28. November 2010 · Quelle: Linke Aktionsgruppe Eberswalde

RWE an der HNEENEE!!!

Eberswalde - RWEs Greenwashing-Kampagne an der Hochschule für "nachhaltige" Entwicklung

Am 29.11.2010 geschieht skan­dalös­es an der so genan­nten Hochschule für ‘’nach­haltige” Entwick­lung (HNE), denn im Rah­men der Mas­ter Class Course Con­fer­ence “Renew­able Ener­gies” wird einem der größten Atom­strom- und Kohlelob­by­is­ten Deutsch­lands eine Plat­tform für eine Green­wash­ing-Kam­pange geboten, ohne Raum für Kri­tik und Diskus­sio­nen zur Ver­fü­gung zu stellen, das heißt im Klar­text, die Lob­by­is­ten der Kohlein­dus­trie kön­nen in Ruhe unter dem Dach der Hochschule eine Wer­bev­er­anstal­tung hal­ten, ohne dass kri­tis­che Stim­men offiziell einen Platz im Pro­gramm haben.

Der Ref­er­ent Herr Gassner ist Leit­er der Abteilung Märk­te und Poli­tik bei der RWE Inno­gy GmbH und wird über “Erneuer­bare Energien — gemein­sam für Europa” sprechen. Um sich aber wirk­lich eine aus­ge­wo­gene und fundierte Mei­n­ung zu einem The­ma bilden zu kön­nen, muss solch eine Prob­lematik, ger­ade wenn sie so entschei­dend und wichtig für die zukün­ftige Energiegewin­nung ist, von ver­schiede­nen Blick­winkeln beleuchtet und bedacht wer­den kön­nen. Dies ist aber in dem engen Pro­gramm der HNEE nicht vorge­se­hen. Es wird schlicht kein zeitlich­er Raum dafür zur Ver­fü­gung gestellt.

So wird eine ein­seit­ige Sichtweise, die der gewin­nori­en­tierten Energiekonz­erne, welche schon eine monop­o­lis­tis­che Stel­lung auf dem Energiemarkt haben, dargestellt mit­tels des vor­lesungsüblichen Duk­tus des Frontalun­ter­richts ohne eine Ein­beziehung der Hör­er. Kri­tis­ches Mit­denken ist aus­drück­lich nicht erwünscht.Um den Skan­dal bess­er nachvol­lziehen zu kön­nen, hier ein paar Fak­ten über den Konz­ern RWE: 70% der von RWE pro­duzierten Energie stammt aus Braun- und Steinkohle­ver­bren­nung. Das ist die kli­maschädlich­ste Stromerzeu­gungsmeth­ode, bei der RWE jährlich etwa 170.000.000 Ton­nen CO² ausstößt. Somit ist allein RWE für 20% der gesamten CO²-Emis­sio­nen Deutsch­lands ver­ant­wortlich.

Außer­dem wer­den 20% der RWE-Energie mit­tels Atom­kraft hergestellt und das obwohl wed­er die End­lager­prob­lematik gek­lärt ist, sowie die so genan­nte ”Brück­en­tech­nolo­gie” den Aus­bau und die Entwick­lung der Erneuer­baren Zukun­ft­stech­nolo­gie behin­dert, welche sieben Mal mehr Arbeit­splätze bietet als die kli­maschädliche Atom­en­ergie. Denn die AKWs sind zu unflex­i­bel, um das schwank­ende Energieange­bot der Erneuer­baren zu ergänzen, d.h. schon heute müssen Wind­kraftan­la­gen abgeschal­tet wer­den, weil Atom­strom die Net­ze verstopft.Hinzu kommt, dass der Anteil an Erneuer­baren Energien bei RWE in Deutsch­land 2009 nur 1,1% seines Stroms betrug, während der Anteil der Erneuer­baren Energien beim Brut­tostromver­brauch bere­its bei 16% lag.

Bei diesen Infor­ma­tio­nen läuft einem ein kalter Schauer über den Rück­en und man fragt sich, was so ein Mitar­beit­er solch eines Konz­erns über Erneuer­bare Energien erzählen sollte. Wäre es nicht bess­er einen Fachmann/frau beispiel­sweise von den Elek­triz­itätswerken Schö­nau einzu­laden und zu diesem The­ma referieren zu lassen? Die Elek­triz­itätswerke Schö­nau erzeu­gen 90,9% ihres Stromes Mit­tels Erneuer­bar­er Energien, z.B. wer­den 73% aus Wasserkraft in Neuan­la­gen pro­duziert. Die restlichen 9,1% wer­den mit gas­be­trieben­er, hochef­fizien­ter Kraft-Wärme-Kop­plung hergestellt. Aber nein, die E‑Werke Schö­nau haben wed­er so viel Geld, noch so eine ein­flussre­iche Lob­by wie RWE, Vat­ten­fall etc. hin­ter sich.

Hier zeigt sich wieder, dass es nicht gut ist, wie es im Kap­i­tal­is­mus die Norm ist, dass Bil­dung zur Ware wird und Hochschulen zu Unternehmen, die nicht mehr das Hauptziel haben Wis­sen zu ver­mit­teln und zum Kri­tis­chen Denken an zu regen, son­dern Hochschulen sind dem kap­i­tal­is­tis­chen Mark­tzwän­gen unter­wor­fen, um ihre Lehre zu finanzieren, denn im Bil­dungssek­tor wer­den immer fröh­lich die Gelder gestrichen, ob die regieren­den Mar­i­onet­ten der Konz­erne nun rot-grün oder schwarz-gelb sind, spielt dabei nur eine neben­säch­liche Rolle.Um der ganzen Ver­anstal­tung an der HNE noch die Kro­ne auf zu set­zen, spricht zwei Stun­den vorher in der gle­ichen Ver­anstal­tung nur unter dem Titel „CCS — Inno­v­a­tive Lösun­gen zum Kli­maschutz aus Bran­den­burg“ Dr. Klaus Frey­tag, der Präsi­dent vom Lan­desamt für Berg­bau, Geolo­gie und Rohstoffe Bran­den­burg. Die CCS-Tech­nolo­gie wird von Energiekonz­er­nen wie E.ON, RWE und Vat­ten­fall als Recht­fer­ti­gung für den Bau neuer Kohlekraftwerke benutzt, kommt aber viel zu spät, denn bish­er wer­den nur Tes­tanla­gen gebaut und ob diese wirk­lich sich­er sind, ste­ht noch in den Ster­nen.

Hinzu kommt, dass die CCS-Tech­nolo­gie nicht nur gefährlich ist, denn an undicht­en Stellen, an welchen CO² hochkonzen­tri­ert aus­tritt, wür­den Men­schen­leben gefährdet sowie Boden und Grund­wass­er verseuchen wer­den. Diese Tech­nolo­gie ist außer­dem noch extrem kosten- und energiein­ten­siv, sowie immer noch in der Test­phase. Also, kann am sel­ben Tag ein zweit­er Lob­by­ist fröh­lich Green­wash­ing, in diesem Fall für eine unsichere, unökol­o­gis­che und inef­fiziente Tech­nolo­gie, betreiben. Was soll man dazu noch sagen?

Zum Glück regt sich Wider­stand gegen das Green­wash­ing und der Käu­flichkeit der HNEE, denn ini­tiert von der Grü­nen Jugend und in Koop­er­a­tion mit der LINKEN AKTIONSGRUPPE EW find­et eine Aufk­lärungsak­tion über die Machen­schaften RWEs statt, die zum Ziel hat die Teilnehmer_innen dieser, aus ökol­o­gis­ch­er Sicht frag­würdi­gen Ver­anstal­tung, über die genauen Hin­ter­gründe zu informieren. Dies geschieht mit­tels ein­er Fly­er­ak­tion. Auf den Fly­ern wird auch dazu aufgerufen Her­rn Gassner mit diesen Fak­ten zu kon­fron­tieren. Da die Teilnehmer_innen auch ein Pro­tokoll der Ver­anstal­tung anle­gen müssen, wer­den wir sie auf­fordern diese Fak­ten auch in das Pro­tokoll aufzunehmen. Außer­dem wer­den wir zum Zeit­punkt des Vor­trages mit einem Trans­par­ent, Atom­fässern und einigem mehr zuge­gen sein, um den Vor­trag nicht kri­tik­los über die Bühne gehen zu lassen und unserem Protest nach­drück­lich Aus­druck zu ver­lei­hen.

Unser Ziel ist es, den Wider­spruch deut­lich zu machen, der zwis­chen dem Namen der Hochschule (für Nach­haltige Entwick­lung) und diesem Green­wash­ing von RWE beste­ht. Solche Vorträge soll­ten an der HNEE keine Bühne bekom­men! Als wir den Hör­saal stürmten und die Ver­anstal­tung block­ierten, kam es zu ein­er Diskus­sion mit dem Präsi­den­ten der Hochschule, der uns Aktivis­ten dann zur kostelosen Teil­nahme ein­lud, die wir an nah­men. So ent­stand eine Möglichkeit an der Poli­tik der HNE sowie dem Konz­ern nochmals aus­drück­lich Raum zu ver­lei­hen, was wir auch inten­siv nutzten. Da an der Diskus­sion auch viele erst unbeteiligte Stu­den­ten mit­macht­en, war die Aktion ein voller Erfolg, denn man kann nun hof­fen, dass die Organ­isatoren der HNE es sich noch ein­mal gründlich über­legen, ob sie solche Lob­by­is­ten ein­laden…

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