25. Juni 2003 · Quelle: Freie Heide

resist now! für eine FREIe HEIDe — Aktionstage im Juli

Noch vor der Som­mer­pause will die Bun­desregierung den 80 km nördlich von Berlin gele­ge­nen, seit 10 Jahren umstrit­te­nen Luft-Boden-Schieß­platz bei Witt­stock in Betrieb nehmen. Um die dro­hende Inbe­trieb­nahme abzuwen­den braucht die Bevölkerung zwis­chen Witt­stock, Rheins­berg und Neuruppin
eure Unter­stützung. Deshalb rufen wir zur Teil­nahme an den Aki­to­nen zum B‑Day (Tag, an dem die ersten Bomben fall­en) und den Som­mer­ak­tio­nen vom 25.Juli bis 3.August.

-Gegen Krieg und Kriegsvorbereitung-
“No war” lautete die schlichte und unmissver­ständliche Antwort von Mil­lio­nen von Men­schen auf die Ankündi­gung des Irakkrieges durch die USA. Die Schlussfol­gerung der Bun­desregierung aus diesem Krieg ist, auch die
EU zu solchen Kriegen zu befähi­gen. Mit Mil­itärge­walt soll Teil­habe an der Beute gesichert wer­den. Das Bom­bo­drom Witt­stock, Europas größter Bomber-Übungsplatz soll ein wesentlich­er Beitrag der Deutschen zur dafür
notwendi­gen Infra­struk­tur werden. 

Die Rohstoffe ver­mehren sich nicht, wenn man um sie Kriege führt. „Die Erde hat genug für jed­er­manns Bedürfnisse, aber nicht für jed­er­manns Gier.“ (Mahat­ma Gand­hi). Es ist ein lohnenswertes Ziel, dass Arbeit und Ressourcen
zur Befriedi­gung der Bedürfnisse der Men­schen in der ganzen Welt einge­set­zt wer­den und nicht für Bomben, die eine gerechte und umweltscho­nende Weltwirtschaft ger­adezu verhindern. 

Die FREIe HEI­De Inmit­ten ein­er der größten Wald‑, Seen- und Hei­de­land­schaften Europas, zwis­chen Witt­stock, Rheins­berg und Neu­rup­pin, nur 80 km nördlich von
Berlin, liegt das ehe­ma­lige Bom­bo­drom Witt­stock. Das 142 Quadratk­ilo­me­ter große Gebi­et in der Kyritz-Rup­pin­er Hei­de wurde in den 50er Jahren von der Sow­je­tarmee nach
und nach beset­zt, enteignet und schließlich für alle Arten von Bomben­ab­wür­fen 40 Jahre lang tagtäglich genutzt. 

Als das Bun­desvertei­di­gungsmin­is­teri­um im August 1992 erk­lärte, den Platz
nun doch “weit­er­nutzen zu wollen” ging eine Welle von Empörung und Protest
durch die Region, die bis heute nicht abebbte. Der Krieg habe im Land­kreis Ost­prig­nitz-Rup­pin nie aufge­hört, so die Ein­heimis­chen, und damit solle
endlich Schluss sein. 

Von den mas­siv­en Protesten über­rascht traute sich die Kohl-Regierung nicht, in die Fußstapfen stal­in­sch­er Poli­tik zu treten und das bru­tale Unrecht von
damals zum gel­tenden Recht machen. Nach 10 Jahren hartnäckiger
juris­tisch-poli­tis­ch­er Auseinan­der­set­zun­gen hat die Bun­de­spoli­tik es
geschafft, ein demokratisch-rechtsstaatlich­es Deck­män­telchen über das
Unrecht von einst zu legen.
Die Zeichen ste­hen auf kriegerische Außen­poli­tik und das Bombodrom
Wittstock
soll der größte Bomben­ab­wurf­platz in Europa wer­den. Die Größe von 20km
Länge
und 7km Bre­ite erlaubt Ein­satzübun­gen, die auf keinem anderen deutschen
Bomben­ab­wurf­platz durchge­führt wer­den kön­nen. Nur hier ist das Abwerfen
der
Bomben aus Höhen bis zu 4000 m möglich, nur hier kön­nen alle Arten von
Bomben­ab­wür­fen geübt und getestet wer­den. Nur hier kann der kombinierte
Ein­satz von Kampf­bombern und Boden­trup­pen trainiert werden. 

Dies will
man
allen NATO-Ver­bün­de­ten anbi­eten und wäre nicht mehr auf die teuren,
aufwendi­gen und zus­tim­mungs­bedürfti­gen Übungsmöglichkeit­en in den USA
angewiesen. Das macht die EU mil­itärisch “hand­lungs­fähiger”.
Die rot-grüne Regierung, allen voran Struck und Schröder, will den
Übungs­be­trieb noch in diesem Jahr aufnehmen. 

Sozial­ab­bau

Der „Wehre­tat“ soll in 10 Jahren von 24,7% auf 27% des bundesdeutschen
Gesamte­tats steigen, dabei 82 Mrd. EUR über die bish­erige Pla­nung hinaus
für
neue Waf­fen­sys­teme und Aus­rüs­tung. Der noch von Keynes und anderen
The­o­retik­ern unser­er Mark­twirtschaft als die volkswirtschaftliche
Entwick­lung hem­mender Wirtschaft­szweig eingestufte mil­itärische Bereich
avancierte im Staat­shaushalt zum unverzicht­baren und Arbeitsplatz
bringenden
Handwerk. 

Woher nehmen, ohne zu stehlen. Die Schwäch­sten wehren sich am wenigsten,
also sollen die Arbeit­slose­naus­gaben gekürzt, der Sozial­hil­fe, die
leicht
her­abzuset­zen ist, gle­ich gemacht wer­den. Auch die Rent­ner sollen
betrogen
wer­den und Bil­dung ein­er Elite vor­be­hal­ten bleiben. Wir haben, so klingt
es
unisono, viel zu lange über unsere Ver­hält­nisse gelebt. Wen meinen die
wohl? 

Der Effekt ist, dass der Kon­sum für Ernährung und kur­zlebige Güter, die
eigentliche Stütze dieses Wirtschaftssys­tems, so sinkt, dass
Handelsbetriebe
schließen und ihre Leute ent­lassen. Ein ander­er Effekt ist die
Verun­sicherung der Men­schen. Dies ist ein ide­ales Milieu für weltweite
Glob­al­isierung aller Ressourcen. Ja wofür eigentlich? Ist ein solches
System
bruch­sich­er auf Gen­er­a­tio­nen angelegt? 

Es gilt zunächst die weltweit wirk­enden Gewal­tap­pa­rate zu begren­zen und
zu
reduzieren. Dazu ist an einem Platz wie Witt­stock, wo mit Arbeitsplätzen
(beim Bund) geködert, aber die regionale Entwick­lung abge­brochen wird,
ein
geeigneter und wichtiger Ansatzpunkt. 

Auf in die FREIe HEIDe!

— am B‑day (dem Tag, an dem die ersten Bomben auf die FREIe HEI­De fall­en sollen), wollen wir das Gelände durch unsere per­sön­liche Anwe­sen­heit vor
Bomben­ab­wür­fen schützen. Wir wer­den euch über unsere konkreten Aktionen
informieren, wenn es zu ein­er Inbe­trieb­nahme kom­men sollte.
— wir wollen aber auch schon vorher aktiv wer­den, damit es erst gar
nicht
soweit kommt: 

Aktion­scamp vom 25.Juli — 3.August

mit Aktio­nen am und auf dem Gelände der FREIen HEI­De, wie
Protestwanderungen
und zivilen Platzin­spek­tio­nen wollen wir unsere Ablehnung der
Kriegsvor­bere­itung öffentlich machen und den mil­itärischen Betrieb
stören. 

PROGRAMM:

25.Juli, 18.00 Uhr: Begrüßung/Abendessen/Kennenlernabend

26.Juli: Tag der FREIen HEIDe

Es wer­den gelän­dekundliche Aus­flüge “auf den Spuren der FREIen HEI­De” mit
Fahrrad, Boot oder auch hoch zu Ross für alle Inter­essierten angeboten.

20.00 Uhr: FREIe HEI­De im Rück­blick und Aus­blick (Vor­trags- und
Diskus­sion­s­abend mit Dias, Fil­mauss­chnit­ten und Men­schen aus der Region)

27.Juli‑2.August:

Die schö­nen Wälder und Seen laden alle fried­lieben­den Men­schen ein, ohne
Uni­form zu baden, Wan­derun­gen und Rad­touren in die Wald- und
Heidelandschaft
zu unternehmen und sich auf Trans­par­enten zu son­nen. Wir wollen an jedem
Tag
an unter­schiedliche Per­so­n­en und Ansätze in der Friedens­be­we­gung auf
Ver­anstal­tun­gen und Diskus­sio­nen anknüpfen und der Forderung nach einer
FREIen HEI­De mit Aktio­nen Zivilen Unge­hor­sams Nach­druck verleihen.

3.August, 14.00 Uhr: Gemein­same Abschlus­sak­tion mit der BI FREIe HEIDe 

Bezugs­grup­pen­find­ung

Wir bit­ten alle Teil­nehmerIn­nen, sich in Bezugs­grup­pen zu organisieren,
denn
die gemein­same Vor­bere­itung, Anreise und Aktions­durch­führung wird
dadurch
bess­er und macht ein­fach mehr Spaß. Die Bezugs­grup­pen­bil­dung ist auch
während der Aktion­stage möglich. Entschei­dun­gen sollen über einen
mod­erierten SprecherIn­nen­rat, der aus SprecherIn­nen aller Bezugsgruppen
beste­ht, getrof­fen werden. 

Was soll­tet ihr mitbringen?

Um die organ­isatorische Vor­bere­itung in Gren­zen zu hal­ten, bit­ten wir
Tasse,
Teller und Besteck, sowie Regen­schutz und je nach Bedarf Isomatten,
Schlaf­säcke und Zelt selb­st mitzubrin­gen. Auch den Ausweis möglichst
nicht
vergessen!
Fahrräder sind in dem weitläu­fi­gen Gebi­et von großem Vorteil. Widerstand
soll auch fröh­lich sein. Bringt deshalb bitte auch Musikinstrumente,
Drachen
und Boote mit, soweit möglich. 

Wie hoch ist der Teilnahmebeitrag?

nach Selb­stein­schätzung 7–15 ?/Tag incl. Verpfle­gung. Gerne ka
nn auch
mehr
gespendet wer­den. Nie­mand soll aus Kosten­grün­den auf die Teilnahme
verzicht­en müssen. Bitte set­zt euch dies­bezüglich mit uns in Verbindung! 

Wie kommt ihr zum Camp?

Wir richt­en ein ständi­ges Camp auf dem Natur­camp­ing­platz am Dranser See
ein.
Der Camp­ing­platz liegt in der Nähe von Schwein­rich, östlich von
Wittstock.
Das Gebi­et rund um die FREIe HEI­De Witt­stock ist sehr weitläu­fig. Je
nach
Anreise­tag kann der Ort vom Camp­ing­platz bei Schwein­rich abwe­ichen, am
Camp­ing­platz find­et ihr aber jed­erzeit einen Infop­unkt der Aktion. Bitte
meldet euch an (per Coupon oder im Inter­net), damit wir die
Teilnehmerzahl
abschätzen kön­nen. Ihr bekommt dann auch detail­lierte Infor­ma­tio­nen zu
den
Anreisemöglichkeit­en und über die geplanten Aktionen. 

Infor­ma­tio­nen zur aktuellen Entwick­lung, zu den Aktio­nen sowie Anmeldung
und
Anrei­se­in­for­ma­tio­nen find­et ihr auch auf der Internetseite
www.freieheide-nb.de/resistnow oder www.resistnow.freieheide-nb.de.

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Am 25.11.20 von 12:00 – 15:00 Uhr rufen Women in Exile & Friends zu ein­er Kundge­bung vor dem BAMF und dem Lager Eisen­hüt­ten­stadt, (Post­straße 72, 15890 Eisen­hüt­ten­stadt) auf.
Neu­rup­pin — In Neu­rup­pin haben sich Internationalist*innen der „Inter­na­tionalen Woche der Sol­i­dar­ität und des Wider­standes“ angeschlossen und Parteibüros und Banken besucht, um gegen die deutsche Kriegs­beteili­gung zu protestieren. 

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