk­strauertag 2003: 24 Per­so­n­en aus der recht­en Szene marschieren
in Zweier-Kolonne zum Kriegerdenkmal in Dos­sow. Sie stellen sich im
Hal­bkreis auf. Schwarz-weiß-rote Fah­nen wer­den geschwenkt. Ein­er hält eine
Rede. Zwei Per­so­n­en leg­en einen Kranz vom “nationalen Widerstand
Prig­nitz-Rup­pin” für die “tapfer­en Gefal­l­enen des ersten und zweiten
Weltkrieges” nieder. Nach ein­er Schweigeminute löst sich die Versammlung
auf. 

Organ­isator dieser nicht angemelde­ten und genehmigten Ver­samm­lung war nach
Auf­fas­sung der Staat­san­waltschaft der 25-jährige Stadtverord­nete Mathias
Wirth aus Witt­stock. Der Kfz-Mechaniker hat­te wegen Ver­stoßes gegen das
Ver­samm­lungs­ge­setz einen Straf­be­fehl erhal­ten. Gestern fand die Verhandlung
vor dem Neu­rup­pin­er Amts­gericht statt. Sie endete mit einem Freispruch. 

Resig­niert hat­te Staat­san­walt Kai Clement nach drei Zeu­gen auf die Anhörung
weit­er­er verzichtet: “Es hat keinen Sinn.” Die Zeu­gen seien so katastrophal,
dass man mit ihnen nichts anfan­gen könne. Es käme nur noch ein­er in
Betra­cht. Und bei dem könne er sich an allen fünf Fin­gern abzählen, was da
her­auskomme. Näm­lich nichts, wie die vor­ange­gan­genen Befra­gun­gen zeigten.
Bei allen drei Zeu­gen war ein kollek­tiv­er Gedächt­niss­chwund einge­treten. So
schien bei Ste­fan L. “keine Ahnung” das Lieblingswort zu sein. Er wollte
Math­ias Wirth nur vom Hören und Sehen ken­nen. Mit wem er nach Dossow
gekom­men sei: “Keine Ahnung.” Wer den Kranz niedergelegt habe: “Kann ich
nicht sagen.” Worum es gegan­gen sei: “Keine Ahnung.” 

Ähn­lich auf­schlussre­ich äußerte sich der näch­ste Zeuge: “Dos­sow sagt mir
nichts.” Warum er über­haupt mit­ge­fahren sei, wenn er keinen kan­nte und nicht
wusste, worum es ging?, wollte Richter Schip­pers wis­sen. “Warum nicht? Wenn
mich ein­er zum Fußball ein­ge­laden hätte, wäre ich ja auch mitgefahren.”
Genau­so wenig trug Car­men S. zur Klärung bei: “Ich vergesse eigentlich immer
schnell wat.” Sie habe von der ganzen Aktion nichts gewusst, son­dern nur auf
Wun­sch ihres Fre­un­des ein paar Leute einge­sam­melt und nach Dos­sow gefahren.
Worüber die im Auto gere­det hät­ten, habe sie nicht inter­essiert: “Ich musste
mich auf die Straße konzen­tri­eren.” Math­ias Wirth kenne sie nur vom Sehen. 

Wer den Auf­marsch ini­ti­iert hat­te, kon­nte gestern nicht gek­lärt wer­den. Es
gebe Hin­weise auf Math­ias Wirth, so der Richter. Doch nach dem Grund­satz im
Zweifel für den Angeklagten sei Wirth freizusprechen.

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