24. Februar 2005 · Quelle: LR

Riesige Bombentrichter in der Blechenstraße”

(LR, 16.2.) Mehr als 1000 Tote und 13 000 Obdachlose, so benan­nte Stef­fen Krestin,
Leit­er der Stadt­geschichtlichen Samm­lun­gen, gestern Abend im über­füll­ten
Win­ter­garten des Cafés Zelig die Schreck­ens­bi­lanz des 15. Feb­ru­ars 1945 für
Cot­tbus. Die RUNDSCHAU hat­te ein­ge­laden zu ein­er gemein­samen Ver­anstal­tung
der Rei­hen “Lausitzer Lesart” und “Geschicht­en zur Stadt­geschichte” . Im
Gespräch mit Johann Leg­n­er, stel­lvertre­tender Chefredak­teur der RUNDSCHAU,
dem Cot­tbuser Muse­ums-Chef und dem Pub­likum war Jörg Friedrich, Autor des
Best­sellers über den Bombenkrieg “Der Brand” .

Der Cot­tbuser Bahn­hof sei nur ein Auswe­ichziel für die am Mor­gen des 15.
Feb­ru­ar 1945 ges­tartete 8. amerikanis­che Luft­flotte gewe­sen, so Krestin.
Dichte Bewölkung hätte die geplanten Angriffe auf Böhlen, Ruh­land und
Magde­burg ver­hin­dert. In Cot­tbus schien die Sonne, als der Angriff 11.51 Uhr
begann. “In nur ein­er halbe Stunde” , so Krestin, “klink­ten mehr als 400
Flugzeuge 4000 Spreng­bomben aus.” Allein auf dem Gelände des Kranken­haus­es
seien über 90 Ein­schläge gezählt wor­den.

Als beson­ders ver­heerend habe sich die Explo­sion eines Muni­tion­szuges
erwiesen, der am Vor­mit­tag in den Bahn­hof einge­fahren war.

Was der Bombenkrieg für die Zivil­bevölkerung bedeutete, machen
Erin­nerungs­berichte von Cot­tbusern deut­lich. “Bran­itzer (Straße) 44 total
zer­stört” , las Stef­fen Krestin aus dem Tage­buch ein­er Fam­i­lie. “Unsere
Woh­nung daneben lädiert. Wir müssen ausziehen und wis­sen noch nicht wohin .
. . Kaum eine Fen­ster­scheibe in der Stadt ist erhal­ten. Daheim ist nicht mal
Licht. Die Stadt wird langsam richtig leer.”

In einem anderen Bericht heißt es: “Von der Marien­straße bis zum Berlin­er
Hof Trüm­mer­berge. Die Bahn­hof­s­traße nicht passier­bar, riesige Bomben­trichter
in der Blechen­straße, über­all Leichen­berge.”

Die Lutherkirche sei durch keinen unmit­tel­baren Bomben­tr­e­f­fer zer­stört
wor­den, so Stef­fen Krestin. Vielmehr hät­ten die Flam­men von den benach­barten
Wohn­häusern auf den Kirchen­bau überge­grif­f­en.

Die Tage des Krieges dürften nicht vergessen wer­den, sagte der
Muse­ums­di­rek­tor. “Und wir müssen darüber nach­denken, wie es dazu gekom­men
ist?” Es müsse auch gefragt wer­den, “wieso ein Kranken­haus getrof­fen wird,
das deut­lich mit einem Roten Kreuz gekennze­ich­net war.” Es gehe darum, die
Ereignisse so aufzuar­beit­en, “dass wir die Lehren aus der Geschichte ziehen”
.

Die wichtig­ste Lehre für den Cot­tbuser His­torik­er heißt, “dass Krieg keine
Lösung bringt, son­dern sehr viel Leid und Trauer” . So trage auch der
His­torik­er Jörg Friedrich dazu bei, sagte Johann Leg­n­er, “bess­er zu
erk­lären, was hin­ter dem 15. Feb­ru­ar steckt” .

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