1. Februar 2005 · Quelle: LR

Schläge und Tritte gegen zwei Kameruner

Stu­den­ten der BTU aus Kamerun sind am Woch­enende wahrschein­lich mit
aus­län­der­feindlichem Hin­ter­grund in Cot­tbus ange­grif­f­en wor­den. Wie die
Press­es­telle des Polizeiprä­sid­i­ums in Frank­furt (Oder) mit­teilt, wur­den zwei
Kameruner im Alter von 23 und 25 Jahren am Son­ntag gegen 5.30 Uhr auf der
Stadt­prom­e­nade beschimpft und geschla­gen. Als die bei­den Män­ner aus der
Dis­co «Sound» her­aus trat­en, begeg­neten sie ein­er Gruppe von sechs
Jugendlichen. Vier davon schlu­gen und trat­en auf die Kameruner ein. Danach
flüchteten die Angreifer.

Die Stu­den­ten entsch­ieden sich erst am Abend, den Vor­fall in der Cot­tbuser
Polizei­wache anzuzeigen. Nach Infor­ma­tion der Polizei klagten die bei­den
Män­ner über Ver­let­zun­gen im Kopf­bere­ich und woll­ten zum Arzt gehen.

Die Krim­i­nalpolizei des Polizeiprä­sid­i­ums, Außen­stelle Cot­tbus, ermit­telt zu
dieser Kör­per­ver­let­zung und prüft frem­den­feindliche Moti­va­tion.

Beim Aus­län­der­beauf­tragten der Stadt Cot­tbus, Michael Wegen­er, löste die Tat
gestern tiefe Betrof­fen­heit aus. «Das schlimm­ste daran ist, dass die
aus­ländis­chen Stu­den­ten nach solch ein­er Tat immer mehr verun­sichert wer­den.
Dabei gibt es in Cot­tbus einen Kamerun-Vere­in, der sehr rege ist und viele
Ver­anstal­tun­gen in und für Cot­tbus auf die Beine stellt.»

Als er gestern Nach­mit­tag bei dem Vere­ins-Vor­sitzen­den anrief, um mit ihm
über den Vor­fall zu reden, bekam Wegen­er den zweit­en Schreck: Der junge
Kameruner erzählte ihm, dass er sel­ber gemein­sam mit einem Begleit­er am
Sonnabend gegen 18 Uhr in einem Markt in der Schw­er­iner Straße von
Jugendlichen angepö­belt und bedro­ht wurde. Nur durch das ener­gis­che
Ein­greifen ein­er Kassiererin hät­ten die Jugendlichen von den Stu­den­ten
abge­lassen. Die bei­den Stu­den­ten hät­ten den Vor­fall nicht bei der Polizei
angezeigt.

«Ich bin erschüt­tert» , sagt Michael Wegen­er. «Trotz unser­er vielfälti­gen
Bemühun­gen zeigt die Sit­u­a­tion, dass wir keine Sicher­heit vor
aus­län­der­feindlichen Aktio­nen gewährleis­ten kön­nen. Das ist bedauer­lich.»

Betrof­fen zeigte sich gestern auch Rober­to Noth­nagel, Chef vom «Sound» . Die
Ein­lass­er seines Clubs grif­f­en bei dem Vor­fall ein, wodurch die Täter
flüchteten. Schon zuvor habe die Gruppe im Bere­ich der
Straßen­bahn-Hal­testelle Stadt­prom­e­nade Stre­it provoziert, berichtet
Noth­nagel. «Das macht mir schon Sor­gen, denn so etwas passiert ja ständig in
Cot­tbus.»

Auch BTU-Präsi­dent Prof. Ernst Sig­mund und Kan­zler Wolf­gang Schröder
bedauern die Vorkomm­nisse und gehen davon aus, dass die strafrechtliche
Ver­fol­gung der Täter zügig und erfol­gre­ich abgeschlossen wird. Der Präsi­dent
bedauert vor allem, dass die Stadt dadurch immer wieder in neg­a­tive
Schlagzeilen ger­ate.

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