13. Mai 2003 · Quelle: MAZ

Sächsische Skinheads in Südbrandenburg

PLESSA Die als krim­inelle Vere­ini­gung ver­botene mil­i­tante
Neon­azi-Organ­i­sa­tion “Skin­heads Säch­sis­che Schweiz” (SSS) ver­sucht
offen­bar
getarnt, Ein­fluss in Bran­den­burg zu gewin­nen. Unter den 150
Kurzhaari­gen in
Springer­stiefeln, die sich am Woch­enende zu ein­er Musikver­anstal­tung in
Plessa (Elbe-Elster) trafen, befand sich nach Infor­ma­tio­nen der MAZ
auch der
24-jährige Thomas R. aus Strup­pen bei Pir­na in Sach­sen. Der
Kfz-Mechaniker
galt als Num­mer zwei in der Hier­ar­chie der SSS. Gemein­sam mit sechs
weit­eren
Führungskadern muss sich R. wegen gefährlich­er Kör­per­ver­let­zung,
Land­friedens­bruchs und Volksver­het­zung seit einem Jahr vor dem
Landgericht
Dres­den ver­ant­worten.

 

R.s Aufen­thalt in Bran­den­burg war offen­bar kein Zufall. Nach Auskun­ft
von
Ken­nern der recht­sex­tremen Szene hält sich Thomas R. an fast jedem
Woch­enende in Süd­bran­den­burg auf. Er ver­folge wahrschein­lich einen
Auf­trag,
heißt es. Ver­mutet wird, dass R. neue Struk­turen auf­bauen und
Ver­flech­tun­gen
zwis­chen der bran­den­bur­gis­chen und säch­sis­chen Neon­azi-Szene her­stellen
soll.

 

Ob neben R. weit­ere ehe­ma­lige SSS-Kad­er in Bran­den­burg aktiv sind, muss
noch
geprüft wer­den. Der säch­sis­che Ver­fas­sungss­chutz geht davon aus, dass
die
gewal­to­ri­en­tierte Organ­i­sa­tion trotz ihres Ver­botes im April 2001 im
Unter­grund weit­er­hin aktiv ist — allerd­ings bess­er getarnt.

 

Eine Aktiv­ität der SSS in Bran­den­burg würde das Gewalt­po­ten­tial der
Neon­azi-Szene erhe­blich steigern. Die SSS ist für Bru­tal­ität und
Mil­i­tanz
berüchtigt. Bei der Durch­suchung von 51 Woh­nun­gen im Juni 2000
ent­deck­te die
säch­sis­che Polizei ein Waf­fen­lager mit mehr als zwei Kilo­gramm
TNT-Sprengstoff, Teilen von Hand­granat­en, schar­fen Zünd­vor­rich­tun­gen,
Muni­tion und Pis­tolen. Nach Auskun­ft des Infor­ma­tions­di­en­stes gegen
Recht­sex­trem­is­mus (IDGR) hat­ten Mit­glieder der SSS schon zuvor mit
Sprengstoff exper­i­men­tiert. Zudem seien sie paramil­itärisch aus­ge­bildet
wor­den. “In Deutsch­land kam es zur Aus­bil­dung an Hand­feuer­waf­fen, in
Tschechien auch an schw­eren Waf­fen.”

 

Nach Ein­schätzung des Lan­deskrim­i­nalamts Sach­sen, so IDRG, ist die SSS
“eine
mil­i­tante und straff organ­isierte Neon­azi-Grup­pierung, deren
poli­tis­ches
Ziel es ist, Men­schen ander­er Haut­farbe, aus anderen Län­dern, Linke und
Ander­s­denk­ende mit Mit­teln der Gewalt zu bekämpfen”. Laut Dres­den­er
Staat­san­waltschaft soll R. an einem Über­fall auf eine Gruppe junger
Leute an
der Elbe bei Pir­na beteiligt gewe­sen sein. Die Opfer wur­den mit
Knüp­peln,
Schlagstöck­en und Springer­stiefeln ange­grif­f­en. In dem noch andauern­den
Prozess vor dem Dres­den­er Landgericht war R. der einzige der sieben
Angeklagten, der die Antwort auf die Frage des Richters nach ein­er
Zusam­me­nar­beit mit staatlichen Behör­den ver­weigerte. Sei­ther hält sich
das
Gerücht, R. könne ein V‑Mann sein.

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