15. Dezember 2018 · Quelle: Presseservice Rathenow

REPs eröffnen Schlammschlacht

Eine deutsche Staats­bürg­erin mit kur­dis­chen Wurzeln wird Vor­sitzende eines AfD Ver­ban­des im bran­den­bur­gis­chen Havel­land. Dies empört die Repub­likan­er und deren neuen Bran­den­burg­er Lan­deschef, der mit seinem extrem recht­en Vere­in „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ bish­eriger Platzhirsch in diesem Land­kreis ist. Bei­de engagierten sich allerd­ings noch Anfang des Jahres für die gemein­same Sache. Der REP- und gle­ichzeige Bürg­er­bünd­nis Chef unter­stützte die jet­zige Vor­sitzende des AfD Kreisver­ban­des Havel­land bei einem ihrer recht­en „Frauen­märsche“ in Berlin.
Ley­la Bilge neue AfD Kreisvor­sitzende

Foto: Ley­la Bilge (links) mit ihrem Body­gard (rechts, mit „Lebensrunen“-Tattoo) während ein­er ihrer „Frauen­märsche“ am 9. Juni 2018 in Berlin.
Der havel­ländis­che Press­esprech­er der Alter­na­tive für Deutsch­land, Ger­ald Hüb­n­er, verkün­dete vorgestern schein­bar Sen­sa­tionelles. In ein­er über­wiegend iro­nisch ver­fassten Pressemit­teilung, welche in ersten Lin­ie offen­bar Rassismus‑, Sex­is­mus- und Homo­pho­bie-Vor­würfe gegen seine Partei aufs Korn nehmen sollte, verkün­dete der Mann, der in Berlin als Angestell­ter des LKA arbeit­et und vor zwei Jahren wegen rechter Aus­sagen bei Ver­anstal­tun­gen der „PEGIDA Havel­land“ mit dro­hen­den per­son­al­rechtlichen Kon­se­quen­zen zu kämpfen hat­te, das nun die „gebür­tige Kur­din“ Ley­la Bilge zur neuen Kreisvor­sitzen­den der havel­ländis­chen AfD gewählt wurde. Expliz­it betonte er dabei, dass diese sich „mit ihrem Vere­in auch der Entwick­lungs- und Flüchtling­shil­fe in Syrien und Irak“ widme.
Gab es etwa eine Kursko­r­rek­tur in der „AfD“ ?
Nein, die Fak­ten sprechen eher dage­gen.
Im Novem­ber 2017 soll Ley­la Bilge beispiel­sweise Mod­er­a­torin ein­er Kon­ferenz des recht­en Com­pact Mag­a­zins in Leipzig gewe­sen sein. Dort habe sie Björn Höcke – Anführer des völkisch-nation­al­is­tis­chen Flügels in der AfD – u.a. als „die Stimme Deutsch­lands“ beze­ich­net. Der „Alter­na­tive für Deutsch­land“ soll sie zudem bere­its im Som­mer 2016 beige­treten sein.
Am 17. Feb­ru­ar 2018 organ­isierte Bilge in Berlin einen so genan­nten „Frauen­marsch“, auf dem u.a. auch PEGI­DA-Mann Lutz Bach­mann auf­trat. Die Berlin­er Innen­be­hörde erkan­nte zudem auch Neon­azis, Mit­glieder der „Iden­titären Bewe­gung“, „Reichs­bürg­er“ und NPD Funk­tionäre auf der Demon­stra­tion.
Das Engage­ment Ley­la Bilges im Havel­land erscheint jedoch tat­säch­lich neu. Auf dem Magde­burg­er Kon­vent der Bun­despartei Mitte Novem­ber 2018 hat­te sie sich näm­lich noch um einen Lis­ten­platz für die Kan­di­datur zu den Europawahlen 2019 bewor­ben – vor­erst erfol­g­los. Der Abstieg in die Prov­inz ver­wirrt deshalb zunächst. Jedoch wer­den 2019 im Land Bran­den­burg Kom­mu­nal- und Land­tagswahlen abge­hal­ten. Es kön­nte eine zweite Chance für Bilge sein.
REP Chef Chris­t­ian Kaiser empört über Bilges neuen Posten

Foto: Chris­t­ian Kaiser, Chef des „Bürg­er­bünd­niss­es Havel­land“ und Bran­den­burg­er REPUBLIKANER während eines Rede­beitrages an einem mit „Leben­srunen“ verzierten Podi­um (Kundge­bung am 2. Juli 2018 in Rathenow).
Doch kurz nach dem Bekan­ntwer­den der AfD Pressemit­teilung zur Neube­set­zung des Kreisvor­sitzes der Partei empörte sich bere­its die Konkur­renz in Form des Bran­den­burg­er Lan­desver­ban­des der REPUBLIKANER über diese Wahlentschei­dung. „Nie­mand braucht eine Kur­din um Poli­tik für die BRD zu machen“, so Bran­den­burgs REPs auf ihrer offen­bar neuen, zweit­en Seite bei Face­book. „Deutsche für Deutsch­land“ ergänzte der Chef der Bran­den­burg­er REPUBLIKANER, Chris­t­ian Kaiser, zudem beim Teilen der Mei­n­ung seines Parteiver­ban­des.
Die REPs und ihr Chef in Bran­den­burg unter­stellen der AfD zudem indi­rekt Unehrlichkeit. In ihrer mut­maßlich ras­sis­tisch motivierten „Kri­tik“ berufen sie sich auf Björn Höcke. Dieser gilt wiederum als Kopf des völkisch-nation­al­is­tis­chen „Flügels“ in der AfD, der sich in einem sein­er fünf Grund­sätze u.a. wie fol­gt posi­tion­iert: „Nur Ide­olo­gen glauben, […] dass jed­er zu einem Deutschen wird, sobald er die Lan­des­gren­ze über­schrit­ten hat“.
Diese grund­sät­zliche „Kri­tik“ an der neuen AfD-Kreisvor­sitzen­den passt zwar zu den aktuellen Entwick­lun­gen bei den REPs, ver­wirrt allerd­ings doch ein wenig im Hin­blick darauf, dass Kaiser, der auch Chef der extrem recht­en Vere­ini­gung „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ ist, Bilge noch bei ihrem „Frauen­marsch“ im Feb­ru­ar diesen Jahres mit einem Laut­sprecher­wa­gen, Anla­gen­tech­nik und nicht zulet­zt mit dem Logo-beset­zten Podi­um des Vere­ins unter­stützte.
Ander­er­seits offen­bart die Empörung der REPs die per­fide Masche der extremen Recht­en, willige Men­schen, welche nicht dem landläu­fi­gen Bild ihrer Bewe­gung entsprechen und somit gerne als Aushängeschild gezeigt wer­den, so lange für sich auszunutzen, wie es für die Sache dien­lich ist.
Die plöt­zliche fun­da­men­tale Ablehnung der „gebür­ti­gen Kur­din“ kann näm­lich nicht darüber hin­wegtäuschen, dass der havel­ländis­che „Platzhirsch“ der extremen Recht­en, Chris­t­ian Kaiser, durch die bun­desweit bekan­ntere Bilge um seinen Ein­fluss in der Region fürcht­en muss.

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