20. August 2002 · Quelle: AOW / Inforiot

Rudolf-Hess-Demo am Sonnabend in Wittstock — Inzwischen abgesagt

Rudolf-Hess-Aufk­le­ber: Nazipro­pa­gan­da-Welle über­flutete das Westhavelland

(AOW) In den bei­den west­havel­ländis­chen Städten Rathenow und Prem­nitz sowie in der Gemeinde Hohenauen, wur­den in der Zeit vom 15. bis 18.August recht­sex­treme Aufk­le­ber, Plakate und Fly­er ent­fer­nt, die im Zusam­men­hang mit dem Todestag des NS-Kriegsver­brech­ers Rudolf Hess von Neon­azis gek­lebt wurden. 

 

Beson­ders hoch war dabei die Anzahl der aufge­taucht­en Aufk­le­ber, min­destens 284. Das heißt, in drei Tagen wurde mehr verklebt (und ent­fer­nt), als in den Monat­en Jan­u­ar bis Juli 2002 und sog­ar mehr als im gesamten Jahr 2001.
Ins­ge­samt ist die Anzahl der ent­fer­n­ten Aufk­le­ber im laufend­en Jahr damit auf 509 und damit auf den bish­eri­gen Höch­st­stand seit 1945, möglicher­weise über­haupt gestiegen.
Unge­fähr 90 Prozent des gesamten Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­als, welch­es in diesen Tagen auf­tauchte, wurde in der havel­ländis­chen Kreis­stadt Rathenow ent­fer­nt. Dort löste die Polizei auch eine Gedenkver­anstal­tung in einem Tre­ff­punkt von Neon­azis in einem Gara­genkom­plex in der Kleinen Walde­marstraße auf. Hitler und Hess­bilder, eine Reich­skriegs­flagge, mehrere Ton­träger sowie die Musikan­lage wur­den polizeilich beschlagnahmt.
Damit hat­ten die sich dort tre­f­fend­en Neon­azis gle­ich dop­pelt Pech. Bere­its am 23.Juli durch­sucht­en Antifas die Garage und stell­ten u.a. fünf Fah­nen, 22 Ton­träger, mehrere Flug­blät­ter und Hitler­bilder sicher. 

 

Unschön hinge­gen war eine Polizeiak­tion in den frühen Mor­gen­stun­den des 17.Augustes. Sechs junge Män­ner wur­den von mehreren Ein­satzwa­gen gestoppt und mussten ihre Per­son­alien abgeben, als sie Aufk­le­ber mit der Auf­schrift „Rudolf Hess — Mär­tyr­er für Deutsch­land“ entfernten. 

 

Vorge­blich­er Grund für die „Fah­n­dungskon­trolle“: Die jun­gen Män­ner hät­ten herumgelungert und hät­ten sich dadurch verdächtig gemacht. 

 

Als den PolizistIn­nen mit­geteilt wurde, das hier Nazipro­pa­gan­da ent­fer­nt würde, weil gewisse Beamte dazu anscheint zu unfähig waren, wurde ent­geg­net: „Davon haben wir schon genug abgemacht“ und „Wir sind doch nicht die Putzkolonne“. 

 

Antifaof­fen­sice Westhavelland

 

Hess-Demo in Witt­stock / Hintergründe

 

(Infori­ot) Am kom­menden Sonnabend, dem 24.8., sollte in Witt­stock eine Hess-Gedenkde­mo stat­tfind­en. Inzwis­chen wurde die Demo abge­sagt weil, so die Nazis, wegen der Flut “an Elbe und Mulde jede Hand gebraucht wird um Schaden abzuwen­den oder zu beheben”.
Dieser “Rudolf-Hess-Gedenkmarsch Nord­deutsch­land” sollte im Rah­men der bun­desweit­en Hess-Gedenkwoche stat­tfind­en, deren Höhep­unkt die Nazide­mo in Wun­siedel war. Auch 2001 demon­stri­erten 70 Nazis in Witt­stock in Gedenken an Rudolf Hess. Der Auf­marsch war vom NPD-Kreisvor­sitzen­den Mario Schulz angemeldet worden. 

 

Auch die Lokalaus­gabe der MAZ berichtete über die recht­en Pro­pa­gan­daak­tio­nen im West­havel­land: Rathenow/Premnitz: Rechte Aufk­le­ber und Pro­pa­gan­da­ma­te­ri­alien. Berichte über ähn­liche Vor­fälle liegen zudem aus Schwarzhei­de und Ruh­land (Süd­bran­den­burg) sowie Pren­zlau und Umge­bung vor. Mitte Juli wurde ein Textblatt zu einem Hess-Geden­klied in einem Jugend­klub in Münchehofe gemeldet. 

 

Hin­ter­gründe zur Naziszene im West­havel­land sind in der Online­broschüre eines Antifa-AutorIn­nen-Kollek­tivs nachzulesen.

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