15. März 2007 · Quelle: EA Potsdam

Repression nach spontaner Solidaritätsdemonstration

Am 01.03.2007, einem Don­ner­stag, begann mor­gens gegen sieben Uhr die Räu­mung des
seit 1982 beset­zten „Ung­domshuset“ (Jugend­haus) in Kopen­hagen. Eine rechte,
christliche Sek­te hat­te das Gebäude vor einiger Zeit von der Stadt gekauft und
forderte jet­zt die Räu­mung. Dabei set­zte die Polizei schw­er bewaffnete
Spezialein­heit­en mit Helikoptern, Krä­nen und Kampf­gas ein. Als Ergeb­nis der Räumung
sol­i­darisierte sich ein großer Teil des Bevölkerung des Stadt­teils mit den
Bewohner­In­nen. Das Resul­tat waren Massen­ver­haf­tun­gen, es wird von mehreren hundert
Ver­haf­tun­gen gesprochen. Auch lokale Anti­re­pres­sion­sstruk­turen wie das in Kopenhagen
ansäs­sige „Anar­chist Black Cross“ wur­den mit staatliche Repres­sion über­zo­gen, viele
der ABC-AktivistIn­nen wur­den eben­falls verhaftet. 

Direkt nach Bekan­ntwer­den der Räu­mung des linksalter­na­tiv­en „Ung­domshuset“ in
Kopen­hagen ver­sam­melten sich am 01. März knapp 100 linke AktivistIn­nen, um ihrem
Protest gegen die Räu­mung und ihrer Sol­i­dar­ität mit den Bewohner­In­nen Aus­druck zu
ver­lei­hen. Auf dem Weg durch die Pots­damer Innen­stadt wurde mit Sprechchören dem
Anliegen der Demon­stra­tion kraftvoll Aus­druck verliehen. 

Kurz vor dem Luisen­platz ver­sucht­en dann plöt­zlich mehrere Polizis­ten, die
Demon­stra­tion zu stop­pen, woraufhin sich die Teil­nehmerIn­nen zerstreuten. 

Inner­halb kürzester Zeit zog die Polizei daraufhin ein Großaufge­bot in Potsdam
zusam­men, es waren Ein­heit­en aus ganz Bran­den­burg und sog­ar aus Berlin im Einsatz.
In der Nähe des Bran­den­burg­er Tors wur­den dann vor allem Junge Menschen
festgenom­men, welche von der Polizei des Land­friedens­bruch­es und ander­er Delikte
beschuldigt wurden.
Von den ins­ge­samt 16 Festgenomme­nen war ein Großteil weib­lich und unter 18 Jahren
alt – eine klare Einschüchterungstaktik.
Was für viele der min­der­jähri­gen Festgenomme­nen fol­gte, waren klare Erniedrigungen
und Rechts­brüche seit­ens der Polizei. So wur­den Festgenommene aufge­fordert, sich
trotz der erhe­blichen Kälte auf offen­er Straße die Schuhe und Sock­en auszuziehen, da
darin Rasierklin­gen ver­steckt sein kön­nten. Teil­weise wur­den Gespräche mit anderen
Men­schen unter­sagt, selb­st wenn die Betrof­fe­nen mit mehreren anderen im gleichen
Auto saßen.
Manche der Betrof­fe­nen wur­den belei­digt, einige junge Frauen mussten sich auch vor
männlichen Polizis­ten halb entk­lei­den. Nach­dem sie sich darüber beschw­erten, wurde
Ihnen gedro­ht, dass sie auch gezwun­gen wer­den kön­nten, sich ganz entk­lei­den zu
müssen.
Auf Nach­frage, was denn der Grund für die Ver­haf­tun­gen sei, antworteten einige
PolizistIn­nen mit „Wis­sen wir jet­zt auch nicht.“ oder dro­ht­en damit, dass „der
Haftrichter“, dass später schon erk­lären würde. 

Auf der Wache in der Pots­damer Tresck­ow­straße wur­den dann nochmals alle weiblichen
Ver­hafteten dazu gezwun­gen, sich kom­plett zu entk­lei­den, außer­dem wurde Ihnen die
Unter­suchung „aller Kör­peröff­nun­gen“ ange­dro­ht, da darin angeblich
„Feuer­w­erk­skör­p­er“ ver­steckt sein könnten.
Andere Ver­haftete beka­men offen­bar willkür­lich immer mehr Anzeigen wegen ein und
der­sel­ben vorge­wor­fe­nen Tat, eini­gen wur­den wichtige Medika­mente abgenom­men und erst
nach dem Hinzukom­men eines Arztes wieder aus­ge­händigt, so dass diese erst verspätet
ein­genom­men wer­den konnten.
Manchen Betrof­fe­nen wur­den die ihnen zuste­hen­den Tele­fonate ver­weigert, sog­ar mit
den eige­nen Eltern kon­nten einige der unter 18jährigen Ver­hafteten keine Gespräche
führen. 

Das skan­dalöse Vorge­hen der Polizei, der Ver­such von Ein­schüchterun­gen und die
Erniedri­gun­gen kön­nen nicht hin­genom­men wer­den. Die Ankla­gen gegen alle Betroffenen
müssen sofort fall­ge­lassen werden. 

Alle Betrof­fe­nen, die noch keinen Kon­takt zum Pots­damer Ermit­tlungsauss­chuß (EA)
aufgenom­men haben, soll­ten dies über die eMail-Adresse ea-potsdam@gmx.de tun.
Ver­weigert den staatlichen Repres­sion­sor­ga­nen wie der Polizei gegenüber JEDE
Aus­sage, KEINE Zusam­me­nar­beit mit den Ermit­tlungs­be­hör­den. Wer Post von Polizei oder
Staat­san­waltschaft bekommt, sollte sich umge­hend mit dem EA Pots­dam in Verbindung
set­zen, Ladun­gen von der Polizei kön­nen und soll­ten ignori­ert werden.

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