10. Juli 2002 · Quelle: lausitzer rundschau

Schaufensterscheiben gingen zu Bruch

Für zwei viet­name­sis­che Geschäfts­be­sitzer in Wit­tichenau begann der Sonnabend mit ein­er bösen Über­raschung. Durchs Tele­fon waren sie geweckt wor­den. Am anderen Ende der Leitung teilte ihnen die Polizei mit, dass ihre Schaufen­ster in Wit­tichenau eingeschla­gen wur­den.

Wit­tichenau.

Die Betrof­fe­nen waren auch gestern noch schock­iert. Seit Anfang Mai betreibt Pham Van Quang (31) sein Geschäft, in dem es um gebratene Nudeln und knus­prige Ente geht. Der Imbiss hat gemütliche Sitzmöglichkeit­en und einen Straßen­verkauf. Bish­er sei alles recht gut ange­laufen, erzählt er. Ärg­er oder irgendwelche Auseinan­der­set­zun­gen habe es eben­falls nicht gegeben. Die Wur­fgeschosse wer­den von Pham Van Quang im Hin­ter­hof auf­be­wahrt. Sein Nach­bar, der seinen Obst- und Gemüse­laden erst vor ein­er Woche eröffnete, will über den Vor­fall nicht weit­er sprechen. Bös­er Jun­gen­stre­ich, Verse­hen, Racheakt oder gezielte Aus­län­der­feindlichkeit? Diese Frage, die sich nicht nur die Besitzer stellen, kon­nte bish­er allerd­ings noch nicht gek­lärt wer­den. Aus der Bautzen­er Polizei­di­rek­tion gab es gestern zunächst erst ein­mal eine Entschuldigung. Press­esprecherin Petra Kirsch war der Vor­fall am Woch­enende “durchgerutscht” . Deshalb suchte man die Mel­dung im offiziellen Bericht verge­blich. Die Fak­ten lieferte sie nach: Der Vor­fall muss sich in der Nacht von Fre­itag zu Sonnabend zwis­chen 21.30 Uhr und 5.15 Uhr ereignet haben. Der Schaden beträgt 1500 Euro, die Tat wird als Sachbeschädi­gung eingestuft. Für einen recht­sex­tremen Hin­ter­grund gäbe es bish­er keine Anhalt­spunk­te. Erste Zeu­gen seien ver­nom­men, Spuren vor Ort gesichert wor­den. Bere­its vor zwei Jahren gab es in Wit­tichenau einen ähn­lichen Vor­fall. Damals waren jew­eils zweimal die Fen­ster­scheiben der Pizze­ria Roma eingeschla­gen wor­den. Nach inten­siv­en Ermit­tlun­gen kon­nten Jugendliche für die Straftat ver­ant­wortlich gemacht wer­den. Heute gibt es große Rol­l­lä­den vor den Fen­stern, die ger­ade durch ein Wit­tichenauer Unternehmen instand geset­zt wer­den. Vielle­icht um sich vor neuen Attack­en zu schützen? Roma-Mitar­beit­er Mohmood Akhtar ist bere­its seit 1996 in Wit­tichenau und mit seinem Job zufrieden. “Wir kom­men seit langem hier recht gut mit den Leuten aus. Ich möchte darüber nicht mut­maßen, wer es gewe­sen sein kön­nte. Auf jeden­falls ist die Geschichte ganz schön trau­rig.” Die Mei­n­ung von Gerold Bartsch ste­ht hinge­gen wohl für die Gedanken viel­er Wit­tichenauer: “Es ist beschä­mend, was hier passiert ist” , verurteilte er. “Ich gehe gerne in den Laden, weil ich immer mit einem Lächeln begrüßt werde.” Eri­ka Kliche, die in Wit­tichenau arbeit­et, fügte hinzu: “Ich ver­ste­he die Leute nicht, die so etwas tun, warum wird über­all mit so roher Gewalt vorge­gan­gen?” Aus dem Wit­tichenauer Rathaus war gestern trotz mehrma­liger Ver­suche keine Stel­lung­nahme zu dem Vor­fall zu bekom­men.

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