12. Juni 2003 · Quelle: JDJL

Risse in die Festung — Was bleibt in Eisenhüttenstadt?


Die Demo

Gefes­selt


Eine Pas­san­tin informiert sich


Die Kundge­bung


Fes­t­nahme an der “Gren­ze”


Flug­blät­ter-Verteilung

Risse in die Fes­tung — Was bleibt in Eisen­hüt­ten­stadt?
Einige der Ver­anstal­terIn­nen des Anti­ras­sis­tis­chen Pfin­gst­camps ziehen Bilanz

Auf den ersten Blick schien das diesjährige Anti­ras­sis­tis­che Pfin­gst­camp ein Erfolg. Vier Tage Diskus­sio­nen und Arbeits­grup­pen, eine Innen­stad­tak­tion und eine Aktion an der Abschiebe­haf­tanstalt. Ein Camp, an dem sich neben Linken und Anti­ras­sistIn­nen aus dem Land Bran­den­burg eben­so viele
Migran­tInnen beteiligten.

Das Ganze nur wenig getrübt durch kleinere Zwis­chen­fälle mit Nazis und Beschimp­fun­gen durch Beamte der LESE (Polizeiein­heit aus Pots­dam — Strafanzeigen wur­den bere­its erstat­tet).

Jet­zt, nach­dem das Camp vor­bei ist, stellt sich die Frage: Was bleibt? Die Sit­u­a­tion in der ZABH, der Zen­tralen Erstauf­nah­meein­rich­tung für Asyl­be­wer­berIn­nen, und in der Abschiebe­haf­tanstalt sind nach wie vor schlecht.
Außer einem Pfar­rer aus Berlin, der alle zwei Wochen Men­schen in Abschiebe­haft besucht, gibt es kein­er­lei Kon­takt nach außen. Vor­fälle, wie der Selb­st­mord­ver­such ein­er jun­gen Keni­aner­in, die in Haft Haar­färbe­mit­tel zu sich nahm, drin­gen nicht an die Öffentlichkeit.

Wie es genau in dem durch mehrere Stachel­drahtzäune von der Außen­welt abgeschot­teten Abschiebek­nast zuge­ht weiß kaum jemand. Hier sind Men­schen einges­per­rt, deren einziges Verge­hen es ist, in der Fes­tung Europa nicht
erwün­scht zu sein.

Gab es vor zwei Jahren noch Ver­suche von anti­ras­sis­tis­chen Grup­pen einen kon­tinuier­lichen Kon­takt und eine juris­tis­che Betreu­ung zu gewährleis­ten, ist davon nichts mehr übrig geblieben. Die Flüchtlinge aus der ZABH, die sich oft erst seit kurz­er Zeit in Deutsch­land befind­en, haben auf dem Camp
ver­mut­lich Hoff­nun­gen geschöpft, die sich so sich­er nicht ein­lösen lassen.

Es wird ihnen, wenn über­haupt, sich­er nicht häu­fig wieder passieren, dass sie ohne von Nazis bedro­ht und von ras­sis­tis­chen Nor­mal­bürg­ern miß­trauisch beäugt mehrere Tage mit anderen Men­schen ver­brin­gen wer­den.

Wenn die Wirkung des Camps nicht ver­puffen soll, muss also mehr geschehen. Deshalb laden wir alle ein, die Inter­esse haben — egal in welch­er Weise — zur ZABH oder zum Abschiebek­nast zu arbeit­en, sich mit uns und
Flüchtlings­selb­stor­gan­i­sa­tio­nen in Verbindung zu set­zen. Eisen­hüt­ten­stadt ist am äußer­sten Rand von Bran­den­burg, uns ist daher klar, dass es sehr schwierig sein wird, mit mehreren Leuten kon­tinuier­lich zu diesem The­ma zu
arbeit­en. Allerd­ings ist auch klar: Wer, wenn nicht wir?

Wer Inter­esse hat, sich weit­er mit dem Abschiebek­nast und der ZABH zu beschäfti­gen — sei es durch Besuche von Häftlin­gen oder durch Öffentlichkeit­sar­beit etc. — kann sich
unter post@jdjl-brandenburg.de melden.


(Infori­ot) Einen kleinen Ein­blick in das Cam­pleben über Pfin­g­sten bieten zwei auf Infori­ot erschienene Berichte: Über die Innen­stad­tak­tion und die Demo sowie über die Kundge­bung vor der ZAST. Desweit­eren lohnt sich das Lesen des Cam­paufrufs und ein Blick ins Infori­ot-Archiv für all­ge­meinere Infos über ZABH und ZAST in Eisen­hüt­ten­stadt.



Abschiebeknäste öff­nen!


Gren­zen auf!


Die Abschiebung


Ein Blick auf den echt­en Abschiebek­nast

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