2. August 2004 · Quelle: MAZ

Reiche geht gegen Nazi-Musik vor

POTSDAM Bil­dungsmin­is­ter Stef­fen Reiche (SPD) macht gegen die Verteilung von
CDs mit recht­sex­tremen Inhal­ten vor Schulen mobil. Nach Erken­nt­nis­sen des
Ver­fas­sungss­chutzes wollen Neon­azis CDs mit dem Titel “Anpas­sung ist
Feigheit — Lieder aus dem Unter­grund” kosten­los aus­geben. Die Verbreitung
unter Schülern müsse ver­hin­dert wer­den, sagte Reiche gestern. Ein
Maß­nah­mepaket werde jet­zt an alle Schulleitun­gen ver­sandt. Dieses werde die
Lehrer vor allem über die psy­chol­o­gis­che Wirkungsweise der CD informieren
und Empfehlun­gen zur Auseinan­der­set­zung mit recht­sex­tremer Ide­ologe geben. 

Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm (CDU) begrüßte die Maß­nah­men, forderte jedoch
zugle­ich eine stärkere Wertev­er­mit­tlung. Die recht­sex­trem­istis­che Szene
set­ze gezielt darauf, vor allem labile Jugendliche mit der Einstiegsdroge
Musik zu ködern. Ihnen müsse ein Werte­gerüst ver­mit­telt wer­den, dass sie
immun gegen die Ver­lock­un­gen der Extrem­is­ten von rechts wie von links mache,
betonte Schön­bohm. Dabei seien Lehrer, Eltern, Kirchen und Vereine
gefordert. 

Reiche warnte eben­falls, dass die CD der Neon­azis geschickt auf die
Gefühlswelt Her­anwach­sender einge­he. Das recht­sex­treme Gedankengut in den
Liedern werde hin­ter Sprach­bildern versteckt. 

Schülern werde ein “Gefühlsrah­men geboten, in dem sie sich ver­standen und
akzep­tiert wis­sen sollen”, urteilte auch das Mobile Beratungsteam
“Tol­er­antes Bran­den­burg” in ein­er Bew­er­tung. Das Team rät Schulen, ihr
Haus­recht einzuset­zen, um die Ver­bre­itung recht­sex­trem­istis­ch­er Materialien
zu unterbinden. Zudem soll­ten der­ar­tige Aktiv­itäten nicht verschwiegen,
son­dern offen ange­sprochen wer­den, um ihnen das “Geheimnisvolle” zu nehmen.
Es müssten Hin­ter­gründe aufgek­lärt wer­den. Recht­sex­trem­is­ten stell­ten viel
disku­tierte The­men verz­er­rt dar, um für ihre Bewe­gung zu werben. 

Schön­bohm hat­te Reiche Anfang Juli in einem Brief vor der geplanten
Verteilung der recht­sex­trem­istis­chen CD gewarnt. Nach den Erken­nt­nis­sen des
Ver­fas­sungss­chutzes wur­den 50 000 Exem­plare der CD hergestellt. Drahtzieher
sind in- und aus­ländis­che Pro­duzen­ten sowie Vertreiber rechtsextremistischer
Tonträger.

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