23. November 2005 · Quelle: ND

Sand und Öl im Getriebe der WASG

Während Linkspartei und Wahlal­ter­na­tive Arbeit & soziale Gerechtigkeit (WASG) in anderen Bun­deslän­dern so ihre Prob­leme miteinan­der hat­ten, ging es in Bran­den­burg bish­er vor­wiegend kusche­lig zu. Doch zulet­zt gab es Hin­weise, dass sich nun in der märkischen WASG Wider­stand gegen den Fusion­skurs formiert.
In der Linkspartei ist das reg­istri­ert wor­den. Erst ein­mal abwarten, was auf der Tagung des WASG-Lan­desrates am 26. Novem­ber in Pots­dam-Drewitz passiert, lautete Ende ver­gan­gener Woche die Devise. Am Mon­tag ging dann bei »Neues Deutsch­land« eine anonyme E‑Mail ein. »Falls es für Sie inter­es­sant sein sollte, mache ich Sie darauf aufmerk­sam, dass es in der WASG Bran­den­burg, anders als vom Lan­desvor­stand dargestellt, erhe­bliche Dif­feren­zen zur weit­eren Arbeit mit der Linkspartei gibt«, stand da. Bei der Sitzung des Lan­desrates im Gasthaus »Lin­den­hof« werde es »mit Sicher­heit« zu »erhe­blichen Auseinan­der­set­zun­gen« kom­men. Unterze­ich­net hat­te »Ein besorgter WASG-Sym­pa­thisant«.
Offen­bar ist die E‑Mail an ver­schiedene Redak­tio­nen gesandt wor­den. Am Dien­stag erschien in ein­er Tageszeitung ein Beitrag mit der Über­schrift: »Linke Wahlal­ter­na­tive vor der Zer­reißprobe«. Ein kat­e­gorisches Nein zum Zusam­men­schluss mit der Linkspartei komme zum Beispiel aus dem Kreisver­band Ostprignitz/Prignitz, ist da nachzule­sen. Von diesem Kreisver­band war gestern nie­mand zu erre­ichen.
Wie die Gemen­ge­lage tat­säch­lich ist, lässt sich nicht hun­dert­prozentig sagen. Nor­bert B. Gillmeis­ter vom Kreisver­band Ober­hav­el berichtet davon, dass es zunächst ein­mal Kri­tik daran gebe, wie der Lan­desvor­stand an ein­er Fusion arbeite, ohne Kon­takt zur Basis zu suchen. Darüber hin­aus sei der Zusam­men­schluss mit der Linkspartei auch an sich umstrit­ten.
Ernest Eschler vom Kreisver­band Ober­spree­wald-Lausitz meint hinge­gen: »Wir brauchen eine Bün­delung aller linken Kräfte.« Dafür seien im Grunde alle WASG-Leute in Ober­spree­wald-Lausitz. Gestrit­ten werde lediglich über den Zeit­punkt der Fusion.
»Wir sind für die Fusion, soweit ich das über­schaue«, erzählt Arno Damm. Er ist Schatzmeis­ter in der Uck­er­mark und kann die Sit­u­a­tion gut über­schauen, denn der Kreisver­band Uck­er­mark zählt lediglich sieben Mit­glieder.
Rain­er Heen­e­mann, Vor­standssprech­er im Barn­im, liegt per­sön­lich daran, »alle willi­gen linken Kräfte mitzunehmen«. Mit dem Sozial­ab­bau müsse Schluss gemacht wer­den. Her­ta Ven­ter, stel­lvertre­tende WASG-Vor­sitzende in Cot­tbus, weiß von keinen »Ani­mositäten« gegenüber der Linkspartei und hat gegen eine später Fusion nichts einzuwen­den. In Cot­tbus klappe die Zusam­me­nar­beit gut. Von Kri­tik am Lan­desvor­stand hörte Ven­ter in ihrem Kreisver­band noch nichts.
Bei der Pots­damer WASG tritt laut Vor­standssprech­er Stef­fen Enke eine »riesen­große Mehrheit« für den Zusam­men­schluss mit der Linkspartei ein. Es gebe hier auch defin­i­tiv keine Prob­leme mit dem eige­nen Lan­desvor­stand, ver­sichert Enke.
»Fast ein­stim­mig« ist man in Pots­dam-Mit­tel­mark der Ansicht, dass ein bedächtiger Weg zu ein­er Fusion eingeschla­gen wer­den sollte. Man stelle sich höch­stens die Frage, wie der Zusam­men­schluss von­stat­ten gehen soll – langsamer oder schneller, erläutert Ronald Kurtz. »Manche wollen es sehr viel schneller.« Kurtz ist nicht nur Schatzmeis­ter im Kreisver­band Pots­dam-Mit­tel­mark, son­dern auch noch kom­mis­sarisch­er Schatzmeis­ter im Lan­desver­band. Sind vielle­icht zehn Prozent der märkischen WASG-Leute gegen eine Fusion mit der Linkspartei? »Weniger«, glaubt Kurtz.
Das Herumhören in den Kreisver­bän­den legt die Ver­mu­tung nahe, dass von ein­er dro­hen­den Zer­reißprobe nicht die Rede sein kann. Der Lan­desvor­sitzende Her­bert Driebe rech­net aber doch damit, dass es im Lan­desrat »knirschen« kön­nte. Allerd­ings werde wohl genug Öl vorhan­den sein, um das Getriebe am Laufen zu hal­ten. Der WASG-Lan­desver­band hat rund 200 Mit­glieder.

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